Eklat um Internet-Unternehmer

Sushi auf nackter Haut

Ein Unternehmernetzwerk feiert in der legendären Playboy-Villa in Los Angeles. Ein deutscher Teilnehmer stellt Fotos mit nackten Frauen auf seine Facebook-Seite – und erntet einen Shitstorm.
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So dokumentierte Thomas Bachem die Veranstaltung auf seiner Facebook-Seite. Quelle: Screenshot
Party in der Playboy-Villa

So dokumentierte Thomas Bachem die Veranstaltung auf seiner Facebook-Seite.

(Foto: Screenshot)

BerlinDer Herrenwitz, so hatten wir gehofft, hätte mit Rainer Brüderle die öffentliche Bühne verlassen. Der moderne Mann guckt seiner Gesprächspartnerin in die Augen, nicht ins Dirndl, er nimmt Elternzeit, und beteuert bei jeder Gelegenheit, wie sehr ihm die Gleichstellung am Herzen liegt.

Hin und wieder aber fällt er aus seiner Rolle. Jüngst zu beobachten auf der Facebook-Seite von Thomas Bachem, Internet-Unternehmer, Vorstand im Bundesverband Deutscher Startups und Mitglied eines internationalen Netzwerks, der Entrepreneurs Organization, kurz EO. Laut Forbes ist diese die einflussreichste Unternehmerorganisation der Welt. Dem exklusiven Club (Mitgliedsbeitrag: 1800 Dollar im Jahr) darf nur beitreten, wer mehr eine Million Euro Umsatz macht. Dafür bekommt er offenen Austausch mit seinesgleichen. Und ab und zu eine gute Party.

Im Rahmen der weltweiten EO-Leadership-Konferenz in Kalifornien lud die LA-Fraktion von EO in der vergangenen Woche zu einer Feier im legendären Playboy-Mansion, der Villa von Hugh Heffner in Los Angeles. So skurril wie man sich das vorstelle, sei es eigentlich gar nicht gewesen, sagt Bachem, aber immerhin: Das Sushi wurde auf nackten Frauenkörpern serviert. Er habe das „ziemlich fragwürdig“ gefunden, sagt Bachem heute, machte aber trotzdem ein paar Fotos, die ihn lachend mit den Playboy-Bunnys zeigen, und postete sie bei Facebook.

Was dann passierte, ließ ihm das Lachen vergehen. Die ersten Kommentare seien noch beifällig gewesen, dann fragte jemand, eine Frau, ob er solche Fotos eigentlich angemessen fände. Das las ein Facebook-Freund, der gleichzeitig Journalist ist und die Geschichte samt Fotos auf dem Portal Gründerszene veröffentlichte. Dann brach der Shitstorm los.

Hysterisch? Übertrieben? Humorlos? Er habe „keinesfalls eine sexistisch/chauvinistische/frauenfeindliche Weltansicht“ zum Ausdruck bringen wollen, betont Bachem heute, außerdem seien auch viele Ehefrauen auf der Party gewesen, die hätten das auch witzig gefunden.

Gar nicht witzig findet das Stephanie Renda, Internet-Unternehmerin und Vorstandskollegin von Bachem im Startup-Verband. Der Verband hat sich wie jede moderne Organisation die Förderung von Frauen auf die Fahnen geschrieben, Renda hat dafür ein Frauennetzwerk ins Leben gerufen.

Sie sei sich selbst manchmal nicht sicher, ob Frauen wirklich eigene Netzwerke bräuchten, sagt Renda. Aber als die Sushi-Fotos auf Thomas Bachems Facebook-Seite sah, das habe sie wieder gewusst, warum. Sie war auch mal Mitglied bei EO, hat die Organisation aber verlassen, weil sie ihr „zu männerlastig“ war. Die deutschen EO-Ableger feiern zwar nicht beim Playboy, sondern machen lieber mal einen Ausflug zur Zugspitze. Wenn zu viele Männer auf einem Haufen wären, würden sie manchmal gar nicht merken, wie frauenfeindlich ihre Witze seien, sagt Renda. Sie habe oft das Gefühl gehabt, nicht als Unternehmerin und potentielle Geschäftspartnerin wahrgenommen zu werden, sondern „nur als Frau“. Auf Deutsch: Es wurde zu viel gebaggert.

Thomas Bachem tut die ganze Sache heute leid. Er hat die Bilder auf seiner Facebook-Seite inzwischen gelöscht und geschrieben, dass er Frauen wie Männer gleichberechtigt schätze und unterstütze. Seine Freunde, meint er, wüssten das auch und nur für sie seien die Fotos bestimmt gewesen, nicht für die Öffentlichkeit. Vielleicht ist das der eigentliche Witz an der Geschichte: Dass ein Internet-Unternehmer nicht weiß, wie schwer privat und öffentlich im Netz zu trennen sind. Er hat es eben auch nicht leicht, der moderne Mann.

