_

Vor G20-Gipfel: Wirtschaft drängt auf Regulierung der Banken

exklusiv Die Wirtschaftslobby der G20-Staaten bereitet sich auf den Gipfel vor. Die Verbände drängen auf gezähmte Finanzmärkte, wollen aber "das Kind nicht mit dem Bade ausschütten". Besondere Dringlichkeit erhält der Kampf gegen Spekulation inzwischen auch durch das Auf und Ab an den Rohstoffmärkten.

BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: Der oberste deutsche Industrievertreter will die Banken an die Kette legen. Quelle: dpa
BDI-Präsident Hans-Peter Keitel: Der oberste deutsche Industrievertreter will die Banken an die Kette legen. Quelle: dpa

BERLIN. Noch vor dem G20-Gipfel im Juni treffen sich am Mittwoch erstmals die Spitzenverbände der Wirtschaft aus den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern. Ihr Ziel ist es, gemeinsame Forderungen an die Regierungschefs zu richten.

Anzeige

Im Mittelpunkt dieses G20-Business-Summit im kanadischen Ottawa steht die Sorge über den nachlassenden Elan der Politik bei der Finanzmarktregulierung. "Dort droht das nächste Problem, aber bisher wird nur geredet und auf Nebenkriegsschauplätzen gekämpft", kritisiert BDI-Präsident Hans-Peter Keitel im Gespräch mit dem Handelsblatt. Vor allem die Standortinteressen einzelner Börsenplätze verhindere weitere Reformschritte bei den G20-Konferenzen. Auch sollte nicht eine Bankenabgabe das Kernthema der Finanzmarktregulierung sein, meint Keitel, denn sie "trägt nicht zur Regelung der Märkte bei".

Entscheidend für die Unternehmen der Realwirtschaft sei die Frage, wie man "die Auswüchse der Spekulation an den Märkten begrenzen kann". Auf Reizworte wie Derivate oder Hedgefonds reagiert Keitel dennoch vorsichtig. "Man darf das Kind nicht mit dem Bade ausschütten." Bei aller berechtigten Kritik spiele "das Hedging auch eine wichtige Rolle bei der Unternehmensfinanzierung". Der BDI-Präsident will bei seinen Kollegen für eine Differenzierung werben. Die Unternehmen sollten sich auch künftig gegen Risiken bei Währungsschwankungen oder bei Rohstoffpreisen absichern können. "Dagegen sollten reine Spekulationen, denen kein konkretes Gegengeschäft unterliegt, mindestens erschwert, in manchen Fällen sogar unterbunden werden", fordert Keitel. Bislang werde das Thema nur in allgemeiner Form erörtert. "Da muss man aber ernsthaft und detailliert rangehen. Das Problem in Griechenland zeigt uns, wie gefährlich es werden kann, wenn man lange nichts tut."

Sorge um volatile Rohstoffmärkte

Besondere Dringlichkeit erhält der Kampf gegen Spekulation inzwischen auch durch das Auf und Ab an den Rohstoffmärkten. Die heftigen Schwankungen entziehen vielen Herstellern und Weiterverarbeitern die Kalkulationsbasis. "Es würde uns in Deutschland hart treffen, wenn die Stahlpreise aufgrund der Spekulationen auf den Rohstoffmärkten weiterhin so steil nach oben gehen", weiß Keitel.

Weniger mehrheitsfähig als der Kampf gegen Spekulation und Finanzmarktexzesse ist im G20-Rahmen die Frage der globalen Ungleichgewichte. Vor allem die Deutschen sitzen da neben den Chinesen auf der Anklagebank. Keitel will sich nicht in diese Rolle fügen: "Der deutsche Exportüberschuss ist das Ergebnis vieler unternehmerischer Anstrengungen, und das wird auch so bleiben." Lange habe man Deutschland vorgeworfen, keine Lokomotive zu sein, erinnert Keitel. "Jetzt, wo wir es sind, ist es auch wieder nicht recht."

Als Beitrag zur Reduzierung der Ungleichgewichte sieht er durchaus die geforderte Stimulierung des deutschen Binnenmarktes. "Allerdings nicht über schuldenfinanzierten Konsum", schränkt Keitel ein, "sondern über eine Investitionsoffensive in die heimische Infrastruktur." Dazu zählen Breitbandnetze, Stromnetze, Übertragungsleitungen, Kraftwerke, Straßen- und Kanalbau und vieles mehr. "Dort ruht ein enormes Potenzial an privatem Kapital", weiß Keitel. Alleine im Bereich der IT-Netze sind es rund 40 Mrd. Euro. Als Hemmschuh für die Aktivierung dieses milliardenschweren Potenzials hat Keitel die strenge Regulierung ausgemacht. "Nicht die strengste Regulierung ist die beste, sondern die, die marktkonform ist und gleichzeitig die größten Investitionen auslöst."

Deutlich abgerutscht in der Bedeutung ist das Thema Klimaschutz. Europa und allen voran die Deutschen wollen nach dem gescheiterten Klimagipfel von Kopenhagen zwar noch einmal einen neuen Anlauf machen. Viel Zuversicht schwingt aber nicht mit, wenn Keitel mahnt, das Thema "wegen der Krise nicht aus den Augen zu verlieren."

  • Die aktuellen Top-Themen
Intercontinental Hotels Group: „Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

„Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

Intercontinental Hotels Group will in Deutschland expandieren und die Branchenspitze erklimmen. Erstmals gibt der Weltmarktführer Einzelheiten des geplanten Projekts bekannt.

Frauen gefragt: Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Dax-Aufsichtsräte werden weiblicher

Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne ist gestiegen. In ein paar Jahren könnten sie bereits knapp ein Drittel ausmachen. Das ist allerdings nicht der einzige Trend, der in den Gremien auffällt.

Die teuerste Werbefläche: Das Trikot-Sponsoring als Millionengeschäft

Das Trikot-Sponsoring als Millionengeschäft

Der Werbeplatz auf dem Bundesliga-Trikot ist beliebt - und kostspielig. Und die Preise dürften weiter steigen. Derzeit ist bei Werder Bremen wieder ein Fleckchen zu haben. Interessenten gibt es genug.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.