100. Weltfrauentag: Unsere Frauen des Jahres!

100. Weltfrauentag
Unsere Frauen des Jahres!

Sie berühren, beeindrucken oder machen die Welt ein bisschen besser: Zum Weltfrauentag haben wir uns gefragt, welche Frauen uns in der vergangenen Zeit besonders bewegt haben. Diesen Heldinnen wollen wir Danke sagen.
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DüsseldorfElinor Ostrom ist einer dieser Frauen, vor deren Leistung ich den Hut ziehe. Die Amerikanerin hat gleich zwei Dinge geschafft, die beeindruckend sind. Sie hat ein Dogma gestürzt, indem sie bewiesen hat, dass gemeinschaftlicher Besitz an natürlichen Ressourcen nicht zu dessen Ruin führt. Mit ihren Arbeiten hat die leidenschaftliche und humorvolle Politikwissenschaftlerin, die vor neun Monaten im Alter von 78 Jahren gestorben ist, die neoliberale Überzeugung widerlegt, dass der Mensch ein egoistisch handelndes Wesen ist - die heilige Kuh der Ökonomie.

Dafür heimste Ostrom vor vier Jahren als erste Frau überhaupt in der pompösen Stockholmer Konzerthalle den Wirtschaftsnobelpreis ein. Und zwar nicht für ein Modell, das kaum ein Laie versteht, denn Ostroms Arbeiten über philippinische Fischer und Schweizer Bergbauern sind herrlich anschaulich. Damit hat sie es weit gebracht, obwohl sie in den 50er Jahren nicht zum Ökonomiestudium zugelassen wurde, weil das für Frauen als „ungeeignet“ bezeichnet wurde.

Jahrelang hat sich die geistreiche Forscherin mit der Frage beschäftigt, wie es gelingen kann, mit gemeinsam genutzten, knappen Ressourcen wie Wäldern, Meeren oder der Atmosphäre so umzugehen, dass alle Menschen ihre Bedürfnisse langfristig befriedigen können. Sie plädiert dafür, die Menschen vor Ort an der Lösung der Probleme zu beteiligen und deren Fähigkeit zur Selbstorganisation wahrzunehmen und zu unterstützen. Nur so entstehen Respekt, Zusammenhalt und Verantwortlichkeit für die Gemeingüter dieser Welt.

Faszinierend an ihren Arbeiten ist, dass sie sich genauso gut auch auf „moderne Gemeingüter“ wie Urban Gardening, Open Software, Open-Design-Projekte und Wissens-Almenden wie Wikipedia übertragen lassen und auch Firmenchefs können aus Ostroms Beobachtungen lernen. So ist auch ein Unternehmen eine Gemeinschaft, in der es um Vertrauen und gemeinschaftliche Verantwortung geht. „Auch hier erreicht man Ziele besser, wenn man auf die Selbstorganisation setzt. Die Sichtweise von oben nach unten ist überholt“, erklärte Ostrom vor zwei Jahren einem Interview. „Es würde nicht schaden, Mitarbeitern mehr Selbstverantwortung zuzutrauen.

Ganz entscheidend sei dabei die Bedeutung von klaren Regeln, die für Fairness sorgen. „Am Anfang sind die Leute oft misstrauisch. Erst wenn sie merken, dass sich andere nicht heimlich Vorteile verschaffen, entwickeln sie Vertrauen.“ Und: „Die Leute müssen wieder mehr lernen, miteinander zu arbeiten, zu kommunizieren und Verantwortung dafür zu übernehmen, was vor der eigenen Haustür passiert.“ Hut ab, Elinor! (Carina Groh-Kontio)

Kommentare zu " 100. Weltfrauentag: Unsere Frauen des Jahres!"

Alle Kommentare
  • Was der Artikel vor allem darlegt, daß die Presseleute schwer verhaltensgestört sind.
    Wäre der Artikel eine Huldigung an die Frau, erzeugte der auch keinen Widerstand, aber sowas fließt nur aus der Feder eines großen Literaten wie Oskar Wilde oder Henry Miller. Jeder andere erzeugt dabei Beklemmung und fürchterliche Peinlichkeit.

