HB WIEN. Da der Kredit mit inzwischen stark gefallenen Aktien gesichert ist, steht der Bank ein massiver Verlust bevor. Es seien Vorsorgen für die "Maximalbelastung" getroffen worden, die allerdings "praktisch auszuschließen" sei, teilte die Bawag/PSK mit. Die österreichischen Finanzmarktaufsicht hat sich inzwischen in die Vorgänge eingeschaltet. "Es werden Ermittlungen und Gespräche mit dem Management geführt", sagte ein Sprecher der Finanazmarktaufsicht dem Handelsblatt.
Bawag/PSK-Aufsichtsratspräsident Günter Weniger, der auch Päsidiumsmitglied des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ist, informierte gestern den Aufsichtsrat über den möglichen Verlust. Die Reaktionen blieben allerdings verhalten. Die Bawag hat erst vor zehn Tagen die Fusion mit der eigenkapitalstarken österreichischen PSK-Bank endgültig vollzogen und verfügt nun über 3,9 Milliarden Euro Eigenmittel. Vor diesem Hintergrund sei der mögliche Verlust "zwar schmerzhaft aber nicht existenzbedrohend" hieß es gestern aus Finanzmarktkreisen.
Allerdings geraten Bawag-Vorstand und Aufsichtsrat in Erklärungsnöte, warum sie als gewerkschaftseigenes Geldinstitut ausgerechnet ein Wertpapierhaus vom Schlage Refcos mit Krediten am Leben hielten. Die österreichischen Gewerkschaften hatten sich in der Vergangenheit stets von kurzfristigen Finanzinvestoren distanziert. Schmerzhaft dürfte der Verlust für den Gewerkschaftsbund deswegen ausfallen, weil er auf die Dividende der Bawag angewiesen ist, seit die Mitgliedsbeiträge nicht mehr so reichlich fließen wie früher.
Das Geld aus Österreich dürfte der inzwischen verhaftete ehemalige Refco-Chef Philip Benett benutzt haben, um jenen fraglichen Kredit von 430 Millionen Dollar zurückzuzahlen, den er vor dem Börsengang der Refco nicht offen gelegt hatte.