Bewerbungsgespräch
So nutzen Sie die Körpersprache im Jobinterview

Jedes Bewerbungsgespräch gleicht insgeheim einem Theaterstück. Wer die Mechanismen kennt, ist klar im Vorteil. Dazu gehören auch stille Signale. Die Körpersprache kann Bewerbern Türen öffnen – oder alles versauen.

Soll niemand sagen, dass ein Unglück nicht auch gute Seiten hat. Amy Cuddy ist dafür das beste Beispiel. Als sie 19 Jahre alt war, hatte sie einen schweren Autounfall. Die Hirnleistung der damaligen Studentin war eingeschränkt, niemand glaubte zunächst, dass sie jemals wieder würde studieren können.

Doch Cuddy schaffte es zurück in den Hörsaal. Mit Fleiß, Ehrgeiz und einem Trick: Cuddy gewöhnte sich damals an, ihre Unsicherheit zu kaschieren und Selbstbewusstsein vorzutäuschen. Dieser Kniff verhalf ihr nicht nur zum Abschluss an der US-Eliteuniversität Princeton, sondern prägte auch ihr weiteres Leben.

Heute lehrt Cuddy an der Harvard Business School und gehört zu den führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Körpersprache. Die Sozialpsychologin hat in Dutzenden Experimenten erforscht, wie Mimik und Gestik mit Macht zusammenhängen. Wer sich zum Beispiel vor Selbstzweifeln am liebsten verstecken würde, dem rät Cuddy erst recht zu einer expansiven Körpersprache: Hände hinter den Kopf oder Fäuste an die Hüften.

Diese Gesten überzeugen nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen. Für eine Studie bat Cuddy vor einigen Jahren eine Gruppe von Studenten, vor einem simulierten Jobinterview klassische Machtposen einzunehmen. Eine zweite Gruppe sollte Arme oder Beine verschränken oder in sich zusammensinken – Gesten, die Verunsicherung ausdrücken. Das Ergebnis: Die Testpersonen aus der ersten Gruppe traten im Gespräch selbstbewusster auf. Mehr noch, sie bekamen die fiktiven Stellen deutlich häufiger angeboten. Mit anderen Worten: Es kam nicht darauf an, was die Bewerber sagten – sondern wie sie sich währenddessen fühlten.

Bühne für Selbstoptimierer, Forschungsfeld für Sozialpsychologen, Spielwiese für Persönlichkeitstrainer: Jedes Bewerbungsgespräch ist ein einziges Schauspiel. „Die meisten Interviewsituationen sind ein Riesentheater, bei dem Menschen einander nicht kennenlernen, sondern täuschen“, sagt Jean-Marie Bottequin, Gastprofessor für nonverbale Kommunikation an den Universitäten Wien und Ulm. Er bereitet Führungskräfte und Studierende auf Präsentationen oder Interviews vor. Und erlebt häufig, dass Personaler die Bewerber nach Sympathie oder persönlicher Erfahrung beurteilen, aber nicht nach objektiven Kriterien.

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