    Weil man im Grunde gar nicht weiß, was dieses gender-mainstreaming überhaupt verlangt, feiert man blöde mit, gibt hündisch im vorauseilendem Gehorsam.
    Wie wär's mit Strumpfhosen und Stöckelschuhe? Schließlich ist der Schwanz nur anerzogen?

    Es ist ja auch nicht das private Wohnzimmer, wo sowas Unappetitliches serviert wird, sondern die Öffentlichkeit. Also bitte keine lauten Klagen!

    Und das Niveau ist überall gleich, ob die Bild-Propaganda auf der Straße mit diesen monströsen Weiberköpfen, die untermalt sind mit sinnentleerten Phrasen, und die eine Nähe herstellen, welcher ein normaler Mensch nur von seiner Katze dulden würde, oder diese aufgesetzten Lobhudeleien in der Presse.

    Die Ideologie ist überhaupt nicht homogen, sondern bloß zusammengerührt aus Behauptungen, die kein Ganzes ergeben. Das alles ist nur saudummes Gequatsche, um eine Rechtfertigung zu simulieren für eine in jeder Beziehung völlig entgleiste Kaste; das ist nicht nur keine Gehirnwäsche, das ist der totale Schwachsinn! Von außen schaut's nämlich ganz elend und erbärmlich aus, alle wolle man uns glauben mache, Verhaltensstörungen seien erstrebenswerter Zustand.

    Wenn Freud das erlebt hätte, der hätte sich erschossen!
    Das alles ist so unendlich p e i n l i c h und w i d e r l i c h!

  • Unsere Frauen des Jahres? Diesen Heldinnen wollen wir danke sagen? - Wer ist "unsere"? Wer ist "wir"? - Sich so ranzuwanzen, das ist widerlich! Und der Erguß ist noch widerlicher!


  • 100. Weltfrauentag
    :
    Unsere Frauen des Jahres!
    ------------
    HB wirds schon richten..
    Freitag nachmittag noch Aufmacher unter
    "unsere Frauen des Jahres"
    Samstags schon unter Büro zu finden...
    möglichst im Vorzimmer.
    Waren eh keine Heldinnen bei.
    Die wahren Vorbilder,müssen immer noch mit
    Leib,Seele und Leben bezahlen.
    Werden praktisch ausgemerzt und sprachlos
    gehalten.

  • Nun ja, man könnte annehmen, dass auch die HB-Redaktion Gender-Auswüchsen zu begegnen vermag.
    Das Wort Helden wirkt durchaus unterschiedlich konnotiert.
    Held der Arbeit, auch so eine Formulierung, die heutzutage unterschiedlich gelesen werden kann.
    Indes, bei "Mainstreampresse" entwickelt sich ein historisch gewachsener Beigeschmack, der an Abgestandenheit erinnern könnte.

  • Danke, mit dieser Umkehrung ist mir gerade noch klarer geworden, das die Mainstream-Presse zur Geschlechterfrage auch eine literatische Einstufung zu den Gebrüdern Grimm vertragen könnte. Da ist kein deutlicher Widerspruch zu sehen.

  • Eingangstext leicht umformuliert:

    "Sie berühren, beeindrucken oder machen die Welt ein bisschen besser: Zum Weltmännertag haben wir uns gefragt, welche Männer uns in der vergangenen Zeit besonders bewegt haben. Diesen Helden wollen wir Danke sagen."

    Daraus ist leicht erkennbar wie ideologisch voreingenommen Medien sind. Über Männer würde man das eben nie lesen oder hören.

    Und grade zum Weltfrauentag muß man auch die ehemalige US-Außenministerin Madelein Albright zitieren. Interview mit CBS News zum Irak-Krieg:

    "„Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind. Ich meine, dass sind mehr Kinder als in Hiroshima starben. Glauben Sie, dass es das wert war?

    Albright antworte:

    „Ich glaube das war eine sehr harte Entscheidung, aber der Preis war es wert.“

  • In einer besseren Welt würden alle Frauen heiliggesprochen!

