Boni taugen nicht viel
Was Mitarbeiter wirklich motiviert

Mehr Geld, mehr Leistung: Boni gelten bei den meisten Unternehmen immer noch als Motivationsmittel Nummer eins. Total veraltet - sagt Daniel H. Pink: Der US-Bestsellerautor belegt, wie sehr sich wissenschaftliche Erkenntnisse und die alltägliche Praxis widersprechen: Finanzielle Anreize reichen bei weitem nicht aus, um Menschen zu motivieren - und sind manchmal sogar kontraproduktiv.
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DÜSSELDORF. Mark Twain lesen macht weise: Tom Sawyer hat mal wieder eine Strafe aufgebrummt bekommen. Tante Polly lässt ihn 76 Quadratmeter Zaun streichen. Tom erledigt die Arbeit zunächst äußerst missmutig. Dann kommt sein Freund Ben vorbei und als der sich über Toms Schicksal lustig macht, hat Tom eine Eingebung: Er erklärt Ben, wie gern er diese Aufgabe bewältige. Es sei keine lästige Pflicht, sondern eine große Ehre. Ben will kurz darauf auch den Pinsel schwingen. Aber Tom erlaubt es ihm erst, als Ben ihm einen Apfel schenkt.

Eine Geschichte, die das wichtigste Prinzip unseres Wirtschaftssystems infrage stellt: Wenn man eine Tätigkeit belohnt, bekommt man mehr davon. Wenn man eine Tätigkeit bestraft, bekommt man weniger davon. Daraus folgt: Finanzielle Anreize steigern die Motivation.

Daniel H. Pink hat ein äußert gelungenes Buch über Ansporn geschrieben: "Drive, was Sie wirklich motiviert." Zunächst entlarvt er die Mängel dieses Belohnungs- und Bestrafungssystems. Das gelingt glaubwürdig durch wissenschaftliche Studien, aber auch durch alltägliche Beispiele aus der Praxis. Belohnungen können "eine interessante Aufgabe in einer Schufterei verwandeln". Die Zuckerbrot-und-Peitsche-Methode erreiche nämlich "oftmals genau das Gegenteil" dessen, was sie bewirken soll.

Dabei will Pink die extrinsische Belohnung nicht komplett verbannen, aber erheblich ergänzen. Die Idee, Motivation durch finanzielle Belohnung zu steigern, funktioniert bei monotonen Routine-Tätigkeiten, zum Beispiel am Band. Doch diese sogenannten algorithmischen Tätigkeiten gibt es in westlichen Ländern ja immer weniger. "Heuristische" Tätigkeiten haben sie abgelöst - also solche, bei denen Kreativität und selbstständiges (n) Lösungsdenken nötig sind.

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