
Düsseldorf/LondonDas Ansehen der Finanzbranche nimmt nach dem Skandal um die Libor-Manipulationen weiteren Schaden: Fast jeder vierte Deutsche hält Banker für äußerst kriminell. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage, die das Marktforschungsinstitut Mafo exklusiv für Handelsblatt Online durchgeführt hat. Dafür wurden in dieser Woche 1000 Personen nach ihrer Meinung zu den Manipulationen des Referenzzins Libor durch diverse Großbanken befragt.
24,2 Prozent der Umfrageteilnehmer halten Banker demnach für äußerst kriminell. Weniger als ein Prozent der Befragten meint, dass Banker allgemein unschuldig sind. Auf einer Skala von null (äußerst kriminell) bis zehn (unschuldig) ergibt sich ein Durchschnittswert der Antworten von 3,3.
Die Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat die Ermittler in Europa, Japan und den USA auf den Plan gerufen. Insgesamt werden derzeit mehr als ein Dutzend Institute durchleuchtet. Ihnen wird vorgeworfen, beim Libor-Zinssatz getrickst zu haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen und dient damit als Referenz für billionenschwere Kreditgeschäfte mit Kunden rund um den Globus.
Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das Jahr 2008, als sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei. Im Folgenden einige Informationen zu diesen Instituten (in alphabetischer Reihenfolge):
Das US-Institut ist von den Ermittlungen betroffen, wie die Nachrichtenagentur Reuters von einem Insider erfahren hatte. In ihrem Geschäftsbericht 2011 hat sich die Bank zur Sache aber nicht geäußert. Wegen Libor wurde die Bank vom Brokerhaus Charles Schwab verklagt.
Die britische Großbank hat ein Fehlverhalten einiger Händler beim Libor eingeräumt und wurde zu einer Strafe von einer halben Milliarde Dollar verdonnert. Die Führungsspitze muss gehen. Ein Untersuchungsausschuss des Parlaments in London befasst sich mit der Aufklärung des Skandals und der Frage, wie viel die Aufseher von den Zinsmanipulationen wussten.
Im Februar 2012 wurde bekannt, dass die Schweizer Behörden unter anderem gegen das japanische Geldhaus Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen ermitteln. Die Bank machte dazu in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben. Zwei in London ansässige Händler wurden wegen Manipulationsvorwürfen beurlaubt - nach offiziellen Angaben hatte das aber nichts mit ihrer Arbeit bei BTMU zu tun.
Die US-Bank hat eingeräumt, dass Töchter von den Ermittlungen betroffen sind und ihre Kooperation bei der Aushändigung von Informationen angekündigt. In den USA ist die Bank auch von Libor-Klagen betroffen. In Japan wurde einigen Citi-Mitarbeitern auch die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Tibor vorgeworfen.
Die Schweizer Bank wird von den heimischen Behörden durchleuchtet. Sie werfen dem Institut als einem von insgesamt zwölf Häusern vor, Libor und Tibor manipuliert zu haben sowie damit zusammenhängende Derivate. Die Bank hat ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe zugesichert.
Der deutsche Branchenprimus kooperiert mit den Ermittlern in den USA und Europa, die Untersuchungen drehen sich um den Zeitraum 2005 bis 2011. Wegen Libor gibt es in den USA bereits Klagen gegen das Geldhaus. In Deutschland hat die Bankenaufsicht Bafin Kreisen zufolge eine Sonderprüfung eingeleitet, die Ergebnisse stehen noch aus. Zwei Mitarbeiter hat das Geldhaus Finanzkreisen zufolge bereits suspendiert.
Die inzwischen zu Lloyds gehörende Bank taucht ebenfalls in Klageschriften in den USA auf. Im Geschäftsbericht 2011 teilte HBOS mit, die Auswirkungen und das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse seien nicht abzuschätzen. Die Bank arbeite mit den Behörden zusammen.
Die Bank hat erklärt, die Aufseher hätten sie um Informationen im Zusammenhang mit den Libor-Ermittlungen gebeten und man kooperiere. In den USA tauchte die HSBC auch in Klageschriften im Zusammenhang mit Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 hieß es, das Ergebnis der Ermittlungen und Prozesse sei nicht abzuschätzen.
