Depressionen und Arbeit: Den Deutschen geht es ein bisschen besser

Depressionen und Arbeit
Den Deutschen geht es ein bisschen besser

Erstmals seit sieben Jahren waren weniger Menschen wegen Depressionen arbeitsunfähig. Doch die Zahl der Betroffenen bleibt hoch. Vor allem in einer Stadt können viele Menschen vor Niedergeschlagenheit nicht arbeiten.
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DüsseldorfDepressionen sind teuer: Im Jahr 2013 fehlten Erwerbspersonen im Schnitt gut einen Arbeitstag wegen der Krankheit. Das war zwar erstmals seit sieben Jahren ein leichter Rückgang. Doch trotzdem kostete dies die Volkswirtschaft insgesamt rund vier Milliarden Euro. Das zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK), die die größte deutsche Krankenversicherung am Mittwoch vorstellte.

Zwischen dem Ausgangsjahr 2000 und dem nun untersuchten Jahr 2013 fehlten Arbeitnehmer wegen Depressionen fast 70 Prozent häufiger. Für die Untersuchung hat die Techniker Krankenkasse die Daten seiner rund vier Millionen erwerbstätigen Kunden ausgewertet. Das sind etwa 13,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland.

Als Depression definiert die Weltgesundheitsorganisation WHO „eine weit verbreitete psychische Störung“. Die Krankheit kann sich unter anderem durch „Traurigkeit, Interesselosigkeit und Verlust an Genussfähigkeit, Schuldgefühle und geringes Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen“ zeigen. Ärzte unterscheiden dabei zwischen der depressiven Episode und sogenannten rezidivierenden depressiven Störungen, also einer Wiederkehr der Krankheit.

Gemessen an der Zahl der Fälle machen Depressionen zwar nur einen kleinen Teil aus. Insgesamt waren deutsche Arbeitnehmer 2013 fast 15 Tage – also etwa drei Arbeitswochen – nicht arbeitsfähig. Wegen Depression fehlten die Beschäftigten jedoch nur gut einen Tag. Zudem wurden lediglich 1,59 Prozent aller Arbeitnehmer wegen dieser Diagnose als arbeitsunfähig eingestuft. Doch weil die Krankheit eine vergleichsweise lange Dauer von etwa 64 Tagen pro Fall aufweist, sind Depressionen insgesamt für 7,1 Prozent aller Fehltage bei Arbeitsunfähigkeit verantwortlich.

„Es ist eine sehr langwierige Erkrankung für den Patienten, verbunden mit hohen Ausfallzeiten für die Betriebe“, sagte TK-Chef Jens Baas. Für ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern bedeuten die Zahlen, dass mindestens ein Arbeitsplatz im Jahr wegen Depressionen unbesetzt bleibt.

Unterschiede gibt es bei der Diagnose von Männern und Frauen. Weibliche Arbeitnehmer sind laut TK-Daten fast doppelt so häufig betroffen wie ihre männlichen Kollegen. Während 2013 rund 2,1 Prozent der Frauen wegen Depressionen krankgeschrieben wurden, waren es bei den Männern nur 1,16 Prozent.

Im Alter zeigt sich allerdings bei beiden Geschlechtern ein deutlicher Anstieg der Fehlzeiten wegen einer Depression. In der Altersgruppe der 60 bis 64-Jährigen sind demnach sechs Mal so viele Betroffene zu verzeichnen wie in der jüngsten Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen.

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  • Erstmals seit sieben Jahren waren weniger Menschen wegen Depressionen arbeitsunfähig. Doch die Zahl der Betroffenen bleibt hoch. Vor allem in einer Stadt können viele Menschen vor Niedergeschlagenheit nicht arbeiten.

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    Jammern auf Hohem Niveau.

    Wer fragt in den Südlichen Länder Europas ( Portugal, Spanien, Griechenland oder Italien )...

    ob jemanden dort unter Depressionen leidet ?

    In Deutschland geht man zum Arzt und jammert...

    in andere südlichen EU-Staaten haben die Menschen nicht einmal eine Arzt-Praxis als Anlaufstelle...

    sondern müssen sich mit telefonische Ärztliche Beratung zufrieden geben.

    Ist doch klar dass wer kein Geld mehr hat um sich auszutoben...sei es am Wochenende ausgehen oder auch öfters einen kleinen Urlaub...

    und dazu immer mehr Erwartungen seitens des Arbeitgebers...dass sich dieses auf die Psyche eines jeden Menschen auswirkt.

    Komisch nur dass etwa HARTZ4-Bezieher eher an Depressionen leiden aber deswegen keinen Arzt aufsuchen.





  • Der Artikel enthält Fehler:

    1) Depression ist kaum stigmatisierend und mittlerweile eher schon eine Mode Diagnose
    2) Neben der Diagnose: depressive Epsode bzw. rezidivierenden depressiven Störung gibt es och die Diagnose "Dysthymie" - eine sehr leichte und sehr häufige psychische Störung im Sinne einer Befindlichkeitsstörung. Arbeitsunfähigkeit resultiert hieraus nicht, die Dysthymie wird von vielen Psychiater - als Anwälte ihrer Patienten - zu einer Depression up-gegraded (abgesehen davon können sie Depression besser abrechne).
    3) Wesentliches Problem sind auch die vielen (psychologischen) Psychotherapeuten. Mit häufig wenig klinischer Erfahrung und Kenntnis von schwer depressiven Patienten werden Diagnosen falsch gestellt. An die ursprüngliche Regelung wonach ein Psychiater die Diagnose zu stellen hat und nicht der Psychotherapeut hält sich heute kaum noch jemand. Die Diagnose ist ja auch "einfach": man zähle die "subjektiven Beschwerden" zusammen und hat die Diagnose. Um objektive Befunde kümmert sich dabei schon lange niemand mehr (und objektive Befunde gibt es durchaus - Beobachtngen auf der Verhaltensebene. Auch mal kritisch nachfragen kann hilfreich sein (eher nix für die Gutmenschen unter den Psychiatern und Psychotherapeuten - außerdem finanziell wenig lukrativ).
    3)

  • Keinen Aufschluss gibt der Artikel über die Ursachen der Depressionen; keine kritischen Äußerungen über mangelhaftes Führungsverhalten von Leitungspersonen in der deutschen Wirtschaft. Statt dessen Druck von oben, der nach unten weiter gegeben wird.

    Fehlendes Lob und Anerkennung als auch ausbleibende Gehaltserhöhungen (während sich Geschäftsführer und Vorständler für ihre vielfach mittelprächtigen bis schlechten Leistungen die Taschen auf Kosten der Anderen vollstopfen) sorgen natürlich nicht für eine super Motivation.

    Eine hohe Arbeitsbelastung wie er überall vorkommt, der verniedlichend als "Arbeitsverdichtung" herunter gespielt wird.

    Kein Wunder, dass die Mitarbeiter früher oder später "ausgebrannt" sind.

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