
HB DÜSSELDORF. Die schlechten Nachrichten um die US-Hypothekenkrise reißen nicht ab. Nach IKB und WestLB müssen sich nun zwei größere deutsche Finanzinstitute Sorgen machen: Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehören - neben der französischen Großbank BNP Paribas - zu den Gläubigern der Pleite gegangenen US-Hypothekenbank Homebanc.
Das geht aus Unterlagen der US-Finanzaufsicht SEC hervor, die auf der Webseite der Homebanc zu finden sind. Dort wird die DB Structured Products Inc der Deutschen Bank erwähnt. Wie hoch die Kredite waren, die die Banken gewährten, ist noch unklar. Die gescheiterte US-Bank hatte Ende der Woche Gläubigerschutz in den USA beantragt.
Auch eine Tochter der belgisch-niederländischen Bank Fortis taucht in der Liste der Gläubiger des US-Geldverleihers auf. Homebanc hatte in einer Mitteilung an das Insolvenzgericht in Wilmington sein Vermögen auf 5,1 Milliarden Dollar und die Schulden auf 4,9 Milliarden beziffert. Schätzungen, wie viel Geld das Institut seinen Gläubigern schuldet, die Homebanc Kredite ohne Besicherung gewährt hatten, legte der Hypothekenfinanzierer nicht vor.
Größter Aktionär von Homebanc ist die FMR Corp, die Mutterfirma der Fondsgesellschaft Fidelity. FMR halte ein Sechstel der Homebanc-Aktien, erklärte die Hypothekenfirma.
Zu Gelassenheit rufen indes Volkswirte und Wirtschaftsverbände auf. Der Europa-Chefvolkswirt der Rating-Agentur Standard & Poor's, Jean-Michel Six, rechnet nicht damit, dass die Kreditkrise an den Finanzmärkten auf die Konjunktur durchschlagen wird. " Die Finanzlage der Firmen ist insgesamt sehr gut und die Konjunktur erscheint robust. Daher sehe ich noch wenig Grund zur Sorge für die Wirtschaft", sagte er dem Handelsblatt. Auch den Banken drohe keine Krise. Zwar seien einige Institute in Deutschland, Großbritannien und Frankreich von den Folgen der US-Immobilienkrise betroffen, aber "die Banken sind ganz gut in der Lage, die Probleme zu bewältigen und eine Lösung zu finden, die für die Investoren erträglich sind."
Der Bundesverband der Deutschen Industrie zeigte sich ebenfalls optimistisch. „Der Konjunktur in Deutschland und Europa drohen durch die US-Immobilien-Krise an den Aktienmärkten keine unmittelbaren Gefahren“, sagte BDI-Volkswirt Reinhard Kudiß der der „Berliner Zeitung“. Allerdings seien die Risiken größer geworden: „Insbesondere dann, wenn der private Verbrauch in Amerika als tragende Säule der dortigen Konjunktur einen Dämpfer erhalten sollte, würde das Konjunkturklima hierzulande eingetrübt.“