Die Bank hat erklärt, sie arbeite mit den Ermittlern zum Thema Libor, Euribor und Tibor zusammen, das betreffe vor allem die Zeiträume 2007 und 2008. Die Bank taucht auch als Beschuldigte in US-Klagen auf.
Auch Lloyds hat eine Zusammenarbeit mit den Ermittlern zugesagt und taucht in US-Klagen zu Libor auf. Im Geschäftsbericht 2011 erklärte die Bank wie die anderen Institute, der Ausgang der Ermittlungen sei offen.
Die japanische Bank hat die Libor-Ermittlungen in ihrem Geschäftsbericht 2011 nicht erwähnt. Im April 2011 war das Institut eines von zwölf, die vom Vermögensverwalter FTC Capital wegen mutmaßlicher Zinsmanipulationen verklagt worden waren.
Das niederländische Geldhaus, ebenfalls in einigen US-Klagen beschuldigt, arbeitet nach eigenem Bekunden mit den Ermittlern bei Libor zusammen. Die Bank hat erklärt, sie halte die Klagen für unbegründet und werde sich gegen die Vorwürfe entsprechend verteidigen.
Kanadas größte Bank machte in ihrem Geschäftsbericht 2011 keinerlei Angaben dazu, ob sie von Ermittlungen wegen mutmaßlichen Zinsmanipulationen betroffen ist.
Die britische Großbank Royal Bank of Scotland (RBS) hatte erklärt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. Mehreren Mitarbeitern wurde Fehlverhalten vorgeworfen. Das Institut zahlt eine Strafe in Höhe von 615 Millionen Dollar an britische und US-Behörden.
Die Schweizer Bank hoffte als Kronzeuge bei den Libor-Ermittlungen darauf, dass die Behörden etwa in den USA und der Schweiz Milde walten lassen. Doch die Strafe fiel hoch aus: 1,16 Milliarden Euro zahlt die Bank wegen des Libor-Skandals.
Aus Finanzkreisen wurde bereits im März vergangenen Jahres bekannt, dass die WestLB zu den untersuchten Instituten zählt. In ihrem Geschäftsbericht 2011 ging die Bank auf die Libor-Ermittlungen nicht ein. Allerdings zog sich das Haus schon im Juli 2011 aus dem Kreise jener Banken zurück, die den Dollar-Libor festsetzen. Die Landesbank ist inzwischen aufgelöst und kam damit den EU-Auflagen nach.
Aktueller Hintergrund: Einer ganzen Reihe von internationalen Großbanken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Libor-Zinssatz mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre tatsächlichen Refinanzierungskosten zu verschleiern. Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Institute und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.
Am Freitag will die New Yorker Federal Reserve neue Dokumente zum Libor-Skandal veröffentlichen. Die Schriftstücke sollen zeigen, dass sie vor vier Jahren sofort agiert habe, sagte ein Sprecher der Notenbank. Man habe auf die Probleme bei dem Zinssatz hingewiesen und auf Reformen bestanden. Nach der britischen Notenbank war am Mittwoch auch die britische Finanzaufsicht FSA in die Schusslinie geraten. Am Montag muss sich der Chef der FSA vor dem Parlamentsausschuss in London rechtfertigen, warum die Manipulationen jahrelang unbemerkt blieben.

@Stehphan
Ach ja die bösen, bösen Banker. Da haben wir die Sündenböcke der Nation.
Keiner schreibt "die bösen Banken" sondern ganz gezielt wurden die Verantwortlichen, welche Schattenbanken, und die Auslagerung von Risiken etc. Produkte entwickelten, wo keiner mehr wusste was wirklich in diesen angeblich sicheren Anlagen steckte? Gezielt verschleiert wurde, ein paar gute "Risiken" und den Rest mit vergifteten Papieren, zu Paketen verschnürte, und somit in vielen weiteren Finanzinstituten weltweit vermittelt und verkauft wurden? Dies waren keine Einzelfälle, sondern wurde systematisch betrieben. Exorbitante Provisionen abkassiert, die Risiken aber wurden sozialisiert? Wieso wurden in den USA bisher über 60 Verantwortliche angeklagt und verurteilt? Banken mussten bisher über 200 Milliarden an Strafe zahlen? Und Europa oder Deutschland, da gibt es nicht einmal Gesetze die so ein Vorgehen unter Strafe stellt?

