
MONTE CARLO. Die Münchener Rück ändert ihre Strategie. Der größte Rückversicherer möchte künftig auch als Berater Geld verdienen und ändert dafür seinen Markenauftritt. Weltweit will der Konzern nun als „Munich Re“ auftreten, verkündete Vorstand Torsten Jeworrek gestern auf dem Versicherertreff in Monte Carlo.
Die neue Strategie wurde seit zwei Jahren vorbereitet, überspielt aber nun eine Niederlage: Die Münchener Rück setzt sich seit mehr als einem Jahr für höhere Preise in der Rückversicherung ein, ist damit aber nur teilweise bei den Erstversicherern durchgedrungen. Analysten gehen davon aus, dass auch in diesem Jahr höhere Preise nur vereinzelt durchsetzbar sein werden. Jeworrek rechnet mit einer „stabilen Entwicklung“. Der Dax-Konzern werde sich strikt an seine Renditevorgaben halten und notfalls auch große Umsatzeinbußen in Kauf nehmen, sagte er.
Die Branche trifft sich traditionell im September in dem Stadtteil des Fürstentums. Hier erfolgt der Startschuss für die jährliche Neuverhandlung von Versicherungspolicen. Bei der Münchener Rück werden zum Jahreswechsel etwa zwei Drittel der Verträge im wichtigen Schaden/Unfall-Segment erneuert. Das entspricht einem Volumen von gut acht Mrd. Euro.
Hintergrund der neuen Strategie ist, dass den Branchengrößen Münchener Rück und Swiss Re kostengünstiger arbeitende Konkurrenten aus Steueroasen wie Bermuda zunehmend Konkurrenz machen. Außerdem werden immer häufiger Versicherungsrisiken am Kapitalmarkt breit verkauft.
Kern der neuen Ausrichtung der Münchener Rück ist: Der Dax-Konzern will künftig die erste Adresse für alle Risikofragen sein und so neue profitable Geschäftsfelder besetzen – und das nicht nur für die traditionelle Kundschaft aus der Versicherungswirtschaft, sondern zum Beispiel auch für den Staat und Bauunternehmen, erläuterte Jeworrek. Bei Bauprojekten etwa biete Munich Re alles aus einer Hand: von der Risikoeinschätzung in der Planungsphase über Erstversicherungs-Know-how, Rückversicherungskapazität und Risikoinspektionen während der Bauphase bis hin zu Bestandsdeckungen nach der Fertigstellung eines Projekts.
In der Branche wird die neue Strategie skeptisch bewertet: „Der Kunde erwartet vor allem Neutralität in der Analyse und Bewertung“, sagte Jan-Oliver Thofern, Chef des Maklers Aon Rück. Wer in der Beratung erfolgreich sein wolle, müsse das unter Beweis stellen.
Bisher war es die Kernaufgabe der Gesellschaft, Geschäft von Erstversicherern in die eigenen Bücher zu übernehmen. Beratung war ein Nebenprodukt. Das ändere sich, glaubt die Münchener Rück. Risiken würden komplexer, wie die Finanzmarktkrise gezeigt hat. Neue Risiken entstünden, dazu zählt der Klimawandel. Die Versicherer müssen diese Gefahren künftig besser in ihrem Zahlenwerk abbilden, weil in den nächsten Jahren unter dem Stichwort „Solvency II“ neue Kapital- und Aufsichtsregeln schrittweise eingeführt werden. Konkret denkt die Münchener Rück dabei an Hilfen in der Steuerung der Bilanz oder dem Management von Risiken und Vermögenswerten.
Dagegen setzt der Marktführer nun auf das über Jahre aufgebaute Wissen im Konzern. Es liegt in umfangreichen Datenbanken rund um den Klimawandel oder auch im Risikomanagement, das die Münchener Rück nach eigenen Angaben nach der Aktienmarktkrise 2000 bis 2003 systematisch verbessert hat. Auch in der Debatte und der Umsetzung der neuen Kapital- und Aufsichtsregeln für die Branche, Solvency II, sehen sich die Münchener als Vorreiter. Dieses spezielle Wissen kann an Versicherer verkauft werden, die noch nicht so weit sind wie die Münchner. Jeworrek: „Traditionelle Rückversicherung ist unser Kerngeschäft und das wird auch so bleiben. Aber unser Know-how soll künftig noch gezielter eingesetzt werden.“