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Wegen Libor-Skandal: US-Behörden jagen weitere europäische Banken

exklusivDie US-Finanzmarktaufsicht verfolgt den Skandal um die Manipulation der Leitzinsen hartnäckig. Die britische Royal Bank of Scotland muss eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Doch weitere Geldhäuser werden folgen.

Bankenmetropole London: Britische Banken zahlten Strafen für die Libor-Manipulation. Weitere dürften folgen. Quelle: dpa
Bankenmetropole London: Britische Banken zahlten Strafen für die Libor-Manipulation. Weitere dürften folgen. Quelle: dpa

New YorkDie US-Finanzmarktaufsicht CFTC gibt sich mit der Bestrafung der britischen Royal Bank of Scotland nicht zufrieden. Schon bald dürften weitere europäische Institute wegen der Manipulation des Referenzzinssatzes Libor hohe Geldbußen bezahlen müssen. „Die Anhörungen gehen weiter. Ich würde mich wundern, wenn wir nicht schon bald von neuen Vergleichen hören würden“, sagte Bart Chilton, der im Vorstand der US-Aufsichtsbehörde CFCT für die Libor-Ermittlungen zuständig ist, dem Handelsblatt.

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Am Mittwoch musste die Royal Bank of Scotland in einem Vergleich über 600 Millionen Dollar bezahlen, damit die Ermittlungen eingestellt werden. Zuvor hatte es bereits die britische Barclays Bank und die Schweizer UBS getroffen. Ob die Deutsche Bank, deren Händler ebenfalls in die Manipulationen verstrickt sind, auch bald bestraft würde, wollte Chilton nicht sagen. „Zu einzelnen Instituten kann ich nichts sagen“, erklärte er.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

  • Hohe Bußgelder

    Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

  • Barclays

    Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

  • Barclays II

    Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

  • Goldman Sachs

    Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

  • ABN Amro

    Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

  • Credit Suisse

    Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

  • ING

    Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

  • Standard Chartered

    Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

  • Royal Bank of Scotland

    Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

  • HSBC

    Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

  • UBS

    Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

  • UBS II

    Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

  • Großvergleich in den USA

    Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

    (Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Chilton forderte einen Kulturwandel bei den Banken. „Die Banker benehmen sich arrogant, als stünden sie über dem Gesetz“, sagte er. Die derzeit amtierenden Vorstände in vielen Geldhäusern seien für diese Kultur verantwortlich. Diese Vorstände abzulösen, falle in den Aufgabenbereich der Aufsichtsräte.

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