
NEW YORK. Der angeschlagene Versicherungskonzern AIG verhandelt Kreisen zufolge über weitere Finanzhilfen von der US-Regierung. Möglich seien weitere Mittel für den Versicherer oder das Begleichen von Schulden durch Aktien, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Montag. Die Verhandlungen seien jedoch noch im Gange und auch andere Optionen würden diskutiert, fügte die Person hinzu. AIG äußerte sich nicht zu dem Bericht. „Wir werden mit der Zentralbank neue Alternativen erörtern um die finanziellen Herausforderungen von AIG zu lösen“, sagte eine AIG-Sprecherin lediglich. Auch das Finanzministerium wollte keine Stellung dazu nehmen.
Die US-Regierung hat AIG mit zwei Finanzspritzen in Höhe von rund 150 Milliarden Dollar bereits zweimal vor dem Aus gerettet. Der einst weltgrößte Versicherer stand wegen Hypothekenpapieren im vergangenen Herbst vor dem Abgrund. Infolge der Finanzkrise hatten die Papiere stark an Wert verloren und sind mittlerweile unverkäuflich.
Der Fernsehsender „CNBC“ und die Nachrichtenagentur Reuters berichteten, AIG werde wegen Abschreibungen einen Verlust von beinahe 60 Milliarden Dollar erleiden. Wenn es kein Übereinkommen mit der US-Regierung gebe, würden sich die Anwälte von AIG auf die Möglichkeit einer Insolvenz vorbereiten. AIG wies dies zurück und erklärte, es gebe keine konkreten Pläne für einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11.
An der Wall Street stürzten die Aktien von AIG zwischenzeitlich um rund 15 Prozent ab, erholten sich dann aber und schlossen 1,9 Prozent tiefer.
AIG hatte sich im Zuge der Finanzkrise mit der Absicherung von Kreditrisiken verhoben und musste im Vorjahr von der Bush-Regierung finanziell aufgefangen werden. Seitdem hat der Staat in mehreren Tranchen bereits 150 Milliarden Dollar in das Unternehmen gepumpt und sich im Gegenzug einen Anteil von 80 Prozent gesichert.
Derzeit bemüht sich der Versicherer, Konzernteile zu versilbern, um das teure Staatsdarlehen ein Stück weit abzutragen. Konkurrenten von China bis Deutschland sind vor allem an Filetstücken wie den asiatischen Versicherungstöchtern interessiert.
AIG galt lange als Benchmark – unter anderem für die deutsche Allianz. Ein Jahr und etliche staatliche Rettungsaktionen später steht jedoch fest: Weder Größe noch beste Bonitätsnoten der Ratingagenturen schützen vor Finanzkatastrophen.