Buchrezension
Was eine gute Unternehmenskultur ausmacht

Ein gutes Unternehmen lebt von seiner Kultur. Petra Blum gibt in ihrem Buch Beispiele für gelungene Konzepte und Wandlungen von Firmen – von Bosch über dm bis hin zu Otto. Aber die Autorin zeigt auch, wie es nicht geht.
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DüsseldorfAls William McKnight einmal einen Rundgang durch das Werk machte, war er erstaunt, als er einen Mitarbeiter entdeckte, der zwar arbeitete, aber nicht daran, woran er arbeiten sollte. Besonders, weil McKnight dem Mitarbeiter bereits einmal gesagt hatte, dass er nicht länger Zeit für seine Idee eines Abklebebands opfern sollte. Aber statt den jungen Mitarbeiter Richard Drew erneut zurückzupfeifen, ließ McKnight ihn gewähren. Es sollte sich rentieren: Das Abdeckband wurde ein Meilenstein der Firmengeschichte.

Die Anekdote stammt aus dem US-Unternehmen 3M und beschreibt wohl am besten, dass eine gute Idee keine feste Arbeitszeit kennt. Der amerikanische Technologiekonzern hat sich dies zu eigen gemacht: Die Mitarbeiter dürfen sich 15 Prozent ihrer Arbeitszeit „frei nehmen“ für Ideen. Die Maxime dahinter: Neue Ideen entstehen durch Kreativität, nicht durch Schreibtischarbeit.

3M ist nur ein Beispiel dafür, wie ein Unternehmen seine Mitarbeiter konkret in den Produktionsprozess einbindet, wie diese Idee qualifizierte Fachkräfte anzieht – und wie Unternehmenskultur eigentlich praktisch aussieht. Die Eingangsszene aus dem 3M-Werk stammt aus einem neuen Ratgeber, der die Ansätze verschiedener Unternehmen auf ihre Mitarbeiter- und Kundentauglichkeit hin überprüft. Eines vorweg: Mit alten Patriarchen und hohem Druck hat die Kultur in einem Betrieb demnach wenig zu tun.

Familienpatriarchen sind out

Zugegeben, der Titel „Mitarbeiter motivieren und Kunden begeistern“ animiert nicht gerade zum Lesen. Doch ein Blick hinter den Buchdeckel lohnt sich. Ratgeber bieten in der Theorie gute Tipps für Unternehmen, in der Praxis lassen die Ratschläge sich aber nicht immer umsetzen. Die Autorin Petra Blum hat deshalb einen praxisbezogenen Ansatz gewählt: Sie hat sich sieben Unternehmen angeschaut, die schon für eine gute Kultur stehen – zum Beispiel Bosch und dm, Otto und die Allianz – und erzählt an diesen Beispielen, was „Kultur“ für eine Firma eigentlich heißt.

Die Botschaft: Familienpatriarchen, auf Gewinn getrimmte Strukturen und starre Arbeitszeiten sind out. Wer im Kampf um Fachkräfte mithalten will, muss selbst die Initiative ergreifen, muss seinen Mitarbeitern etwas bieten, wie es immer so schön heißt. In Worte gefasst heißen die Werte bei Petra Blum: Innovation, Kreativität, flache Hierarchien – und Einbindung der Mitarbeiter.

Doch es bleibt nicht bei den leeren Hülsen, die sich in vielen Ratgebern finden. Blum schmückt die Worte mit Beispielen aus, guten wie schlechten. An Bosch zeigt sie, dass eine lange Geschichte ein Unternehmen nicht daran hindert, einen strukturellen Wandel zu vollziehen und für Mitarbeiter wieder interessant zu werden; an Schlecker, wie das krampfhafte Festhalten an alten Strukturen ein Unternehmen in den Untergang drängen kann.

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