Arbeitsmarkt für junge Leute
Zurück zur Papier-Bewerbung?

Unternehmen finden keine Azubis – junge Bewerber keine Jobs. Eine Studie zeigt jetzt, dass Bewerber und Ausbilder zum Teil ganz unterschiedlichen Vorstellungen vom Bewerbungsprozess haben.
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KölnImmer weniger junge Menschen beginnen eine Ausbildung. Stattdessen scheint der akademische Abschluss der einzig erfolgversprechende Weg ins Berufsleben zu sein. Zuletzt appellierte der DIHK (Deutsche Industrie- und Handelskammertag) an Eltern und Schulen und auch an Hochschulen, den direkten Weg ins Berufsleben zu empfehlen.

Der Blick in die Statistik des Handelsblatt Jobturbos, der die Stellenanzeigen der großen Jobbörsen, kleinen Special-Interest-Seiten sowie der Karriereseiten der Top-Unternehmen bündelt, zeigt, dass Firmen in den letzten Monaten deutlich mehr Nachwuchskräfte suchten. Im März lagen die Azubi-Gesuche rund fünf Prozent über denen des Vorjahres (vgl. Grafik).

In der Praxis klagen immer mehr Unternehmen, keine passenden Auszubildenden zu finden. Dafür gibt es vielfältige Gründe, angefangen beim demographischen Wandel bzw. weniger Schulabgängern bis hin zur Tendenz zum Hochschulbesuch. Nach dem aktuellen Berufsbildungsbericht 2015 blieben im vergangenen Jahr 37.100 gemeldete Ausbildungsplätze unbesetzt – zehn Prozent mehr als 2013. Gleichzeitig wurden mit 522.000 leicht weniger Ausbildungsverträge neu abgeschlossen. 

Im Rahmen der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ hat der U-Form-Verlag Testsysteme untersucht, wie Ausbildungsbetriebe und Ausbildungswillige eigentlich zueinander finden – und zeigt damit schon beim Bewerbungsprozess „Mismatches“ auf. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie von Professor Daniela Eisele (HSBA Hamburg School of Business Administration).

Eigentlich gilt sie als Relikt, die Papier-Bewerbung. Bei vielen Arbeitgebern ist sie allerdings schon gar nicht mehr möglich. Das sehen ausgerechnet die Digital Natives anders, wie die Studie belegt. Auf der einen Seite geben sich die befragten Teilnehmer, aufgewachsen mit dem Internet und sozialen Medien, auch in Sachen Karriere durchaus online-affin. So finden 73 Prozent der Azubis E-Learning-Angebote innerhalb der Ausbildung durchaus wichtig. Dagegen geben 52 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen an, über solche Modelle noch nicht nachgedacht zu haben.

Anders sieht es hingegen bei der Bewerbung aus. 71 Prozent der insgesamt 2.227 befragten Auszubildenden bevorzugen eindeutig die klassische Bewerbungsmappe mit Anschreiben. Sie wird als deutlich seriöser empfunden und mit ernsterem Arbeitswunsch verbunden als die E-Mail- oder etwa die mobile Bewerbung. So sagt ein Teilnehmer in der Studie: „Ich persönlich finde es immer schöner etwas in der Hand zu halten und bevorzuge daher lieber die Bewerbungsmappe.“

Und damit erweisen sich die jungen Bewerber deutlich konservativer als die befragten Ausbildungsverantwortlichen. Diese bevorzugen mit 70 Prozent die E-Mail-Bewerbung. Nur bei etwa 53 Prozent der Ausbilder ist die postalische Bewerbung gern gesehen.

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