Doping im Breitensport
Ins Ziel dank der Zauberpille

Es geht um Spaß, um Gesundheit – und um Erfolg. Die Leistungsorientierung in der Gesellschaft ist längst im Breitensport angekommen und beschleunigt Doping ungeachtet der Risiken für die Gesundheit.
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BerlinFragt man bei einem der zahlreichen Volksläufe in Deutschland die anderen Teilnehmer an der Startlinie nach Doping, gibt es nur Kopfschütteln: „Das wäre doch Betrug“, sagt der eine. „In dem Bereich ein paar Minuten schneller laufen, dafür mache ich mich nicht kaputt“, kommt es von der anderen Seite.

Aber auch bei den Hobbyläufern ist der Anspruch an die eigene Leistung hoch. Um die persönliche Bestzeit zu toppen, ist manchen Läufern jedes Mittel recht. Die euphorische Nervosität und aufgeregte Anspannung vor dem Start werden begleitet von der Angst zu versagen, der Herausforderung doch nicht gewachsen zu sein, das Trainingsziel doch nicht erreichen zu können. Ob Fitnessstudio, Marathon oder Triathlon: Immer mehr Hobbysportler wollen ihre Grenzen ausloten. Warum sollte Doping bzw. Medikamentenmissbrauch da nicht eine ähnliche Rolle wie im Leistungssport spielen – zumal kaum Kontrollen drohen?

Das Bundesministerium für Gesundheit gab mit seiner in Auftrag gegebenen Kolibri-Studie vergangenes Jahr Entwarnung: Nicht mal ein Prozent der Deutschen habe schon mal Medikamente zur Leistungssteigerung im Breitensport genommen. „Es handelt sich um eine Befragung der Allgemeinbevölkerung“, ordnet das Ministerium die Ergebnisse auf Nachfrage ein. „Auch in der Kolibri-Studie wurden verschiedene Teilgruppen mit einem überdurchschnittlichen Medikamentenmissbrauch identifiziert.“ Heißt: Wenn man eine bestimmte Altersklasse oder eine bestimmte Sportlergruppe untersucht, kommt man zu dramatischeren Zahlen, und so wurde die Studie von Experten vielfach kritisiert, sie beschönige das Problem.

Verlässliche Erhebungen und belastbare Zahlen gibt es zu dem Thema kaum – schließlich werden kaum Kontrollen durchgeführt. „Im öffentlichen Diskurs tritt Doping zumeist in Gestalt leistungssportlicher Skandale in Erscheinung“, stellt Sportsoziologe Dr. Mischa Kläber von der TU Darmstadt fest. „Leistungssportler greifen auf verbotene Praktiken oder Substanzen zurück, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In Dopingkontrollen werden einige von ihnen überführt.“ Die Dopingsituation im Breiten- und Freizeitsport sei hingegen stark unterrepräsentiert.

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Zu teuer: Kontrollen im Breitensport

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  • "Fragt man bei einem der zahlreichen Volksläufe in Deutschland die anderen Teilnehmer an der Startlinie nach Doping, ..."

    Wie naiv muss man eigentlich sein, um sowas zu tun bzw. zu schreiben?

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