Depression
Machen Männer Frauen krank?

Fünf Millionen Frauen leiden in Deutschland an einer Depression – doppelt so viele wie Männer. Dafür gibt es handfeste Gründe - in der Familie und am Arbeitsplatz. Die Psychologin Ursula Nuber erklärt, warum das so ist.

DüsseldorfEs ist wie dick werden. Irgendwie spürt man das Unheil kommen, aber erst am Ende merkt man, dass es schon ganz früh deutliche Hinweise auf das Böse gegeben hat. Das Ende, das ist die Diagnose Depression, der Zusammenbruch. Unerklärliche Weinkrämpfe, Migräneanfälle, ein Hörsturz oder eine völlige Lähmung der Willenskraft. Schachmatt, nichts geht mehr.

Bis das Leben der Frauen so richtig aus dem Ruder läuft, stehen sie um 5 Uhr auf, bringen den Haushalt in Ordnung, wecken die Kinder, fahren sie zur Schule und beeilen sich dann zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen. In der Mittagspause rasen sie zur Behörde oder zum Arzt und nach der Arbeit holen sie die Kleinen bei der Oma ab, kochen für sie, spielen mit ihnen, bringen sie zu Bett. Zu den Tagesthemen schalten sie den Fernseher ein, um zu erfahren, was in der Welt los ist und bügeln dabei noch. Lesen, einen spannenden Film schauen, mit einer Freundin ausgehen – für all das haben sie schon lange keine Kraft mehr. Weil sie Blei in den Beinen haben. Und müde sind. Und glauben, dass ihnen sowieso niemand helfen kann.

Dieser Dauerstress bleibt nicht folgenlos, weiß die Diplompsychologin Ursula Nuber. In ihrem Buch „Wer bin ich ohne dich? Warum Frauen depressiv werden – und wie sie zu sich selbst finden“ rückt die stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift „Psychologie heute“ die weibliche Depression in den Mittelpunkt. Anhand von Fallbeispielen und wissenschaftlichen Studien geht sie der Frage nach, welche Faktoren daran schuld sind, dass Frauen weltweit doppelt so häufig an Depression erkranken wie Männer. Allein in Deutschland sind derzeit fünf Millionen Frauen von dieser Diagnose betroffen – und nur 2,8 Millionen Männer.

Dabei konzentriert sich Ursula Nuber auf zwei Schwerpunkte: Den signifikanten Unterschied zwischen dem Stress der Männer und dem Stress der Frauen und den Beziehungsstörungen – laut Nuber die beiden Hauptverursacher von Depressionen. Zwar spielen die Gene und die unterschiedlichen Hormone durchaus eine Rolle bei der Krankheit, laut Nuber müssen aber auch die sozialen Aspekte mit berücksichtigt werden, die bei der weiblichen Depression meist in den Hintergrund geraten. „Frauen haben sehr viel mehr Grund zum Grübeln als Männer, weil es in ihrem Leben mehr Anlässe zu Sorge gibt“, schreibt Nuber. Dazu kommt, dass sie längere Antennen als Männer haben und sensibel Leid und Nöte anderer wahrnehmen. „Die Sorgen der Mitmenschen werden schnell zu ihren Sorgen.“ Männer tun das nicht – so das klare Fazit der Autorin.

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