Frauen und Karriere: In Skandinavien lief es ungleich besser

Frauen und Karriere
Aufstieg mit Hindernissen

In Skandinavien lief es ungleich besser

Zu diesem Schluss kam auch die Geschäftsführung des Pharmakonzerns Baxter angesichts der Erfolge, die ihre ehemalige Mitarbeiterin Manuela Hoffmann-Lücke beim neuen Arbeitgeber in Schweden feierte. „Plötzlich war ich für die Chefs meiner damaligen Chefs sehr interessant und sie versuchten, mich zurückzuholen“, erzählt die heute 52-Jährige im Rückblick. Schließlich erhielt sie ein so attraktives Angebot, dass sie nicht länger nein sagen konnte: „Ich wurde Chefin meiner früheren Chefs und bekam die Verantwortung mehrerer Abteilungen in Deutschland übertragen.“

Fünf Jahre später, Hoffmann-Lücke war inzwischen verantwortlich für das gesamte deutsche Krankenhausgeschäft und das Marketing für den Heimpflege-Bereich, wollte sie endlich auch den entsprechenden offiziellen Titel als Geschäftsbereichsleiterin auf ihrer Visitenkarte sehen. Doch erneut erwiesen sich die männlichen Denkmuster und Vorstellungen von Entscheidern als Blockade für sie: „Einer der damaligen Europa-Chefs meinte, eines Tages sei es vielleicht mal möglich, dass auch eine Frau in diese Führungsposition komme, doch noch wäre es nicht soweit.“

Selbst diese massive Diskriminierung brachte die hartnäckige Deutsche nicht dazu, aufzugeben. „Mir gefällt grundsätzlich, was wir hier tun, wie wir kranken Menschen helfen. Mit meiner Arbeit kann ich viel bewegen. Aber diese Schlappe machte mich stinksauer“, erzählt sie.

Erneut suchte sie ihr Heil in Skandinavien, wo sie ja schon zuvor völlig unabhängig von ihrem Geschlecht als Managerin gepunktet hatte. Mit Mann und inzwischen zwei Kindern zog sie wieder von Süddeutschland nach Stockholm und pendelte von dort aus drei Jahre lang nach Finnland, um als Länderchefin die dortige Baxter-Tochter aus den roten Zahlen zu holen und schließlich zum konzerninternen „General Manager des Jahres“ gewählt zu werden.

Gleichzeitig trat sie aber an ihre Geschäftsführer-Kollegen auf Europa-Ebene heran, um die veralteten Rollenbilder im Pharma-Konzern zu thematisieren. Endlich war sie in einen Zirkel vorgedrungen, in dem sie Gehör fand. Seit dieser Initialzündung durch Manuela Hoffmann-Lücke, die seit knapp zwei Jahren Geschäftsführerin der Baxter-Gesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist, hat sich einiges im Konzern getan.

Es gibt zum Beispiel inzwischen neben ihr noch Länderchefinnen in Finnland und in Griechenland sowie ein internationales Mentoren-Programm für vielversprechende weibliche Nachwuchskräfte unter den rund 66.000 Mitarbeitern. Sie selbst berät drei Mentees bei der persönlichen Laufbahnentwicklung, um ihnen die negativen Erfahrungen ihrer eigenen Karriere möglichst zu ersparen. Auf die Frage, ob sich all die Mühe, der Frust und ihr Kampf gegen Vorurteile gelohnt hat, antwortet Manuela Hoffmann-Lücke: „Auf jeden Fall. Mich schreckt so schnell nichts mehr.“ 

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