Dauernde Erreichbarkeit im Urlaub
Chefs, macht die Handys aus!

Abwesenheitsnotiz einrichten, Handy ausschalten, Urlaub genießen: Was für die Angestellten gilt, verkneifen sich Führungskräfte. Sie sind immer erreichbar. Das ist ungesund – und setzt die Kollegen unter Druck.
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Angestellte haben nach Feierabend und im Urlaub Sendepause. Wer das Handy ausmacht und die E-Mails E-Mails sein lässt, ist im Recht: Das Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Beschäftigte in ihrer Freizeit weder telefonisch noch per Mail erreichbar sein müssen, wenn es nicht explizit im Arbeitsvertrag steht. Für viele Führungskräfte im mittleren Management gilt das jedoch nicht. Vorgesetzte sind signifikant häufiger in ihrer Freizeit beruflich erreichbar als Beschäftigte ohne Führungsaufgaben. Das zeigt eine Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) in Kooperation mit der Unfallkasse Hessen.

Die Manager fühlen sich verpflichtet, für Chef und Kollegen auch in der Freizeit erreichbar zu sein. Das ist nicht immer unproblematisch. Denn unter ständiger Erreichbarkeit kann die Gesundheit leiden. Studien deuten darauf hin, dass die ständige berufliche Erreichbarkeit eine psychische Fehlbelastung darstellt und zusammen mit anderen Fehlbelastungen die Gesundheit negativ beeinflussen kann. „Sind Beschäftigte nach Feierabend häufig erreichbar, denken sie vermehrt an die Arbeit und können nur schwer abschalten. Auf Dauer kann das die Erholungsfähigkeit einschränken”, erklärt Hiltraut Paridon, Arbeitspsychologin am IAG.

Sie rät, sich selbst zu hinterfragen: Wie verhalte ich mich selbst in Bezug auf Erreichbarkeit? Was erwarte ich von mir? Was erwarte ich von meinem Team?

Wer das Gefühl habe, ständig für alle erreichbar sein zu müssen, solle sich fragen, woran das liegen könnte. Wer Angst hat, dass das Team falsche Entscheidungen trifft, sobald man es zwei Minuten unbeaufsichtigt lässt, sollte seinen Leuten vielleicht lieber eigenständiges Arbeiten beibringen, als auch im Urlaub im Minutentakt ans Telefon zu gehen.

Gute Übergabe ist das A und O

Eine gute und strukturierte Übergabe macht viele Fragen ohnehin obsolet. Also lieber vor dem Urlaub abklären, welche Aufgaben anfallen und wer wofür zuständig ist. "Leiten Sie auch die Beschäftigten dazu an, alle nötigen Informationen weiterzugeben und Aufgaben in Absprache mit Ihnen zu verteilen", sagt Paridon.

Wer dann immer noch fürchtet, dass in seiner Abwesenheit alles auseinanderbricht, sollte mit dem Team ein Worst-Case-Szenario entwickeln, das einen Anruf rechtfertigt. Werden 40 statt 400 Büroklammern geliefert, ist alles in Ordnung, stehen mehrere 40-Tonner mit Büroklammern vor dem Büro mit fünf Angestellten, sollte der Chef informiert werden.

Das trägt nicht nur zur eigenen Erholung bei, sondern auch zu der der Mitarbeiter. Sind Vorgesetzte ständig erreichbar, gehen viele Beschäftigte davon aus, dass von ihnen dasselbe erwartet wird.

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