Essen im Büro „Das Gehirn braucht keine Süßigkeiten“

Essen im Büro fördert die Teambildung. Im Interview erklärt Ernährungswissenschaftlerin Ines Heindl, warum Essen auch bei der Mitarbeitersuche hilft und wann „All you can eat“ in der Kantine sinnvoll sein kann.
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Ob in der Mensa oder in der Kantine – Gemeinschaftsverpflegung ist sinnvoll, weil es die Teambildung fördert. Quelle: dpa

Ob in der Mensa oder in der Kantine – Gemeinschaftsverpflegung ist sinnvoll, weil es die Teambildung fördert.

(Foto: dpa)

Der Terminplan ist voll, der nächste Kunde wartet: Da muss es beim Mittagessen schnell gehen. Ernährungswissenschaftlerin Ines Heindl hält diese Einstellung zum Essen in Betrieben für falsch. Sie forscht und schreibt seit Jahren über Essenskultur und gute Ernährung. Im Interview mit Handelsblatt Online erklärt die Professorin der Uni Flensburg, welches Mittagessen die Produktivität steigert, worauf Betriebe in ihren Kantinen achten sollten und warum auch ein Restaurant außerhalb des Firmenstandorts wichtig ist.

Frau Heindl, während in anderen Ländern mittags ausgiebig gegessen wird, reicht es in deutschen Büros oft nur für ein Käsebrötchen über der Tastatur. Aber was soll daran falsch sein – schließlich bleibt so mehr Zeit zum Arbeiten?
Büroarbeiter sind geistige Hochleistungssportler. Sie sollten sich auch so ernähren. Aber das, was wir essen, ist meist nicht das, was der Körper und vor allem der Kopf für diese Art von Hochleistungssport brauchen.

Ernährungswissenschaftlerin Ines Heindl ist Professorin an der Uni Flensburg. Quelle: Screenshot

Ernährungswissenschaftlerin Ines Heindl ist Professorin an der Uni Flensburg.

(Foto: Screenshot)

Wer hat Schuld, dass Mitarbeiter sich am Arbeitsplatz nicht richtig ernähren – die Mitarbeiter selbst oder die Unternehmen?
Beide. Wer in einem Betrieb oder im Büro arbeitet, verzichtet nicht böswillig auf die Mittagspause. Vielen ist einfach nicht bewusst, wie wichtig das Essen ist.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Eine Falle, in die viele Büroarbeiter – und besonders Frauen – gerne tappen: Wenn das Gehirn durch Stress am Arbeitsplatz Glukose, also Traubenzucker, fordert, greifen sie zu Süßigkeiten. Die meisten haben sogar immer einen Vorrat in der Schublade liegen.

Und warum ist daran auch das Unternehmen mit Schuld?
Wenn ich ein persönliches Beispiel aus der Uni erzählen darf: Wenn ich hier gucke, wo ich etwas zu essen bekomme, und was ich zuerst präsentiert bekomme, dann sind das Süßigkeiten, zum Beispiel in der Cafeteria. Das ist auch in vielen Unternehmen so. Und eins ist sicher: Mein Gehirn braucht keine Süßigkeiten.

Sondern?
Es braucht gleichmäßig Kohlenhydrate. Wenn ich Süßigkeiten esse, dann ist mein Körper zwar kurzfristig produktiv, aber wenn der Zuckerspiegel wieder abfällt, werde ich müde.

Sollte das Unternehmen demnach lieber Automaten mit Kartoffel-Snacks aufstellen statt Schokoladenmaschinen?
Nein, ganz sicher nicht. Zuallererst sollten wir Getränke finden, die Wasser liefern und keine Aufputsch- und Süßigkeitenbomben. Und dann, wie wäre es mit Innovationen in Richtung appetitlich belegten Broten, Brötchen? Wenn es bald 3-D-Pizzen und ähnliches aus Automaten gibt, ist das sicher leicht zu lösen? Wobei Essen aus Automaten ganz sicher nur eine Notlösung sind.

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