
MÜNCHEN. "Wir machen uns nicht vom Acker und stehlen uns auch nicht aus der Verantwortung", sagte der Verbands-Präsident Rolf-Peter Hoenen, auf der Tagung der Versicherungseinkäufer der Industrie in München.
Durch die steigende Zahl von Insolvenzen würden die Kreditversicherer 2009 wohl einen versicherungstechnischen Verlust von rund 300 Mio. Euro ausweisen. Dies bedeutet: Schäden und Kosten im Verhältnis zu den Prämien steigen auf 120 Prozent. Diese Quote (Combined Ratio) lag 2008 bei 87 Prozent.
Auf der Tagung des Deutschen Versicherungsschutzverbandes (DVS) kam dennoch sofort Kritik an Hoenen hoch. Für die Chemiebranche treffe diese Statistik nicht zu, sagte ein Teilnehmer. Limitkürzungen, also das Herunterschrauben des Schutzes, seien der Webfehler der Kreditversicherung. Die Industrie bleibe gerade in guten Zeiten Kunde der Kreditversicherer, um in schlechten Zeiten den Regenschirm zu bekommen.
Von einem Einsammeln der Regenschirme könne keine Rede sein, verteidigte sich Hoenen. Dies belegten die vom GDV seit Beginn dieses Jahres monatlich erhobenen Marktdaten. Die Zahl der Verträge liege immer noch über dem Niveau von Ende 2007, also vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Während die privaten Kreditversicherer Ende 2007 rund 38 800 Verträge gezeichnet hatten, seien es Ende Juli 2009 rund 40 000 Verträge gewesen. Die gezeichneten Deckungssummen fielen dagegen leicht: Das Volumen lag Ende Juli bei über 261 Mrd. Euro gegenüber 268 Mrd. Euro Ende 2007.
Adressat der Industrie-Kritik sind insbesondere die drei großen Kreditversicherer: Die Allianz-Tochter Euler Hermes, die niederländische Atradius und die französische Coface. Die Industrie überlegt nun wieder, einen eigenen Kreditversicherer zu gründen. In Versicherungskreisen wird dies aber nicht ernst genommen.
Um Entlastung für die Wirtschaft zu schaffen, hilft nun die Regierung. "Im Ergebnis bedeutet dies: Der Staat springt ein, wo ein Kreditversicherer nur noch einen Teil des Risikos übernehmen kann", erklärte Hoenen. Der Staat stocke dann den Versicherungsschutz entsprechend auf. Der GDV-Präsident begrüßt dies, verhehlte aber nicht, dass der Verband sich eine weitergehende Lösung gewünscht hätte. Als Staatshilfe für Versicherer wollte er das Paket aber nicht verstanden wissen.