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Wegen Libor-Manipulation: Deutsche Bank beurlaubt fünf Händler

Die Deutsche Bank greift durch: Im Zuge der internen Ermittlungen suspendiert das Geldhaus fünf Händler. Diese sollen in die Manipulation wichtiger Zinssätze verstrickt sein.

Polizei vor der Zentrale der Deutschen Bank: Das Geldhaus ist in mehrere Skandale verwickelt. Quelle: dapd
Polizei vor der Zentrale der Deutschen Bank: Das Geldhaus ist in mehrere Skandale verwickelt. Quelle: dapd

FrankfurtDie Deutsche Bank hat im Zusammenhang mit internen Ermittlungen zu Zinsmanipulationen fünf weitere Händler suspendiert. „Nachdem die Bank festgestellt hat, dass sich eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern unangemessen verhalten hatte, hat sie diese Mitarbeiter suspendiert oder entlassen und verfallbare Vergütungskomponenten einbehalten“, erklärte ein Konzernsprecher am Mittwoch in Frankfurt. „Dies wird auch weiterhin der Fall sein, während wir die Untersuchung zu Ende führen.“

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Die fünf Mitarbeiter arbeiteten im Geldmarktteam in Frankfurt und waren unter anderem für die Festlegung von Referenzzinsen wie Libor und Euribor zuständig. Zur Rolle der Deutschen Bank in dem Fall läuft auch noch eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht Bafin. Der Bericht der Bafin wird in den nächsten Wochen erwartet.

Juristische Baustellen der Deutschen Bank

  • Viele Risiken

    Geldwäsche, Steuerhinterziehung, versuchte Strafvereitelung – die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der Deutschen Bank bis in den Vorstand wiegen schwer. Die laufenden Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten sind nicht die einzige juristische Baustelle des größten deutschen Geldhauses. In den ersten neun Monaten 2012 legte der Dax-Konzern 750 Millionen Euro für juristische Risiken zur Seite. Insgesamt schätzt der Konzern seine Rechtsrisiken nach jüngsten Angaben auf 2,5 Milliarden Euro. Ein Überblick.

  • Emissionsrechte

    Das Geschäft mit Zertifikaten zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) ist millionenschwer. Seit Jahren ist die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft Umsatzsteuerbetrügern auf der Spur, die den deutschen Fiskus um hunderte Millionen schädigten. Schon 2010 gab es in diesem Zusammenhang eine Razzia bei der Deutschen Bank. Im Dezember 2011 wurden sechs Männer einer internationalen Bande verurteilt, mit denen Deutsche-Bank-Mitarbeiter kooperiert haben sollen. In dem Prozess vor dem Landgericht Frankfurt musste sich die Deutsche Bank vorhalten lassen, den grenzüberschreitenden CO2-Zertifikatehandel erst so richtig in Schwung gebracht zu haben. Die Bank hatte seinerzeit betont, es gebe bisher „keine Hinweise auf eine Verstrickung der Mitarbeiter der Bank“. Am Mittwoch durchsuchten Fahnder erneut Geschäftsräume des Instituts. Gegen fünf Mitarbeiter erging Haftbefehl wegen des Verdachts auf Geldwäsche und versuchte Strafvereitelung, die Zahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 25. Die Ermittlungen zum Umsatzsteuerbetrug richten sich auch gegen Konzernchef Jürgen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause, weil sie die Umsatzsteuererklärung 2009 der Bank unterzeichneten.

  • Libor

    Über Jahre sollen Großbanken den Referenzzins manipuliert haben, um höhere Gewinne zu erzielen. Dass einzelne Mitarbeiter des Dax-Konzerns in den Jahren 2006/2007 an den Tricksereien beteiligt waren, daran gibt es auch nach Angaben der Bank keine Zweifel. Zwei Deutsche-Bank-Mitarbeiter wurden gefeuert. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war der seit Juni amtierende Co-Chef Anshu Jain, der seit Jahren das Investmentbanking verantwortet. Ende November musste sich Rechtsvorstand Stephan Leithner im Bundestags-Finanzausschuss unangenehme Fragen gefallen lassen. Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

  • Kirch

    Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch droht der Bank eine möglicherweise teure Niederlage. Das Münchner Oberlandesgericht (OLG) verurteilte die Bank zu Schadenersatz. Die Höhe ist noch offen und soll von Gutachtern ermittelt werden. Der damalige Konzern-Chefs Rolf Breuer hatte Anfang 2002 in einem Interview Kirchs Kreditwürdigkeit angezweifelt. Wochen danach brach der Kirch-Konzern zusammen. Kirch machte Breuer und die Bank zeitlebens dafür verantwortlich. Dessen Erben fordern in dem Münchner Verfahren gut zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Breuer nennt das Interview heute einen „Unfall“, einen Vergleich lehnte die Bank ab.

  • USA

    Dort landet die Bank wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/2008 immer wieder vor dem Kadi. Oft geht es um windige Hypothekengeschäfte. So soll das Institut Investoren mit Verbriefungsgeschäften übers Ohr gehauen haben. Im Mai schaffte das Geldhaus durch Zahlung von 202 Millionen US-Dollar eine Klage wegen zwielichtiger Geschäfte der US-Tochter MortgageIT aus der Welt.

    Stand: 13. Dezember 2012, Quelle: dpa

„Grund für die Beurlaubung war ein mögliches Fehlverhalten dieser Händler“, sagt eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Retuers. Damit hat das größte deutsche Geldhaus im Skandal um die Manipulation von Zinsen nun insgesamt sieben Händler im Verdacht. Zwei waren zuvor bereits entlassen worden.

Die „London Interbank Offered Rate“ (Libor) gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Der Zins dient als Maßstab für Geldgeschäfte in Billionenhöhe. An der seiner Berechnung sind die britischen Banken und eine Reihe der weltweit größten internationalen Banken beteiligt. Über Jahre sollen Großbanken den Zinssatz manipuliert haben, um höhere Gewinne einzustreichen.

Quartalszahlen

Ergebnisse der Deutschen Bank (nach Steuern)

in Milliarden Euro


Bei der britischen Großbank Barclays kostete der Skandal Vorstandschef Bob Diamond den Job. Die Schweizer Großbank UBS zahlte im Dezember fast 1,2 Milliarden Euro Buße, am Mittwoch einigte sich die verstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) im Libor-Skandal mit den Behörden auf 612 Millionen US-Dollar Strafe.

Die Beurlaubung der Händler, die keine führenden Positionen hatten, war Ergebnis der noch laufenden internen Untersuchung der Deutschen Bank. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin sei informiert worden, sagte ein weiterer Insider.


  • 06.02.2013, 17:03 UhrBrasil

    Schoenen Urlaub wuenschen alle, hoffentlich ausgestattet mit einer unlimittierten Kreditkarte auf Kosten des Hauses!
    Haben sich diese Mitarbeiter doch in der vergangenheiot extrem verdient gemacht fuer das Unternehmen!
    Sollte wohl als negative Konsequenz und Bauernopfer aufgenommen werden vom dummen Volk, was?
    Diese sog. berichterstattung wird immer Kurioser... und Durchsichtiger fuer die, welche in der lage sind selbst zu denken!

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