Banken

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Versicherungskonzern: Allianz beendet Bank-Abenteuer

Der Versicherungsriese beendet seinen Ausflug in die Bankenwelt. Das Geschäft wird zu Ende Juni eingestellt. Rund 450 Arbeitsplätze fallen weg. Die Allianz dürfte mit dem Projekt einen Millionenbetrag verloren haben.

Aus für die Allianz-Bank. Der Versicherungskonzern stellt das Geschäft in der Sparte ein. Quelle: Reuters
Aus für die Allianz-Bank. Der Versicherungskonzern stellt das Geschäft in der Sparte ein. Quelle: Reuters

MünchenDer Versicherungskonzern Allianz schließt seine Bank-Sparte. Der operative Betrieb werde zum 30. Juni eingestellt, teilte die Allianz-Tochter Oldenburgische Landesbank (OLB) mit. Die Wachstumserwartungen hätten sich nicht erfüllt, das Geschäft blieb defizitär. Rund 450 Arbeitsplätze werden gestrichen. Die Allianz dürfte mit dem Projekt einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag verloren haben.

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Damit räumt der Versicherungskonzern nach dem Debakel mit der Dresdner Bank zum zweiten Mal sein Scheitern im Bankgeschäft ein. Die Allianz Bank wuchs in den vergangenen Jahren deutlich langsamer, als vom Konzern erhofft, zudem schreibt sie immer noch Verluste.

Allianz: Stärken und Schwächen

  • Gut gerüstet für schwierige Lage

    Die Umstände könnten leichter sein für die Allianz: Die Staatsschuldenkrise sorgt für Unsicherheit. Die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben und es gibt immer mehr Naturkatastrophen. Doch Europas größter Versicherer ist vergleichsweise gut gerüstet. Ein Blick auf die Stärken und Schwächen.

  • Stärke: Vermögensverwaltung

    Der Versicherungskonzern verwaltete im Jahr 2011 Anlagen im Wert von fast 1,7 Billionen Euro. Das sind noch einmal neun Prozent mehr als im Vorjahr und ein neuer Rekordwert. Rund drei Viertel davon verwaltet der Konzern "für Dritte", also nicht für die eigenen Versicherungskunden. Mit diesem Geschäft erzielt die Allianz hohe Provisionserlöse.

  • Stärke: Ergebnis steigt

    Die hohen Provisionserlöse führen dazu, dass das operative Ergebnis der Asset-Management-Sparte im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 2,3 Milliarden Euro anstieg. Die Sparte trug damit einen Großteil des Gewinns des Allianz-Konzerns bei. Gemessen am gesamten verwalteten Vermögen zählt die Allianz zu den größten Vermögensverwaltern der Welt.

  • Stärke: Gute Verteilung

    Das Geschäft ist dabei seit Jahresbeginn auf zwei gleichberechtigte Anlageverwalter aufgeteilt: Pimco und Allianz Global Investors (AGI). Zuvor war Pimco ein Tochterunternehmen von AGI. Nun ist der sehr erfolgreiche Anleihespezialist unabhängiger und kann eigenständig seine Fonds managen und vertreiben.

  • Stärke: Hohe Kundenzufriedenheit

    Kaum ein anderer deutscher Konzern analysiert so genau, was seine Kunden denken und wie zufrieden sie sind. In einem Kundenbericht publiziert die Allianz nun regelmäßig die Ergebnisse. Auf einer Notenskala von eins bis fünf bekommt die Allianz von den Kunden für die Produkte durchschnittlich die Note 1,9 und für den Service die Note 2,3.

  • Stärke: Hohe Preise zu rechtfertigen

    Eine hohe Zufriedenheit ist wichtig, weil der Konzern nur dann seine Preise rechtfertigen kann. Laut Bernd Heinemann, Marktmanagement-Vorstand bei der Allianz Deutschland, hat der Konzern noch zu wenig rundum begeisterte Kunden, die eine 1,0 vergeben.

  • Stärke: Viel Neugeschäft

    Gerade solche Kunden sind wichtig, denn die Untersuchungen des Konzerns haben ergeben, dass die 20 Prozent der Kunden mit der höchsten Zufriedenheit im Schnitt mehr als doppelt so viel Neugeschäft bringen wie der Durchschnittskunde.

