
FRANKFURT/DÜSSELDORF. Mai 2008. Wieder einmal startet die Westdeutsche Landesbank ganz neu. Gerade hat sie ihren Abschluss für 2007 vorgelegt und wieder mal einen Verlust ausgewiesen – 1,6 Milliarden Euro. Und nach mühsamer Suche hat sie endlich einen neuen Chef. Heinz Hilgert, 54, Ex-Vize der DZ-Bank. Bekniet haben sie ihn, den Posten in Düsseldorf zu übernehmen. Man könnte auch sagen: auf dem Schleudersitz Platz zu nehmen. Hilgert ist der fünfte WestLB-Chef in sieben Jahren.
Die WestLB lebt da nur noch, weil alle von der Finanzkrise entwerteten Kreditpakete in eine eigene Gesellschaft ausgelagert wurden, für die die Eigentümer der Bank geradestehen: vor allem die Sparkassen und das Land Nordrhein-Westfalen.
Weil die EU-Kommission solche Hilfen genehmigen muss, unternimmt Hilgert eine seiner ersten Dienstreisen also nach Brüssel. Er ist guter Dinge, dass die EU mitspielt. Die EU, das ist an jenem Tag die Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes mit ihrem „juristischen Dienst“. Der ist gefürchtet: „Kommt der juristische Dienst ins Spiel, fühlst du dich wie ein Schmuggler, der durch die Warenkontrolle muss“, sagt ein Landesbanker.
Hilgert und seine Delegation werden vorgelassen. Kroes erhebt sich hinter ihrem Schreibtisch. Auf dem liegt ein Ziegelstein mit dem Wort „No“ darauf und ein Dossier. Hilgert erkennt sofort: Es ist vom juristischen Dienst. Eine Begrüßung spart sich Kroes, sie sagt: „Gentlemen, the WestLB-Saga must come to an end.“
Ein Menetekel für die ganze Branche
Das heißt: Sie winkt die Hilfen für die Quasi-Staatsbank nur durch, wenn sich die WestLB selbst zerlegt. Hilgert weiß: Die WestLB in ihrer ursprünglichen Form ist Geschichte.
Vor 40 Jahren war sie die größte Bank Deutschlands. Mit ihrer Bilanzsumme hängte sie 1969 sogar die Deutsche Bank ab. Heute ist sie ein Menetekel für die ganze Branche. Mit einer beispiellosen Serie von Pannen und Peinlichkeiten haben Manager und Eigentümer ihre Bank zugrunde gerichtet. Nun soll der Bund einsteigen, um das Aus zu verhindern. Die Verhandlungen laufen längst.
Nach Commerzbank und HRE wäre die WestLB die dritte große Bank, die seit Ausbruch der Finanzkrise vor gut einem Jahr teilverstaatlicht würde, indem der Bankenrettungsfonds Soffin mit Eigenkapital einsteigt.
Es ist ein Signal. Die WestLB gehört mehrheitlich zwei Sparkassenverbänden, die je 25,5 Prozente halten, und dem Land NRW: 38 Prozent. Sie wäre also die erste öffentlich-rechtliche Bank, die der Bund retten muss. So würde die WestLB das Modell endgültig beerdigen, in das sie sich so lange eingekuschelt hatte: das der Landesbanken und eines staatlichen Bankensektors.
Vielleicht ist die WestLb bald Geschichte?
Die Geschichte wiederholt sich ...
Ja, doch schon vor dem 2. Weltkrieg sind große banken Pleite gegangen. Wenn wir etwas aus dem damaligen Desaster lernen wollen - dann "es muss eine geordnete Abwicklung der banken geben".
An diesem Punkt ist die WestLb jetzt angelangt. Keine zusätzlichen Steuermilliarden, die das Land NRW in die Überschuldung treiben, keine dauerhafte Staatsgarantie sollte dieses marode, von dauerhaften Skandalen geplagte institut jetzt retten.
Es wird schmerzlich für die jetzigen Eigentümer - aber lieber eine schmerzhafte Gesamtamputation, als ein Dauerleiden mit noch größeren Verlusten, mit langanhaltenden Schmerzen.
Ähnlich wie bei Quelle sollte es jetzt heissen: abwickeln, den Markt bereinigen und dann die noch gesunden Sparkassen damit stärken.
ich sehe keine Zukunft für die WestLb. Übrigens gilt das gleiche auch für die bayernLb, die HSH-Nordbank und vielleicht auch noch für die ein oder andere deutsche Landesbank.
im Zusammenhang mit der aktuellen Krise der Westdeutschen Landesbank empfiehlt es sich ,in den Lebenserinnerungen von Fritz butschkau,dem langjährigen Präsidenten des Deutschen Sparkassen-und Giroverbandes (erschienen im ECON_-Verlag 1972 ) zu blättern.Darin berichtet er u.a.über die Krise der Rheinischen Landesbank ,einem Vorgängerinstitut der späteren WestLb ,im Jahre 1931.Die Rheinische Landesbank unter ihrem Verwaltungsratsvorsitzendem Konrad Adenauer,damals Oberbürgermeister der Stadt Köln ,wurde in der bankenkrise illiqide ,weil sie der Stadt Köln zu hohe Kredite gewährt haben soll,die sie nicht termingerecht zurückzahlen konnte.Als die rheinischen Sparkassen unter dem Druck der allgeneinen Vertrauenskrise versuchten,ihre Liquiditätsreserven zu mobilisieren,mußte die Landsbank ihre Zahlungsunfähigkeit erklären.Über eine längeren Zeitraum hinweg wurde sie schließlich bis 1935 saniert.
Dabei wurde um den künftigen Namen dieser bank heftig gestritten und ein Kompromiss gefunden zwischen Sparkasseninteressen und der Provinz.Der neue Name Rheinische Girozentrale und Provinzialbank.Ein Erneuerung des Namens Landesbank wurde von den Sparkassen vehíndert,eine solche Löung hätte auf sie wie eine "Ohrfeige " gewirkt.
Aber all das war dann wohl im Laufe der Geschichte vergessen.Ende 1969 wurden die rheinischenn und westfälischen Girozentralen fusioniert zur Westdeutschen LandesbankGirozentrale.Sie war die größte unter den bundesdeutschen Landesbanken und entwickelte sich bald zu einer der größten deutschen banken.Sie konnte - wie schon in den dreißiger Jahren - nicht von den Sparkassen und der Politik kontrolliert werden.Mit noch dramatischeren Folgen für deren Eigentümer ,insbesondere die rheinischen Sparkassen,die abermals die Dummen sind.
Offensichtlich ist der Name Landesbank mit einem Fluch belastet.Warum nur muß sich alles wiederholen ?
Die Landesbanken sind insgesamt ein destruktiver Strukturfehler. Freilich wissen jüngere banking-Journalisten nichts von der HELAbA usw.
Die Landesbanken sind der Selbstbedinenungsladen für Politiker, die ökonomisch nicht zu Rechtfertigendes ihrem Wahlvolke gönnen möchten. Die banken haben Sie per Neptismus in der Hand, und die müssen ihnen für ihre abstrusen Projekte Geld zu Zinsen leihen, an denen sie dann gleich pleite gingen, wenn sie denn´nicht - unter Staatsaufsicht - inrgendwie mit wilden Spekulationen die Zinsverluste wegmachen würden. Letzten ging das aber schuf / schiefl.ö
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