Digital Natives
Unverstandene Jungtalente

Viele Unternehmen tun sich schwer mit jungen Jobbewerbern. Die Wünsche der „Generation Y“ verstehen sie meist nicht. Dabei denken die begabten Youngsters oft überraschend traditionell.
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Düsseldorf„Vielen Dank für Ihr Stellenangebot, mailt der erfolgreiche junge Bewerber an seinen neuen Arbeitgeber Siemens. „Aber bevor ich zusage, möchte ich gerne noch drei bis vier meiner künftigen Kollegen kennenlernen. Sein Chef in spe, ein Mittvierziger, ist sprachlos ob dieser Bitte. Er wertet sie als klares Misstrauensvotum.

Missverständnisse dieser Art zwischen der sogenannten Generation Y, die alle Geburtsjahrgänge zwischen 1981 und heute beschreibt, und der älteren Generation erlebt Nicolas von Rosty, Leiter der Führungskräfte-Entwicklung beim Mischkonzern Siemens, immer wieder. „Nach 1980 Geborene legen extrem großen Wert auf ein angenehmes Arbeitsumfeld, ist seine Erfahrung. „Sie schauen sich genau an, für wen sie arbeiten wollen. Als Arbeitgeber müssen wir uns viel mehr anstrengen, um die jungen Talente zu gewinnen.

Doch das wird nicht einfach: Die Generation nach 1980 ist viel heterogener und zum Teil traditioneller, als Personalchefs denken. Das zeigt eine Studie der Personalberatung Egon Zehnder International und der Stiftung Neue Verantwortung, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Befragt wurden über 100 Personalleiter und etwa 160 hochqualifizierte Digital Natives, also diejenigen die mit Social Media aufgewachsen sind, und jetzt im Beruf oder kurz davor stehen.

Besonders stark weichen die Vorstellungen der Personalchefs über die bevorzugten Arbeitsbedingungen von denen der jungen Talente ab: Jeder zweite Personalleiter ist überzeugt, Mobilität sei für die Generation Y sehr wichtig. In der Tat trifft das aber noch nicht einmal auf jeden vierten Digital Native zu. Fast jeder Dritte legt dagegen großen Wert auf eine feste Ortsbindung, wovon aber nur fünf Prozent der Personalchefs ausgehen.

Ein internationales Umfeld gehört nur für 15 Prozent der jungen Leute zu den wichtigsten Motivationsfaktoren - anders, als jeder dritte Personalchef glaubt. „Arbeitgeber denken, sie müssten möglichst viele Auslandsaufenthalte bieten, beobachtet Jürgen Deller, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Viele Digital Natives aber seien örtlich gebunden.

Eklatant ist auch die Fehleinschätzung zur Arbeitsweise. Lediglich für acht Prozent der jungen Leute ist eine digitale Vernetzung sehr wichtig, wovon fälschlicherweise 44 Prozent der Personalchefs ausgehen. 62 Prozent der Digital Natives legen großen Wert auf persönliche Kontakte mit Kollegen und Geschäftspartnern - und den Austausch von Wissen.

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