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Walid Chammah: Morgan Stanley: „Erholung ging zu schnell“

exklusiv Walid Chammah, Co-Präsident von Morgan Stanley, spricht im Interview über das Ende der Krise, das Vertrauen in Banken und die Gefahren von Gewerbeimmobilien. Außerdem verrät Chammah, warum er eine Korrektur der Märkte für nicht unwahrscheinlich hält und die Renditen bei den Banken seiner Einschätzung nach sinken werden.

Walid Chammah wäre von einer Korrekt der Märkte nicht überrascht. Quelle: REUTERSREUTERS
Walid Chammah wäre von einer Korrekt der Märkte nicht überrascht. Quelle: REUTERSREUTERS

Handelsblatt: Einfache Frage, wann sehen Sie das Ende der Finanzkrise?

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Walid Chammah: Das ist durchaus keine einfache Frage. Wir bekommen täglich mit, dass die Finanzkrise noch nicht vorbei ist. Sie zeigt sich nur in etwas abgemilderter Form, mehr nicht. Trotz aller Unsicherheiten wage ich die Vorhersage, dass die Krise Ende dieses Jahres ausläuft, spätestens im nächsten Jahr. Spätestens ab 2011 sollte wieder völlige Normalität eingekehrt sein.

Angesichts ihrer Prognose kommt das Gefühl auf, dass die Märkte der Realität vorausgeeilt sind. Stimmt das?

Die Erholung an den Märkten ging schnell, und das gilt sowohl für Aktien als auch für Anleihen, nach meiner Ansicht zu schnell. Mich würde deshalb eine Korrektur nicht weiter überraschen. Im nächsten Jahr sollte dann aber auch an den Märkten wieder Normalität einkehren.

Die Konjunkturprogramme in allen Staaten weltweit helfen nicht dabei, einen Rückschlag zu vermeiden?

Niemand weiß wirklich, wie effektiv die Konjunkturpakete sind. Lassen Sie uns gemeinsam hoffen, dass sie dabei helfen, den Rückschlag an den Märkten in Grenzen zu halten und Vertrauen in die weitere Entwicklung der Wirtschaft aufzubauen.

Vertrauen? Können wir den Banken vertrauen? Bauen sich bei einem Rückschlag an den Finanzmärkten erneut systemische Risiken auf?

Mittlerweile sind systemische Risiken kein Thema mehr. Sie wurden wirksam adressiert. Die Banken werden keine Gefahr mehr für das Finanzsystem insgesamt darstellen und in letzter Konsequenz auch die Weltwirtschaft nicht gefährden.

Doch Gefahren gibt es noch reichlich, oder? Zum Beispiel bei Gewerbeimmobilien.

Das ist richtig. Hier sprechen Sie ein ernstes Problem an. Die Bewertung von Gewerbeimmobilien, Grundstücken und Wohnimmobilien ist eingebrochen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir den Boden des Immobilienzyklus fast erreicht haben. Allerdings machen wir uns nichts vor. Bevor es hier zu einer ausgeprägten Erholung der Preise kommt, wird noch einige Zeit verstreichen.

Das alles muss doch Konsequenzen haben. Oder gehen wir wieder zur Tagesordnung über und marschieren geradewegs in die nächste Krise hinein, die nicht so glimpflich wie bisher ausgeht?

Ich glaube, dass die Bankbranche einige wichtige Lektionen aus der Krise gelernt hat und sich in Zukunft anders verhalten wird. Das Bankgeschäft umfasst das Eingehen von Risiken, und Banken werden auch in Zukunft Risiken eingehen. Aber die Risiken werden messbarer und quantifizierbarer sein. Finanzaufseher und Investoren haben ebenfalls wichtige Lektionen gelernt. Es besteht kein Zweifel, dass die Steuerung und Beaufsichtigung von Banken sich verbessern werden - durch höhere Eigenkapitalanforderungen als bisher, durch Vorgaben, dass sich Banken langfristiger refinanzieren und durch die Verhinderung von Missmanagement in den Chefetagen.

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