
FRANKFURT. Die deutsche Kreditwirtschaft hofft, dass der Verbriefungsmarkt anspringt, um im kommenden Jahr einer Kreditklemme vorbeugen zu können. „Die Verbriefung ist derzeit der große Schwachpunkt. Es ist das klare Verständnis der Branche, dass diese Angelegenheit höchste Priorität hat“, sagte Jürgen Fitschen, Vorstand der Deutschen Bank, am Montag. Das größte Problem sei das Misstrauen der Investoren. Fitschen erwartet, dass es Anfang 2010 wieder größere Verbriefungen von Mittelstandsforderungen geben könnte.
Mit der Verbriefung von Krediten sollen die Bankbilanzen entlastet und Spielraum für neue Darlehen geschaffen werden. Dabei werden nur die Risiken oder auch die Forderungen als Ganzes an Investoren im Kapitalmarkt weitergereicht. Die drastischen Ausfälle bei verbrieften US-Häuserkrediten haben das Instrument insgesamt in Verruf gebracht – auch wenn Mittelstandsfinanzierungen weitaus sicherer sind. Die deutschen Banken planen deshalb ein so genanntes Premiumsegment für Verbriefungen. Es soll unter anderem klare Vorschriften enthalten, welche Kredite verbrieft werden dürfen und welche Risiken Banken selbst behalten müssen, um sich nicht aus der Haftung zu stehlen.
Die Zurückhaltung der Investoren ist nach wie vor groß, auch wenn es zuletzt gelang, Forderungen der VW-Finanzsparte zu verbriefen. „Es gibt punktuell Zeichen einer Besserung, diese ist aber noch nicht ausreichend und nachhaltig genug“, sagt Katrin Stark, Head of Portfoliomanagement in der Commerzbank-Mittelstandsbank. Dabei droht ohne eine Rückkehr des Verbriefungsmarktes 2010 eine Kreditklemme.
„Wir leben mit einem Cocktail, der sehr gefährlich werden könnte. Wenn wir langsam in einen Aufschwung hereinkommen, wird die Kreditnachfrage der Unternehmen steigen. Zugleich steigt aber in dieser Zeit auch die Zahl der Kreditausfälle. Zeitgleich verlangen die Aufsichtsbehörden eine höhere Kapitalunterlegung bei Bankgeschäften“, skizziert Matthias Hillmer, Abteilungsleiter Asset Securitisation der DZ Bank, die Herausforderung. In den nächsten zwei Jahren werde Eigenkapital für die Banken ein knappes Gut sein. Umso wichtiger sei es, dass die Banken ihre Bilanzen über den Verbriefungsmarkt entlasten können.
„Es braucht im Grunde nur eine Initialzündung. Es würde genügen, wenn der Staat ein Premiumsegment für Mittelstandsverbriefungen anschiebt, in dem er oder die KfW bereit ist, Teile einer Emission zu kaufen oder zu garantieren“, erklärt Hillmer.
Bei den Anforderungen an ein zukünftiges Premiumsegment muss Experten zufolge darauf geachtet werden, dass die technischen Vorgaben von allen Emittenten umgesetzt werden können. Anderenfalls seien umfangreiche IT-Investitionen nötig. „Dies würde dem Markt kurzfristig eher schaden als ihn zu beleben“, meint Commerzbank-Managerin Stark.
Einig sind sich die Banken, dass es gerade in den nächsten Monaten einer Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes bedarf. „Ein Wegfall dieses Instrumentariums könnte zu einer zukünftigen Reduzierung der Kreditvergabe führen“, prognostiziert Stark. Ohne den Verbriefungsmarkt könnten die heimischen Banken und Sparkassen keinesfalls die Kreditvolumina stemmen, die benötigt werden, wenn die Unternehmen nach der Krise wieder investieren wollen, warnt auch die DZ Bank.
Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sind die Weichen für eine Unterstützung zwar gestellt, allerdings noch wenig konkret. Dort heißt es, man wolle die Standardisierung der Verbriefungsprodukte voranbringen. Dabei werde man „die Möglichkeiten prüfen, durch ein Verbriefungsgesetz einen einheitlichen und transparenten Standard zu setzen.“