
NEW YORK. Die Deutsche Bank reichte am Mittwoch Klage wegen Vertragsbruchs gegen Bank of America ein. Sie fordert darin 1,2 Mrd. Dollar zurück, die sie durch den spektakulären Bankrott eines der größten Hypothekenvermittler der USA im August verloren hatte. Bank of America habe "auf unterschiedliche Weise die Pflichten" als Depot- und Treuhänderinstitut verletzt, heißt es in einem beim Bezirksgericht von Südmanhattan eingereichten Schriftsatz. BNP klagt aus dem gleichen Grund und fordert rund 400 Mio. Dollar zurück. Sprecher von Bank of America und Deutscher Bank wollten sich dazu bisher nicht äußern.
Im Kern geht es um ein Finanzierungsvehikel namens "Ocala", das seit Ende 2007 mit Geld der Deutschen Bank und der französischen BNP den Ankauf von Hypotheken durch den Vermittler Taylor, Bean & Whitaker (TBW) finanzierte. Bank of America verwaltete das juristische Konstrukt "Ocala", führte die Konten und hatte nach Darstellung der Deutschen Bank dafür zu sorgen, dass nur bestimmte Hypothekenkäufe finanziert würden. Zudem sollte die Bank gewährleisten, dass immer ausreichend Sicherheiten zur Verfügung stehen.
Im August 2009 ging TBW, bis dahin einer der größten unabhängigen Hypothekenvermittler in den USA, wegen der anhaltenden Immobilienkrise pleite. Die Deutsche Bank sah sich auf Grund der Vertragsgestaltung berechtigt, die 1,2 Mrd. Dollar von Bank of America zurückzufordern. Diese zahlte nicht. Die Frankfurter werfen dem Vertragspartner nun vor, TBW die Investition in viel zu risikoreiche Hypotheken und die Nutzung des Geldes für vertragswidrige Zwecke erlaubt zu haben. Zudem seien nicht ausreichend Sicherheiten vorgehalten und falsche Depotberichte abgeliefert worden.
Die Klage ist Teil einer ganzen Flut von Gerichtsverfahren von Behörden, Investoren und Banken gegen Finanzinstitute wegen der Immobilienkrise. Die meisten stecken aber noch im Frühstadium. In diesem Fall wird nicht vor dem Frühsommer 2010 mit der Eröffnung des Verfahrens gerechnet.