  • Man glaubt es kaum:
    Unter der Rubrum "Weltmännertag" findet sich in www.de.wikipedia.org ein ebenso putziger wie deprimierend stimmender Artikel.
    Der Weltmann: der Lächerlichkeit preisgegeben...
    Was für ein Erfolg aber auch.
    Andrologie: der letzte Schlag ins Gesicht des Weltmannes.

  • "Die Journalistin Laura Himmelreich ist eine der mutigsten deutschen Frauen des vergangenen Jahres.
    ...
    Mutig war ihr Artikel deshalb, weil sie sich mit ihrem Vorstoß selbst zum Angriffsobjekt gemacht und ihre journalistische Karriere gefährdet hat."
    ----------------------------
    Hallo!? Geht's noch? Wer in diesem Job arbeitet, braucht ein dickes Fell. Diese Reaktion war nicht mutig (schon gar nicht aus einem Jahr Distanz), sondern einfach nur unprofessionell. Ein schlagfertiger, nonchalanter Konter und sie hätte die Lacher auf ihrer Seite gehabt und sich als souverän erwiesen. So ist die weinerliche Reaktion nur noch peinlich, zumal ob des Timings ein mehr als fader Geschmack bleibt. Und gerade deshalb ist jemand (Industrieller, Politiker etc.), der von dieser Frau noch mal interviewt werden soll, gut beraten, abzulehnen und auf einem anderen Interviewer mit mehr Sourveränität zu bestehen.
    Daß Brüderle sich nicht gerade geschickt benommen und sich im Tonfall vergriffen hat, ist eine Sache, das ganze medial auszuschlachten und in eine politische Kampagne ausarten zu lassen, eine ganz andere, zumal das zeitfern erfolgte.

    Btw., MUTIG sind die Journalisten und Photographen, Frauen wie Männer, die, ggf. unter Feuer liegend, ihr Leben einsetzen, um uns mit Nachrichten aus den Brandherden der Welt zu versorgen. Größten, persönlichen MUT bewies diese Frau, die Kriegsberichterstatterin Marie Colvin, für die ich als entfernter Kollege (anderes Genre und mehr photographierend als schreibend) allergrößte Hochachtung empfinde,...

    http://www.zeit.de/2013/10/Krieg-Reporterin-Marie-Colvin-Tod-Syrien

    ...nicht jemand, der wegen eines dämlichen (sic!) Altherrenwitzes einen Empörungssturm im Wasserglas verursacht. Das mußte ich einfach mal loswerden!

  • "Es hat mich immer gewundert, daß die Frauen ihre Mode von homosexuellen Männern und ihr Männerbild (bzw. den Umgang zwischen den Geschlechtern) durch Lesben definieren lassen. Letzteres betrifft übrigens nicht nur die Frauen."

    Das ist das normale Ausleben des "Gockelsyndroms".
    Wenn eine Ökonomin mit einem Nobelpreis nur am Frauentag Erwähnung findet, sich aber ansonsten der Mainstream doch lieber auf verquaste, sich widersprechende männliche Ökonomen stürzt, sagt das doch schon genug aus. Und das in einem Bereich, in dem Frauen durchaus gut als Meinungsbildungselement vertreten sind.
    Frauenmode ist auch nur der Ausdruck das sich immer noch viele Frauen lieber ein warmes Nest mit Reizwäsche bauen, als sich selbst finanziell und geistig unabhängig zu machen, sprich selbst zu denken.
    Sie suchen lieber nach angeblichen Unterdrückungsmechanismen, das festigt die eigene Rolle, sonst müßten tatsächlich viel mehr selbst arbeiten und ihr Leben anders organisieren.
    Ich sehe das so ähnlich wie diese Bücher die vermeintliche Tipps enthalten wie man ganz schnell ganz reich wird. Diese werden meist von finanzschwachen Menschen gekauft, die Ausführung scheitert aber am eigenen Mangel an Disziplin und tatsächlichem Willen.

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