Arbeitsmarkt für Akademiker
Sind die rosigen Zeiten vorbei?

Entgegen aktueller Meldungen des Bundes sinken die Stellenangebote für Akademiker zum Teil massiv – und das bei leicht steigender Arbeitslosigkeit. Neue Job-Perspektiven bieten vor allem Randbereiche der Ingenieurberufe.
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KölnDie Nachfrage nach Akademikern befindet sich laut Bundesagentur für Arbeit (BA) auf einem Rekordhoch. Dennoch sind die Stellenangebote für Fach- und Führungskräfte zum Teil stark rückläufig. So verzeichnet ausgerechnet der beliebte Maschinenbauingenieur im Juni einen Rückgang von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Möchte man einen gezielten Einblick in den Arbeitsmarkt für Akademiker gewinnen, gerät man bei den Statistiken der BA schnell an seine Grenzen, denn viele Unternehmen melden ihre Stellen dort gar nicht erst: „Nach Untersuchungen des IAB [Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung] wird etwa jede zweite Stelle des ersten Arbeitsmarktes bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, bei Akademikerstellen jede vierte bis fünfte“ (Quelle: BA, 2013). Damit bieten die Kennzahlen der BA zwar einen idealen Index für den allgemeinen Arbeitsmarkt, lassen jedoch gerade den akademischen Bereich zum Großteil außen vor. Unternehmen auf der Suche nach akademischen Fach- und Führungskräften veröffentlichen Vakanzen hingegen bevorzugt in Online-Stellenbörsen und Tageszeitungen.

Einen idealen Indikator für den Akademiker-Stellenmarkt bietet der Handelsblatt Jobturbo. Die Jobsuchmaschine verfügt über eine einzigartige Datenbasis: Sämtliche Stellenanzeigen der  bundesweit bedeutendsten Stellenbörsen und Zeitungen sowie die Karriereportale der Top-Unternehmen werden täglich abgefragt und ausgewertet. Der Jobturbo verweist ausschließlich auf kostenpflichtig geschaltete Stellenanzeigen und konzentriert sich konkret auf Vakanzen für Fach- und Führungskräfte.

Noch im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der BA 150.000 neue Stellen für Akademiker gemeldet. Auch wenn die Arbeitslosenquote der Akademiker aktuell geringfügig auf 2,4 Prozent angestiegen ist, würden nach wie vor die typischen MINT-Experten (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), aber auch viele Geisteswissenschaftler gesucht.

Ein Blick in die Jobturbo-Datenbank zeigt, dass das Angebot im Vergleich zum Vorjahr in vielen der akademischen Kernberufe teilweise massiv rückläufig war. Bereits seit dem 2. Halbjahr 2012 sinken die Stellenangebote für Akademiker fast kontinuierlich (vgl. Grafik „Entwicklung des Arbeitsmarktes für Akademiker“).  

Eine analoge Entwicklung der Jobofferten für Akademiker gilt auch für den Stellenmarkt im Printbereich. Laut dem Adecco Stellenindex gab es im vergangenen Jahr rund 63.000 Jobofferten für Akademiker am Printstellenmarkt, das sind etwa 18 Prozent weniger als 2011. Mit dem Stellenindex wertet die Adecco Personaldienstleistungen GmbH die Stellenangebote in 40 ausgewählten deutschen Tages- und Fachzeitungen aus.

Kommentare zu " Arbeitsmarkt für Akademiker: Sind die rosigen Zeiten vorbei?"

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  • Selbstverständlich gibt es keinen Fachkräftemangel, aber einen Schweinezyklus. In den 90ern wurden in Deutschland keine Ingenieure und Naturwissenschaftler benötigt. Auch ich musste damals trotz Promotion in Chemie umsatteln. In der Folge gingen die Studienanfängerzahlen in diesen Fächern glücklicherweise zurück. Leider fruchtete die unverantwortliche Werbung manch staatlicher Stellen für die sog. MINT-Fächer. Inzwischen gibt es in diesen Fächern bereits wieder viel zu viele Studenten, die später nicht mehr problemlos einen Job finden werden. Das Hochschulstudium lohnt sich dennoch, weil man als Akademiker meist flexibler umsatteln kann. Daher sei jedem Studenten empfohlen, nicht seine ganze Energie auf das gewählte Studienfach zu verschwenden, sondern immer auch nach rechts und links zu schauen. Verbeamtete Hochschullehrer sind hier definitiv die falschen Ratgeber. Politiker sowieso.

  • Den Fachkräftemangel hat es nie gegeben. Einzige Ausnahme: in einigen Regionen Deutschlands haben es Krankenhäuser schwer,Arztstellen zu besetzen. Ansonsten gibt es keinen Fachkräftemangel; was sich auch an der Einkommensentwicklung in akademischen Berufen zeigt. Machen Sie dochmal eine Übersicht, von welchen Institutionen diese ständigen Fachkräftemangestudien eigentlich kommen. Das wäre mal interessanter Journalismus.

  • Es gab nie rosige Zeiten. Dei Zahlen wuden durch die Sklavenhändler verzerrt, Stellen wurden von vielen Suchmaschinen parallel angeboten und jedesmal als frei gezählt.
    Um Billig-Akademiker zu bekommen, wurde die Fachkräftelüge erfunden.
    Gerade drüben in Sachsen wird von Fachkräftemangel gesprochen, dabei sind dort die Dumpingeinkommen von z.T. unter 2000€ Brutto für Ingenieure ein Grund, daß die niemand finden.
    Die Gehaltsentwicklung in den akademischen Berufen zeigen deutlich den Überschuss an Fachkräften.

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