Büro-Alltag
Warum uns die Arbeit krank macht

Burnout, Mobbing oder entnervende Langeweile: Die Arbeit macht immer mehr Deutsche krank. Was davon liegt am System und wie können wir uns selbst helfen? Eine Spurensuche - und ein Ratgeber.
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Liebes Büro,
ich fühle mich längst nicht mehr so richtig wohl in dem Arbeitsalltag, den du mir bereitest. Nein nein, es liegt nicht an meinem Job. Und auch nicht an meinem Chef. Es liegt vor allem an dir. Und so wie mir geht es Millionen Deutschen – egal ob Journalist oder Banker, Berater oder Industriekaufmann, Beamter oder Angestellter.

Ich schreibe dir diesen Brief, weil ich wütend bin. Und in den vergangenen Monaten haben wir so viele Kommentare von Lesern erhalten, die das, was ich dir jetzt sage, sehr ähnlich sehen. Dutzende von Ratgeber-Büchern habe ich gelesen – und auch all die erschreckenden Statistiken über die stark zunehmende Zahl von Burnout, Mobbing und so weiter.

Du verwechselst Leistung mit Aufwand. Du verlangst ständige Change-Prozesse und sicherst damit nur den Stillstand. Du zwängst uns Berater auf. Du jagst uns durch mit Flipchartbögen tapezierte Tagungsräume und nennst die sinnfreie Beschäftigung Meeting oder Budgetplanungsgespräch.

Ja, ich weiß: Es liegt ja an jedem selbst, sein Glück im Beruf und damit auch im Büro zu finden. Das versuchen mir ja auch all die weisen Ratgeberbücherautoren zu sagen. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Du bist die Mühle und wir das Mehl. Es ist für uns genauso unmöglich, wieder zum Korn zu werden, wie es das einzelne Korn nicht schaffen kann, deinem Mühlstein zu entgehen.

Dabei komme ich ja an sich sehr gerne zu dir. Jeden Morgen begrüßen mich die Kollegen freundlich, der Gang in die Kantine darf getrost als Highlight bezeichnet werden und auch lachen tun wir viel. Nur Arbeiten, das könnte ich viel besser daheim. Hier bekomme ich dieses seltene Gefühl von Leistung, ja an guten Abenden sogar von Wirkung.

Kommentare zu " Büro-Alltag: Warum uns die Arbeit krank macht"

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  • In Deutschland ärgert man sich ja schon, wenn man vor die Tür geht. Positiv denken ist hierzulande sehr schwer. Ungepflegte Menschen, Rad-Rowdies auf dem Gehweg und zumeist eine ziemlich dümmliche Konversation. Und Mobbing und Beleidigung stehen hoch im Kurs. Hat man mal eine andere Meinung als die der verblödeten breiten Masse, so wird man sofort gemobbt. In Frankreich und Österreich ist das nicht der Fall, wie ich bemerkt habe. Armes Deutschland, bin richtig froh, wenn ich hier mal weg bin. Macht keinen Spass mehr.

  • Super Kommentar und super Artikel. Was den Artikel angeht, hätte ich mir nur mehr das Thema Boreout gewünscht, zu dem zwar ein Video gezeigt wird, im Text zum Thema Langeweile im Büro aber zu wenig steht. Wenn ich mir unsere Firma (und im Prinzip auch alle anderen, bei denen ich bislang gearbeitet habe) anschaue, dann kann ich mich immer nur fragen, wofür die Leute alle eigentlich ihr Geld bekommen... Im Ernst.

  • Wie wärs es damit: Einfach mal diese typisch deutsche Negativität und Jammerei versuchen abzulegen und sich über die schönen Dinge im Leben, die jeder hat auch wenn es nur die Katze sein mag, freuen? Meine Güte, jeder motzt und heult hier rum, was das Zeug hält, dabei sieht niemand, wie gut man es letztendlich in Deutschland hat.
    Und außerdem: Wer sich in seine Situation manövriert hat, wo er unzufrieden ist, muss sich nun mal vorwerfen, nicht qualifiziert genug zu sein. Denn sonst könnte man eine bessere Stelle bekleiden und hätte einen Beruf, der einen wohl mehr erfüllen würde. Ich nehme an 90% der Schreiberlinge hier hat seine Karriere versemmelt und ist deswegen in einer unzufriedenen Position. Tja, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied! Lebt damit, seht die positiven Dinge im Leben und vlt auch an der Arbeit und hört auf zu jammern...

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