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Wirtschaftskrise: Versicherer fürchten sich vor 2010

Für Europas Versicherer schlägt im Jahr 2010 die Stunde der Wahrheit. Die Wirtschaftsflaute und die Zurückhaltung der Verbraucher würden sich mit Zeitverzögerung bemerkbar machen und möglicherweise auf das Geschäft der Versicherungskonzerne durchschlagen, erwarten Experten.

Vor der Zentrale des Versicherungskonzerns Axa in Köln. Die Versicherer fürchten sich vor den verzögerten Auswirkungen der Krise im Jahr 2010. Quelle: dpa
Vor der Zentrale des Versicherungskonzerns Axa in Köln. Die Versicherer fürchten sich vor den verzögerten Auswirkungen der Krise im Jahr 2010. Quelle: dpa

FRANKFURT. Experten gehen davon aus, dass die Unternehmen in Europa weitere Sparprogramme durchziehen werden. "Kostensenkungen werden ein Schlüsselthema für die Versicherungsbranche sein", glauben die Analysten von HSBC. Das Sparpotenzial der großen europäischen Versicherer beziffern sie auf mehr als 20 Mrd. Euro. Drei Viertel davon entfallen auf Allianz, Axa, Zurich Financial, Aegon und Generali. Diese Versicherer beschäftigen mehr als 460 000 Menschen, haben aber den Berechnungen zufolge erst vier Mrd. an Kostensenkungen geplant oder umgesetzt.

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Anleger sehen Kostensenkungen gerne, denn in der Regel wirken sich solche Programme positiv auf den Aktienkurs aus. Die HSBC-Analysten favorisieren aber nicht die Marktführer, sondern neben Zurich und Aegon auch drei kleinere Versicherer: Großes Potenzial für Wertsteigerungen hätten auch Fondiaria, Swiss Life und Bâloise - und zwar gerade deshalb, weil es in diesen Unternehmen bislang nicht so gut läuft, aber Hoffnung auf Besserung besteht. So zählen die HSBC-Analysten die Schweizer Bâloise seit Jahren zu den am wenigsten effizienten Versicherern in Europa. Sanierungsbedarf hat auch Konkurrent Swiss Life: In Deutschland haben die Schweizer den Finanzvertrieb AWD gekauft, doch die Tochter leidet unter Verlusten.

Hauptgrund ist die Finanzkrise: Der Verkauf von Altersvorsorgeprodukten wie Lebensversicherungen oder Fonds läuft schlecht. Dieser Bereich ist jedoch traditionell bei den meisten Versicherungsverkäufern die tragende Säule. "Die Wachstumssorgen sind offensichtlich", urteilt Leberecht Funk, Chef der Funk-Gruppe und des Maklerverbandes VDVM. Trotz des enormen Bedarfs nach betrieblicher und privater Altersvorsorge habe die Branche Probleme, sich dieses Potenzial zu erschließen. Geld und Bereitschaft zum Konsumverzicht fehlten. Funk: "Diese Konstellation trifft viele Makler im Nerv." Zukunftsangst greife bei den Verkäufern an der Front um sich, zumal die Vermittler auch starken Druck im Geschäft mit Großkunden verspüren. Das Fazit der Makler fällt daher ähnlich düster aus wie das der Analysten: "2009 wird für die Versicherer und Makler ein passables Jahr mit einigen Schrammen. Viele Versicherer wähnen sich noch in der wärmenden Sonne, aber die Stunde der Wahrheit schlägt im Rechnungsjahr 2010."

Sorgen machen sich aber auch die Versicherer selbst schon. Noch steigen die Prämieneinnahmen hierzulande wie in den Vorjahren, was manche überrascht hat. So erwartet die Branche für 2009 in Deutschland einen Anstieg der Prämien um 0,5 Prozent. Doch für 2010 oder später fürchten die Experten im Branchenverband GDV, "dass sich der allgemeine Konjunkturverlauf auch in der Versicherungsnachfrage niederschlagen könnte". Ohnehin weiß die Branche um ihre Schwächen - etwa die hohe Abhängigkeit von den Endkunden, der intensive Wettbewerb der Anbieter und die relative hohe Durchdringung des Marktes. Insbesondere in der Lebensversicherung laufen zudem viel mehr Verträge als früher aus. Das ist im Neugeschäft immer schwerer auszugleichen.

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