„Das haben wir in meiner alten Firma anders gemacht“
Besser ich - Von Anfang an richtig gut im Job
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Die erste Zeit im neuen Job stellt die Weichen für den beruflichen Erfolg und eine langfristige Karriere. Das Buch von Elke Zuchowski, das am 10. September im Campus-Verlag erschienen ist, ist ein absolutes Muss für die junge Arbeitnehmergeneration, um diese entscheidende Phase gut zu meistern. Die Autorin und studierte Betriebswirtin zeigt auf eine sehr anschauliche Weise, worauf es beim Job-Start wirklich ankommt und wie man sich optimal darauf vorbereitet. Neben Do’s und Dont’s im Arbeitsalltag wird auf den sehr kurzweiligen Seiten auch die rechtliche Sicht mit vielen Tipps aus der Praxis und nützlichen Expertenkommentaren vermittelt.

„Besser ich - Von Anfang an richtig gut im Job“ gibt Antworten auf Fragen wie „Welche Dos und Don’ts gelten in der Probezeit?“, „Wie arbeite ich an meiner Selbstdarstellung?“ und „Woran erkenne ich, wie das Unternehmen tickt?“ und natürlich „Was sind absolute No-Gos in den ersten Tagen?“ Wir haben die Top Ten der Peinlichkeiten für Sie im Überblick.

Elke Zuchowski
Besser ich – Von Anfang an richtig gut im Job
Campus, 2014
D 17,99 € / A 18,50 € / CH 25,90 Fr.
ISBN 978-3-593-50130-7

1. Zu spät kommen
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Wer schon am ersten Tag zu spät an die Arbeit kommt, sollte schon eine sehr plausible Erklärung parat haben. Obwohl: „Eigentlich gibt es hier gar keine Entschuldigung“, sagt die Autorin Elke Zuchowski. Ausgenommen natürlich eine Sperre der Autobahn, Bombendrohung oder Erkrankung in der Familie. Die Expertin rät allen Job-Startern, besser eine halbe Stunde früher los zu fahren und die Zeit dann für einen gemütlichen Morgenkaffee zu nutzen, anstatt schweißgebadet und unter Zeitdruck anzureisen. Wer absieht, dass er zu spät kommt, sollte zum Telefon greifen, sich plausibel entschuldigen und Vorgesetzte informieren.

2. Ungepflegte Erscheinung
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Unrasiert und die leichte Alkoholfahne vom Abend davor ist noch nicht restlos verschwunden? Das macht im neuen Unternehmen schnell die Runde. Zuchowski: „Partys sollte man daher nicht umbedingt am Vorabend des Beginns bei der neuen Firma feiern.“ Darüber hinaus sollte man immer auf ein ordentliches Aussehen achten – nicht nur am ersten Arbeitstag.

3. Unkonzentriertheit und mangelhafte Leistung
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Eine hohe Einsatzbereitschaft und konzentriertes Arbeiten ist von der ersten Stunde an Pflicht. Auch wenn eine neue Aufgabe unbedeutend erscheint, sollte man sich darauf konzentrieren, rät die Expertin. Denn: „Vielleicht wollen die Kollegen nur testen, wie gut du zuhörst und wie konzentriert du bei der Sache bist.“ Zu einer guten Arbeitsleistung gehört übrigens auch das Einhalten von vorgegebenen Terminen wie regelmäßige Teambesprechungen und Fristen.

4. Pausenclown, Dauerredner und Besserwisser
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Halten Sie sich als Neuer in den ersten Tagen zurück und beobachten Sie, bis Sie mit den gängigen Abläufen, organisatorischen Dingen, Ansprechpartnern und Gepflogenheiten vertraut sind. „Dauerredner und Besserwisser sind nicht gefragt“, so das klare Urteil von Elke Zuchowski. Genauso ist in Sachen Humor Zurückhaltung angesagt, denn es ist nicht klar, ob man mit den Kollegen auf einer Wellenlänge liegt. Wer es sich direkt bis an sein Lebensende verscherzen will, unterbricht seine Kollegen bei der Einarbeitung schon mit Verbesserungsvorschlägen, etwa „Das haben wir in meiner alten Firma aber anders gemacht“ oder „Ich weiß, wie man das Projekt viel schneller und effektiver umsetzen kann.“

5. Einzelgänger
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Klar, nicht jeder ist der geborene Small-Talker. Das weiß auch die Expertin. Aber auch wenn man zu den ruhigeren und introvertierten Zeitgenossen gehört, sollte man sich nicht ausschließen. Das gilt insbesondere für Kantinenbesuche, Pausenzeiten und informelle Treffen wie After-Work-Termine. Elke Zuchowski: „Um dich möglichst schnell ins Team zu integrieren und nicht als Einzelgänger abgestempelt zu werden, solltest du auf die Kollegen zugehen.“

6. Dauernde Privatgespräche
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„Im Büro solltest du durch deine fachliche Meinung auffallen – nicht durch deinen Klingelton“, heißt es bei der Expertin. Auch zum Umgang mit sozialen Netzwerken gibt es Regelungen, über die man sich rechtzeitig informieren sollte. Wer sich voll und ganz auf die Einarbeitung konzentrieren möchte, schaltet sein Handy sowieso am besten auf lautlos. Und gegen ein privates Telefonat in der Mittagspause, so Zuchowski, spricht natürlich nichts.

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