  • Schwäche: Deutsche Sachversicherung

    Ausgerechnet der Heimatmarkt ist für die Allianz in der Sachversicherung ein Sorgenkind. Die Beitragseinnahmen der Allianz Versicherungs-AG, in der die Sachversicherung gebündelt ist, waren auch 2011 leicht rückläufig (siehe Grafik). Dass es Probleme bei der Profitabilität gibt, zeigt die Schaden-Kosten-Quote von 102,2. Nur bis zu einem Wert von 100 Prozent sind die Schäden und Verwaltungskosten durch die Prämieneinnahmen gedeckt.

  • Schwäche: Kfz-Versicherung

    Vor allem die wichtige Kfz-Versicherung schwächelt. Die Zahl der versicherten Autos sank 2011 nochmals um 50?000 auf 8,12 Millionen Fahrzeuge. Marktführer ist die Huk-Coburg (8,7 Millionen Fahrzeuge). "Was die Autoversicherung angeht, hat die Allianz ungünstigere Kostenstrukturen als die Konkurrenz", sagt Christian Muschick, Analyst bei Silvia Quandt Research.

  • Schwäche: Starke Konkurrenz

    Die Huk-Coburg kann dank ihrer automatisierten Prozesse billigere Tarife anbieten. Der neue Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß will die Profitabilität steigern und baut die Sparte um. Mit Preiserhöhungen nimmt die Allianz auch weitere Marktanteilsverluste in Kauf, wenn dadurch das Geschäft wieder mehr Gewinn abwirft.

  • Schwäche: Das Bankgeschäft

    Die Allianz vertreibt neben dem Versicherungsgeschäft auch Bankprodukte. Doch das Geschäft läuft nicht rund. Der Umsatz ging 2011 leicht auf 567 Millionen Euro zurück, die Sparte schrieb einen operativen Verlust von 68 Millionen Euro. Auf dem deutschen Markt ist die Allianz mit der Oldenburgischen Landesbank (OLB) und der Allianz Bank aktiv. 2011 schrumpfte das Ergebnis der OLB nach Steuern um rund 68 Prozent auf 16,9 Millionen Euro.

  • Schwäche: Hohe Risikovorsorge

    Sie musste viel Risikovorsorge für wacklige Schiffsfinanzierungen bilden. Die Allianz Bank - formal eine Zweigniederlassung der OLB - schrieb vor Steuern 1,8 Millionen Euro Verlust. Sie tut sich schwer mit der Neukundengewinnung.

Die Allianz hatte ihre Bank nach dem Verkauf der Dresdner Bank im Juni 2009 aus der Taufe gehoben. Sie ist eine Tochter der Oldenburgischen Landesbank. An der Regionalbank will die Allianz hingegen festhalten. Mit der Allianz Bank wollte der Konzern über die Versicherungsvertreter auch weiterhin einfache Bankprodukte wie Giro- oder Tagesgeldkonten, Fondssparpläne oder Kleinkredite anbieten.

Zum Start hatte die Allianz Bank einen Kundenstamm von rund 350.000 Kunden, die von den Allianz-Vertretern ursprünglich für die Dresdner Bank angeworben waren. Damals hatte die Allianz Bank das Ziel ausgegeben, jedes Jahr 100.000 neue Kunden anzuwerben und spätestens 2014 keine Verluste mehr zu schreiben.

50-Jahres-Vergleich Welcher Versicherung die Kunden davonlaufen

  • 50-Jahres-Vergleich: Welcher Versicherung die Kunden davonlaufen
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Doch diese Ziele waren bis zuletzt nicht erreicht worden. „Unsere Erwartung, mit unserem Geschäftsmodell im hart umkämpften Privatkundengeschäft profitabel wachsen zu können, hat sich nicht erfüllt“, sagte Andree Moschner, Allianz-Deutschland-Vorstand und OLB-Aufsichtsratschef.

Die Verluste der Allianz Bank sind vergleichsweise niedrig – im Bankgeschäft kam die Allianz zuletzt dank kleiner OLB-Gewinne operativ auf eine schwarze Null. Dennoch entschied sich der Versicherungskonzern nun für den radikalen Schnitt.

