
LONDON. „Es ist ein echter Jammer “– Christy Conrad sieht tatsächlich ganz traurig aus, wenn sie über die Spätfolgen der Finanzkrise lamentiert. Aber dieses Mal sind nicht Milliardenverluste oder wankende Banken der Grund für die Trübsal sondern die alljährliche Weihnachtsfeier, beziehungsweise deren Absage. „Die Party war immer ein Höhepunkt am Ende eines Jahres“, seufzt die junge Aktienhändlerin, doch diesen Dezember hat ihr Arbeitgeber wie so viele andere die Feierlichkeiten ersatzlos gestrichen.
Egal, wo man sich dieser Tage umhört, ob bei der Credit Suisse, dem Branchenprimus Goldman Sachs oder der Deutschen Bank – überall hört man die gleiche unfrohe Botschaft: „In diesem Jahr organisieren wir keine üppigen Weihnachtsfeiern.“
Es ist aber nicht die wirtschaftliche Not, die den Banken die Feierlaune verdorben hat. Die Geldhäuser fürchten vor allem schlechte Publicity. Mit dem erbitterten Streit um die Bonuszahlungen hat man ohnehin schon genug Ärger, da braucht man nicht noch Bilder von ausgelassen feiernden Angestellten, die die Korken knallen lassen, während die Normalbürger mit platzenden Hypotheken und Jobängsten kämpfen.
Die Vorsicht der Banken ist begründet. Im vergangenen Jahr machten sich erstmals Paparazzi, die sonst Superstars wie Madonna oder Amy Winehouse hinterherjagen, auf den Weg in die City, um Banker beim Champagner-Schlürfen abzulichten.
Tatsächlich sind die alljährlichen Parties nicht unbedingt ein harmloses Vergnügen. „Traditionell herrscht auf den Feiern so etwas wie Narrenfreiheit“, erzählt Händlerin Conrad. Will heißen am nächsten Tag spricht keiner darüber, wer wann wie und wo aus der Rolle gefallen ist. Jeder in der City kennt die Anekdoten über fotokopierte Körperteile und mehr oder weniger intime Begegnungen in Abstellkammern.
Um im Krisenjahr 2009 zumindest nach außen hin Bescheidenheit und Sittsamkeit zu signalisieren, wird es deshalb bei den meisten Firmen in der City allenfalls kleine Feierlichkeiten geben, häufig von den Mitarbeitern selbst organisiert und bezahlt.
Vorbei sind die Zeiten als den Banken für ihre Weihnachtsparties nichts zu teuer war. Statt aus den goldenen Kehlen von Elton John oder Rod Stewart wird die Musik aus dem CD-Spieler kommen und anstelle von Champagner werden sich viele Banker mit Prosecco zuprosten.