Coworking Spaces
Mehr als nur kreativ

Bürogemeinschaften gelten als Ort für Start-ups und Freie. Auch große Unternehmen entdecken die kreativen Netzwerk-Oasen langsam für sich. Allerdings funktioniert das in der Praxis nicht immer so einfach wie gedacht.
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DüsseldorfDas Büro sollte der Anfang sein, doch es wurde das große Problem. Madeleine Gummer von Mohl und ihre Mitstreiter mieteten sich einen ganz klassischen Raum zum Arbeiten, als sie ein Start-up namens Politikfabrik für Beratungen gründeten. Doch das Arbeitsvolumen schwankte und damit auch die Mitarbeiterzahl. Mal waren vier vor Ort, mal 30 Personen. „Das Büro war immer entweder zu groß oder zu klein“, sagt Gummer von Mohl heute.

Die klassische Bürogemeinschaft funktionierte nicht so, wie sie und ihre Kollegen sich das vorgestellt hatten. Aus der Not machten sie einfach ein neues Start-up und gründeten das Betahaus in Berlin. Dort bieten sie seit 2009 Schreibtische für Gründer und Freie, aber auch für große Unternehmen an. Statt festen Verträgen ab fünf Jahren, wie es in großen Bürogebäuden üblich ist, können Interessenten für nur drei Monate dort einziehen und sich an ihrem Arbeitsplatz entfalten.

Bürogemeinschaften wie das Betahaus – neudeutsch: Coworking Spaces – haben sich längst auch in Deutschland etabliert. Der Trend kommt aus dem Silicon Valley, dem Kreativtal der USA, in dem Google und Facebook ihre weltverändernden Produkte erarbeiten. Die Idee: Offene Räume für offene Gedanken. Kreative und Freie jeder Art sollen eine Arbeitsatmosphäre vorfinden, die ihre Ideen fördert. Möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Berufen sollen in einem Raum zusammenarbeiten. Doch nicht jede Bürogemeinschaft funktioniert in der Praxis so gut wie in der Theorie. Gerade große Unternehmen unterschätzen die Arbeit dahinter.

Die Arbeitswelt verändert sich, und mit ihr auch die Art und Weise, wie und wo wir arbeiten. Das Einzelbüro ist schon lange aus der Mode, mit den Großraumbüros kamen die ersten Vorläufer kreativer Bürogemeinschaften in die Unternehmen. Der Boom kommt auch durch modernere Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit und 400-Euro-Jobs. Immer mehr Menschen sind zum Beispiel Freiberufler. Waren es 1993 noch 533.000 Selbstständige, stieg die Zahl bis 2013 auf knapp 1,2 Millionen.

Coworking Spaces sind ein vergleichsweise neues Phänomen und deutlich schwieriger zu definieren. „Ein Coworking Space geht über die klassische Bürogemeinschaft hinaus“, erklärt Suntje Schmidt. Die Wissenschaftlerin am Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Verena Brinks die Berliner Lab-Szene untersucht, dazu gehören auch Coworking Spaces. Es gehe nicht nur darum, Arbeitsplätze anzubieten, sondern eine Interaktion zwischen den unterschiedlichen Mietern zu schaffen, erklären die beiden Wissenschaftlerinnen.

Derzeit arbeiten nach einer Schätzung des Magazins „Deskmag“ und den deutschen Ergebnissen der vierten Global Coworking Survey rund 11.000 Menschen in Deutschland in sogenannten Coworking Spaces. Der Trend bleibt ungebrochen: Allein 2013 legte die Zahl der Bürogemeinschaften um etwa 30 Prozent zu.

Zu den etwa 300 Coworking Spaces zählt auch das Berliner Betahaus. Am Anfang mieteten sich die Gründer zwei Mal 50 Quadratmeter. Inzwischen ist das Vorzeigeprojekt auf 2500 Quadratmeter angewachsen und zählt rund 350 Mitglieder. Vor allem Freie, Start-ups und Makers – Menschen, die mit ihren Händen zum Beispiel an neuer Technik arbeiten – mieten sich dort ein. Wichtig ist dabei vor allem eins: das Netzwerk. „Am Anfang kamen die Leute wegen des Arbeitsplatzes“, erzählt Gummer von Mohl. „Inzwischen kommen sie wegen des Netzwerks.“

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