Versicherer in Europa

  • Europa

    Zahl der Unternehmen: 5078 (in 2008)

    Beschäftigte: 956 000 (in 2009)

    Bruttoprämien: 1104 Milliarden Euro

    Daten aus 2010

  • Deutschland

    Zahl der Unternehmen: 582

    Beschäftigte: 216 400

    Bruttoprämien: 179 Milliarden Euro

  • Frankreich

    Zahl der Unternehmen: 441

    Beschäftigte: 147 400

    Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

  • Italien

    Zahl der Unternehmen: 242

    Beschäftigte: 47 185

    Bruttoprämien: 126 Milliarden Euro

  • Großbritannien

    Zahl der Unternehmen: 1314

    Beschäftigte: 117 000 (in 2009)

    Bruttoprämien: 207 Milliarden Euro

  • Niederlande

    Zahl der Unternehmen: 268

    Beschäftigte: 57 000

    Bruttoprämien: 78 Milliarden Euro

  • Belgien

    Zahl der Unternehmen: 145

    Beschäftigte: 23 727

    Bruttoprämien: 29 Milliarden Euro

  • Schweiz

    Zahl der Unternehmen: 151

    Beschäftigte: 45 659

    Bruttoprämien: 40 Milliarden Euro

  • Spanien

    Zahl der Unternehmen: 292

    Beschäftigte: 47 779 (in 2009)

    Bruttoprämien: 57 Milliarden Euro

  • Dänemark

    Zahl der Unternehmen: 184

    Beschäftigte: 16 773

    Bruttoprämien: 21 Milliarden Euro

  • Schweden

    Zahl der Unternehmen: 386

    Beschäftigte: 20 414

    Bruttoprämien: 28 Milliarden Euro

Die Abwicklungskosten werden von der Allianz Deutschland getragen, die auch die Anlaufverluste der Allianz Bank übernommen hatte. Ein Sprecher sagte, die Allianz Bank habe den Konzern seit der Gründung vor vier Jahren rund 400 Millionen Euro gekostet. Länger laufende Produkte würden fortgeführt, für Konten und Kreditkarten müssten sich die Allianz-Bank-Kunden aber eine neue Bankverbindung suchen, sagte der Sprecher. Das betrifft nach Angaben der Bank etwa 325.000 Kunden. Die im Nordwesten Deutschlands tätige OLB selbst sei von der Schließung unberührt.

Mit Material von Reuters

  • 24.01.2013, 12:42 Uhrhanwufu

    Die 400 Mio waren bestimmt fast nur Marketing-Kosten, um die Marke "Allianz Bank" auszustatten.
    Rein technisch gesehen war das wohl überflüssig (alle wesentlichen Bankfunktionen macht eh die OLB, z.B. Zahlungsverkehr, Risikomanagement, usw.), weil die Kunden auch direkt zur OLB hätten gehen können. Aber so rational sind dann die Kunden auch nicht -- Kunden sehen immer nur das Logo/Branding. Ich denke, dass die Kosten für AllianzBank Kunden minimal sind wenn wenn AllianzBank Kunden einfach zur OLB gehen, z.B. der BIC Code ist quasi identisch (Es fällt nur der Niederlassungs Code der AllianzBank am Ende weg).

  • 24.01.2013, 13:59 UhrPequod

    So wird man sicherlich noch einen Weg finden sich
    über die OLB als ''systemrelevant''zu erklären und
    mit der kommenden Bankenunion über den ESM die Kosten
    zu kompensieren!

  • 24.01.2013, 14:24 UhrTalkmaster

    Herr Diekmann, einmal mehr ein Desaster Ihre McKinsey Truppe!!!
    Diese Herren Riess Moschner und die anderen Boys von McKinsey zeigen ununterbrochen, dass sie keine Ahnung haben!
    Unternehmensberater wissen genau wie es geht, können es aber selber nicht!

    Vertrauen Sie mehr Ihren bodenständigen Mitarbeitern und Vertretern, die beweisen sich tagtäglich!!!
    Alles Gute Her Diekmann

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