Berufe unter der Lupe
Architekten sind auf einmal gefragt

Lange wurde Anwärtern von einem Architekturstudium abgeraten. Doch dank Bauboom und niedriger Zinsen suchen Architekturbüros händeringend nach geeigneten Nachwuchskollegen. Was Bauprofis können und beachten sollten.
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KölnDie deutschen Verbraucher geben ihr Geld nach wie vor gerne aus. Autos, Kleidung, Reisen – kurz nach Jahresbeginn zeigte der neueste GfK-Konsumklimaindex, dass die niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt nach wie vor nicht zum Sparen anregen. Ein Bereich, in dem die Deutschen derzeit auf Einkaufstour gehen, ist der Immobilienmarkt.

Besonders das Bauen ist aktuell gefragt - der GfK-Index bezieht sich bei seiner Prognose auf die Anzahl der Baugenehmigungen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht. Allein im November 2013 wurden demnach 12,7 Prozent mehr Wohnungsbauvorhaben zugelassen als im Vorjahreszeitraum.

Für den Arbeitsmarkt von Architekten dürfte diese Entwicklung Vorteile haben. Das Stellenangebot ist entsprechend hoch, das belegt der Handelsblatt Jobturbo. Die Jobsuchmaschine bündelt die Stellenanzeigen der bundesweit bedeutendsten Stellenbörsen, Zeitungen und Karriereportale der Top-Unternehmen. „Wir können derzeit von einer leichten Verbesserung der Arbeitsmarktlage für Architekten sprechen“, sagt auch Christof Rose, Sprecher der Architektenkammer in Nordrhein-Westfalen, zum einst schwierigen Markt seines Berufsstandes.

Seit 2010 ist die Zahl der erwerbstätigen Architekten konstant gestiegen, 2011 notierte das Statistische Bundesamt 8,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Juli 2013 gab es laut Bundesarchitektenkammer bundesweit 122.700 Architekten. Im Schnitt verdiente jeder zweite Architekt mehr als 4.000 Euro brutto im Monat.

Architekten sind vor allem selbstständig oder in Architekturbüros angestellt. Ein Blick auf die Zahlen der bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Stellen 2012 bestätigt das. 48 Prozent der offenen Stellen wurden demnach von Architektur- und Ingenieurbüros gemeldet, 20 Prozent vom öffentlichen Dienst und lediglich sieben Prozent von  Unternehmen des Baugewerbes.

Die Baubranche plant für 2014 mit einem Umsatzplus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Löwenanteil dürfte dabei im privaten Wohnungsbau liegen. Der Hauptverband Deutsche Bauindustrie und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe rechnen in diesem Jahr mit bis zu 250.000 neuen Wohnungen.

Nach Angaben der beiden Verbände begünstigen die Frühindikatoren diese Prognose, wie etwa die Zahl der Beschäftigten (42 Millionen Erwerbstätige bundesweit) und die günstigen Konditionen für Immobilienkredite. Allerdings dürften Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen davon nicht profitieren, schon gar nicht in den Ballungsgebieten und den Metropolregionen, wo in den Innenstädten die Preise pro Quadratmeter in den vergangenen Jahren immens gestiegen sind.

Wer hier in Wohnraum investieren will, muss an bestehenden Bauten modernisieren, instand halten und sanieren. Eine Tendenz, die eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin zeigt. So lag im Jahr 2012 der Anteil von Neubauten bei Nichtwohngebäuden bei nur 34 Prozent, gegenüber 66 Prozent bei Arbeiten an bestehenden Gebäuden. Auch bei Wohnhäusern und –gebäuden fällt ein ähnlich hoher Anteil, nämlich 74 Prozent, auf Bestandsmaßnahmen.

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