Erfolgreiches Management
Warum Chefs mit Werten führen sollten

Moral hat Konjunktur. Das Beispiel des Gesundheitspflege-Weltmarktführers Johnson & Johnson zeigt, warum es sich für Manager und Mitarbeiter lohnt, im Alltag einen Werte-Kompass zur Hand zu haben.
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Düsseldorf„Allem voran steht unsere Verantwortung“ – so beginnt der erste Satz des „Credos“ des Gesundheitsunternehmens Johnson & Johnson. Das Dokument ist 73 Jahre alt, aber es ist aktueller denn je. Das Manifest der Unternehmenswerte wurde von Robert Wood Johnson, früherer Vorsitzender und Mitglied der Gründerfamilie des Unternehmens, 1943 zum Börsengang verfasst.

Der Visionär ahnte, vieles könne sich ändern, wenn externe Geldgeber mehr Einfluss bekämen und die Firma wachse. Mehr als 20 Sätze mit „Wir müssen…“ notierte er, in denen er Qualität, Zuverlässigkeit, den nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und gemeinnütziges Engagement verlangt.

Belächelt von so manchem Zeitgenossen, wollte der Amerikaner unbedingt, dass seine Belegschaft die große Verantwortung, die er selbst gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und der Gesellschaft im Allgemeinen verspürte, verinnerlichte. Sein Wunsch wirkt noch heute fort: Das „Credo“ prangt in der Eingangshalle der Neusser Deutschland-Zentrale. Es wird neuen Mitarbeitern, vom Chef bis zum Azubi, mit dem Arbeitsvertrag ausgehändigt und lehnt zudem wie ein Bild gerahmt im Konferenzraum der Geschäftsleitung an der Wand. Und staubt dort ein?

Keineswegs. Denn es wird bei schwierigen Entscheidungen von den Managern durchaus zu Rate gezogen, wie Deutschlandchef Jan Meurer weiß. „Es ist eine Credo-Frage“ heißt es dann in der Runde. Zum Beispiel wenn es um den richtigen Umgang mit einem langjährigen Zulieferer geht, dessen technische Standards nicht den aktuellen Anforderungen entsprechen. „Wir schauen dann gemeinsam, wo uns das Credo Antworten liefert. Das ist nicht immer leicht“, sagt Meurer. Er leitet seit einem Jahr die Konsumgütersparte hierzulande. Den Vertrag eines langjährigen Partners einfach zu kündigen, kommt für Meurer und seine Kollegen nicht in Frage. Erst wird beispielsweise evaluiert, ob und wie der Zulieferer die geänderten Anforderungen erfüllen kann. Denn die Vorgabe „immer verantwortlich zu handeln“ schließt auch eine Verpflichtung gegenüber Geschäftspartnern ein.

Das starke Wertesystem dient als eine Art Kompass und gibt für alle im Unternehmen die Richtung vor: Es zwingt Manager innezuhalten und sich über die Konsequenzen ihrer Entscheidung bis ins Detail und für alle Betroffenen klar zu werden, es prägt zudem die Haltung der weltweit 127.000 Mitarbeiter bei der täglichen Arbeit. Immerhin hat sich Johnson & Johnson auf dieser Basis mit Marken wie Penaten, Listerine oder Dolormin, mit denen der Konzern zuletzt einen Umsatz von rund 70 Milliarden Dollar erzielte, zum Weltmarktführer in Sachen Gesundheitspflege entwickelt.

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