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Wirbelstürme: Versicherer haben Angst vor dem Super-Sturm

Die Versicherer verfolgen die Hurrikan-Saison über dem Atlantik in diesem Jahr besonders ängstlich. Der erste tropische Wirbelsturm "Bill", der gerade auf Amerika zurast, ist noch keine Gefahr. Doch ein halbes Dutzend weitere werden folgen, schätzen Meteorologen. Branchenkenner beunruhigt das stärker als früher.

Im Sommer 2005 wütete Hurrikan Dennis in Florida. Ein starker Wirbelsturm könnte die Versicherungsbranche aufgrund der Finanzkrise in arge Bedrängnis bringen. Quelle: ap
Im Sommer 2005 wütete Hurrikan Dennis in Florida. Ein starker Wirbelsturm könnte die Versicherungsbranche aufgrund der Finanzkrise in arge Bedrängnis bringen. Quelle: ap

FRANKFURT. Ein einziger teurer Orkan über Amerika könnte die Versicherungswirtschaft mächtig durcheinanderwirbeln. Der Grund: Wegen Finanzkrise und Rezession ist Kapital knapp. Schwächeren Unternehmen könnten hohe Sturmschäden sogar den K.o.-Schlag versetzen, schätzen Analysten. Schon durch Finanzkrise und Rezession ist die Kapitalkraft der Versicherer im vergangenen Jahr weltweit um etwa 15 Prozent geschrumpft, wie die Spezialisten von AM Best errechneten. Schnelle Kapitalerhöhungen gelten wegen der Krise als schwierig. Insbesondere auf Naturkatastrophen spezialisierte Versicherer auf den Bermudas sind daher besonders gefährdet. Eine Fusionswelle sei gut möglich, meinen etwa Manager der Hannover Rück.

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Kapitalstarke Versicherer wie die Münchener Rück gelten unter Analysten als mögliche Gewinner einer Hurrikan-Krise. Voraussetzung ist, dass die Münchener wie gewünscht die Prämien im Markt erhöhen können. Bisher ist das nur teilweise gelungen, weil die Branche noch ausreichend Kapital hat und daher den gewünschten Schutz meist anbieten kann.

So notierte JP Morgan jüngst nach einem Treffen mit dem Bermuda-Versicherer Lancashire, dass die Prämien für Energiefirmen im Golf von Mexiko um mehr als 60 Prozent gestiegen seien. Die Kosten für den Schutz gegen Naturkatastrophen in den USA gingen um 30 Prozent hoch, doch ansonsten habe sich im Markt nicht viel getan. Dieses könne sich aber in allen Bereichen radikal ändern, wenn "es eine große Naturkatastrophe gäbe". Freuen würde das vor allem Rückversicherer: Ein großer Verlust könnte für die Versicherer der Versicherer der "Beschleuniger für einen Nachfrageanstieg" werden.

Die Analysten von JP Morgan warnen daher: Die aktuelle Marktsituation sei vergleichbar mit jener der Jahre 1992 (Hurrikan Andrew) und 2001 (Terroranschläge), als nach einer großen Katastrophe die Prämieneinnahmen der Versicherer in die Höhe schossen.

In einem unterscheidet sich die Lage allerdings von damals: 2009 ist Kapital wegen der Finanzkrise viel knapper als in anderen Krisenjahren. 1992 und 2001 pumpten große Wagniskapitalfonds schnell ein paar Milliarden Eigenkapital in den Markt und gründeten damit binnen Wochen neue Versicherer, insbesondere in der Steueroase Bermuda. Das werde dieses Mal wegen der Krise kaum gelingen, erwartet die Ratingagentur Fitch. Die Folge: Versicherer mit starken Verlusten dürfte es schwer fallen, sich das nötige Kapital zu beschaffen, um die Schäden ihrer Kunden zu bezahlen. Sie könnten gezwungen sein, aus dem Markt zu scheiden. "Wer einen großen Schaden überlebt, wäre dagegen extrem gut positioniert, um von steigenden Prämien im Markt zu profitieren."

Alle Marktteilnehmer wissen um die Gefahr. Der Trend der letzten Jahre sei unverkennbar, analysierte die WestLB: "Die Häufigkeit der schweren Stürme nimmt zu." Besonders alarmierend sei die Entwicklung bei schweren Hurrikans. Trat vor gut 150 Jahren pro Jahr im Mittel nur ein Sturm dieser Kategorie über dem Atlantik auf, so sind es heute bereits drei. Nach Meinung von Wetterexperten ist der weltweite Klimawandel eine wichtige Ursache für den Trend. Dadurch erwärmen sich die Meere. Wenn dann die Wasseroberfläche 26 bis 27 Grad warm wird, bilden sich die gefährlichen tropischen Wirbelstürme.

Für 2009 erwarten die Spezialisten des US-Hurrikan-Zentrums (NOAA) mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent ein durchschnittliches Jahr. Das heißt: neun bis 14 tropische Stürme, vier bis sieben davon in Hurrikanstärke und bis zu drei vielleicht so stark wie Bill derzeit.

Die Wetterfrösche sind damit etwas optimistischer als in den vergangenen Jahr. Der Grund ist das Phänomen El Niño im Pazifik. Dort verändert sich die Wasserströmung, was in der Vergangenheit die Stürme im Atlantik schwächte. Dennoch wollen die US-Behörden keine Entwarnung geben. Meteorologe Gerry Bell warnte: "Sogar während einer durchschnittlichen oder auch unterdurchschnittlichen Saison kann es Hurrikans geben, die auf Land treffen."

Für die West-LB-Analysten ist ohnehin klar: "Die Prognosen für die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es praktisch unmöglich ist, eine zuverlässige Einjahresprognose für mögliche Hurrikanschäden zu geben."

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