Frauen und Karriere: Aufstieg mit Hindernissen

Frauen und Karriere
Aufstieg mit Hindernissen

Ambitionierte Frauen finden mit ihren Karrierewünschen in Deutschland einer Studie zufolge besonders wenig Gehör. Dabei können sich Arbeitgeber diese Haltung in Zeiten der Globalisierung gar nicht mehr leisten.

Düsseldorf„So kann es nicht weitergehen“, dachte sich Diplom-Chemikerin Manuela Hoffmann-Lücke frustriert. Einige Jahre arbeitete sie nun schon im Pharmakonzern Baxter, hatte Erfahrungen in Vertrieb und Marketing gesammelt. Und hatte während einer mehrmonatigen Abwesenheit ihres Chefs die Abteilung kommissarisch erfolgreich geleitet. Dennoch verhallte der Wunsch der Produktmanagerin nach einer Führungsrolle. Auch Hoffmann-Lückes nächsthöherer Vorgesetzte, mit dem die junge Frau das Gespräch außer der Reihe suchte, „versuchte sich nett herauszureden“, warum ihre Ambitionen nicht zu erfüllen seien. Als Trostpflaster spendierte er der Kollegin ein Führungs-Seminar.

„Ich kam hier einfach nicht weiter, vor allem nicht an meinen Chefs vorbei. Die sahen mich als fleißige Biene, die sie gerne weiterhin für sich arbeiten lassen wollten“, erkannte die ehrgeizige Chemikerin als Grund für die Hinhaltetaktik der beiden. Bei nächster Gelegenheit wechselte sie ins Ausland zur Konkurrenz.

So weit, so klassisch: Wer im eigenen Unternehmen nicht vorankommt, egal, ob Frau oder Mann, sucht sich eben einen neuen Job bei einem anderen Unternehmen. Doch ganz so simpel ist die Sache hierzulande nicht, ein genauerer Blick lohnt sich. Frauen tun sich nämlich offenbar deutlich schwerer damit als ihre männlichen Kollegen, überhaupt Gehör für ihre Karriere-Ambitionen zu finden.

Das zumindest legt eine Befragung der Personalberatung Hays nahe, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Für die Studie wurden mehr als 11.000 Berufstätige in 24 Ländern zu ihren Karrierezielen befragt. Die Studie zeigt, dass, global betrachtet, 47 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer finden, dass sie ihre beruflichen Ziele ausreichend in ihrem Unternehmen kommunizieren können und ihnen die entsprechenden Entwicklungschancen geboten werden. In Deutschland hingegen sagen dies gerade mal ein Drittel der Frauen, aber immerhin 43 Prozent der Männer.

Die Mehrheit der hiesigen weiblichen Berufstätigen beklagt, bei Beförderungen übersehen oder übergangen zu werden. Damit landen die deutschen Arbeitgeber auf dem vorletzten Platz des Länder-Rankings, knapp vor Spanien. Am besten schneidet Brasilien bei ehrgeizigen Frauen ab. Dort konstatieren immerhin zwei Drittel der Befragten, dass Ihre Karriere-Wünsche ernst genommen werden.

„Damit zeigt sich in Deutschland neben dem Aufstiegshindernis Kind eine weitere Karriere-Bremse für Frauen, die auf die männlich geprägte Arbeitskultur in vielen Unternehmen zurückzuführen ist“, sagt Frank Schabel. Er ist Marketingchef bei Personal-Dienstleister Hays. Die Folge: Unternehmen gehen wertvolle Talente verloren. In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels, des demografischen Wandels und der generell nachlassenden Begeisterung für Führungsaufgaben hierzulande können sich Arbeitgeber das nicht länger leisten.

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In Skandinavien lief es ungleich besser

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