Ach ja die bösen, bösen Banker. Da haben wir die Sündenböcke der Nation.
Vergessen wir die hunderttausende Anleger, die auch nur Profit machen wollen. Meiner Meinung nach ist jeder selber Schuld, der sich nicht mit Finanzprodukten auskennt und trotzdem gutgläubig sein gesamtes Ersparrtes investiert oder obwohl er es besser weiß in hochriskante Produkte versenkt. Man sollte sich zuerst die Geldgeber für die Banken ansehen, bevor man jene verteufelt. Wer Renditen jenseits von 10% erwartet, ist mit Schuld!!
Lasst uns auch bloß nicht die Staaten anschauen, die durch ihre gnadenlose Überschuldung eine auf Pump,nicht auf reale Wirtschaftsleitung basierende, Gesellschaft aufgebaut haben. Die hochristkannte, auf Fonds aufgebaute Renten sogar noch fördern und ständig mehr und mehr Wirtschaftswachstum fordern. Die marode Banken retten und fördern, obowhl diese immer wieder gezeigt haben, dass man ihnen nicht trauen kann.
Außerdem drucken die Staaten Geld ohne Ende, was die Inflation rasend schnell wachsen lässt. Allein um sein Vermögen zu halten sollte man schon 2%-5% Rendite jährlich haben(Kapitalsteuer nicht eingerechnet). Wen wundert es da, dass die Banker und Anleger zu hochriskanten, teilweise kriminellen Methoden greifen.
Das es schwer ist in einem solchen System "sauber" zu bleiben, ist offensichtlich. Doch man sollte nicht alle Banken und Banker über einen Kamm scheren. Es gibt da draußen immer noch viele, die ordentliche Arbeit leisten und versuchen das Beste aus dem System zu machen und für die Menschen arbeiten.
Der zurzeitigen einseitigen Populismus ("Die Banker sind an allem Schuld!!!"), ist einfach falsch.

"Es hat nur jemand anderes - haha" höre ich jetzt jemanden sagen
Er hat recht, aber jemand anders sind sicher nicht diejenigen, die es nötig hätten.
Etwa 90% der Angestellten können sich keine andere Anlageform als das Sparkonto leisten, und was passierte damals Ende 80er mit diesen Konten? Die Zinsen wurden von den Banken in konzertierter Aktion innert weniger Jahren von ca 3-5% auf lächerliche 1% oder weniger runtergedrückt. E-on Aktien, die Volksaktie, die weiss nicht wieviele hunderttausend Kleinverdiener in den Ruin trieb? Die genaue Zahl wird natürlich tunlichst unter Verschluss gehalten...
Immer mehr Banken streichen ab einem gewissen Kontobetrag die Kontoführungskosten, wieder schauen die Kleinen in die Röhre. All die Spezialarrangements für Superreiche, Pauschalbesteuerung, Bermuda-Produkts, Scheinstiftungen in Liechtenstein, Scheinversicherungen etc.... Den Preis für Die ganze Kacke, wenns wie jetzt steil runter geht, bezahlt natürlich wieder der Kleine mit Steuer/mehrwertsteuer -erhöhung, unverschämten Mietzinserhöhungen, all die kleinen Preiserhöhungen im täglichen Leben etc
So wie sie schreiben, muss ich annehmen, dass sie ein stiller Teilhaber dieses Kuchens, der vor allem auf Kosten der weniger Betuchten (die sich nicht wehren können) gebacken wird und dann unter den Aasgeiern eines jeden Staates, den Oligarchen und deren Schergen, zu finden auch in den Regierungen, aufgeteilt wird, sind.
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