Berufsfelder unter der Lupe
Auch Mittelständler brauchen Risikomanager

Die Finanzkrise und heftige Konjunktureinbrüche haben Vorstände und Geschäftsführer sensibilisiert: Mögliche Risiken müssen besser beobachtet und vermieden werden. Banken und mittelständische Unternehmen rüsten auf.
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KölnFehlentwicklungen an den Finanzmärkten haben ungeahnte Risiken für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat sichtbar gemacht. Zweifel an den Selbststabilisierungskräften der Finanzmärkte kommen nicht von ungefähr. In Banken und bei Industrieunternehmen wächst die Bedeutung des Risikomanagements.

Offensichtlich verunsichert die Krise aber sowohl Unternehmen als auch Bewerber nachhaltig. Im Bereich Riskomanagement gibt es starke Schwankungen bei der Jobnachfrage (s. Grafik unten). Und die Zahl der Stellenangebote sinkt kontinuierlich: Sie liegt heute um gut ein Drittel niedriger als beim Jahreswechsel 2010/2011.

Marcus Pauli, Geschäftsführer des Forschungszentrums Risikomanagement der Uni Würzburg (FZRM), schätzt, dass Firmen vieler Branchen der Ruhe hinsichtlich der Euro-Krise offensichtlich nicht trauen. Die große Katastrophe sei nicht eingetreten, „aber man weiß genau, dass die prinzipiellen Probleme nach wie vor bestehen und die Krise insofern noch nicht ausgestanden ist“. Und so kommt es zum Paradox: Das Bewusstsein um große Risiken steigt, aber auch die Sorge sich einen Experten zum Thema nicht leisten zu können.

Dabei gibt es im Moment eher einen Trend zu harter Regulierung. Mit Basel III sei beispielsweise über die höhere Kernkapitalquote eine klare Sicherheitsbarriere bei den Banken eingebaut worden. Im Vergütungsbereich versuche man die Risikokultur dahingehend zu beeinflussen, dass man Anreize zur Generierung kurzfristigen Profits unter Inkaufnahme langfristiger Risiken reduziere.

Im Interview spricht Pauli über das Berufsfeld des Risikomanagers:

Müssen Banken – trotz allgemeinen Personalabbaus – ihren Mitarbeiterstamm im Risikomanagement aufstocken? Gibt es da einen Trend?

Ja, auf jeden Fall. Wir gehen einer weiteren nationalen, europäischen bzw. weltweiten Regulierung entgegen, die abgefangen werden muss. Banken müssen sich zudem für volatilere Zeiten rüsten, Risiken müssen besser gesteuert werden. Insofern ist eine antizyklisches Verhalten im Bezug auf die Investitionen in das Risikomanagement wichtig.

Der Mittelstand gilt in Sachen Risikomanagement als Sorgenkind. Sehen Sie hier in unmittelbarer Zukunft die Chance für mehr Beschäftigung?

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist das Risikomanagement im Mittelstand besser als sein Ruf. Mittelständler wissen, wo ihre Probleme liegen, da sie in der Regel einen besseren Überblick haben und ihre Risiken auf kurzem Wege steuern. Allerdings gibt es einen allgemeinen Trend zur Professionalisierung des Risikomanagements im Mittelstand; das stellen wir in Gesprächen mit Vorständen und Geschäftsführern immer wieder fest. Es kristallisiert sich eine neue Sensibilisierung für das Thema heraus – und das gibt auch Chancen für mehr Beschäftigung.

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