Frust im Job
Tschüss Chef, auf Nimmerwiedersehen!

Frust im Job? Fast jeder fünfte Deutsche hat innerlich gekündigt. Das neue Jahr bietet die Möglichkeit für einen Neuanfang. Doch dem Chef „Tschüss“ zu sagen, löst nicht automatisch alle Probleme.
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DüsseldorfEs gibt Menschen, die gehen mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Abnehmen, mit dem Rauchen aufhören, mehr Sport machen. Und manchmal auch: den Job hinschmeißen. Zum Chef gehen und sagen: Danke. Bitte. Auf Wiedersehen.

Viele Deutsche spielen mit dem Gedanken, ihren Job zu aufzugeben. Weil sie bei der Arbeit zunehmend Frust verspüren. Laut einer Studie der Personalberatung Kienbaum und ORC International vom März 2014 sind 42 Prozent der Beschäftigten hierzulande unzufrieden in ihrem Beruf.

Das Ergebnis entspricht in etwa der Zahl, die die Psychologen Volker Kitz und Manuel Tusch schon vor sechs Jahren in ihrem „Frustjobkillerbuch“ präsentiert haben: 35 Millionen frustrierte Arbeitnehmer in Deutschland. Unmut im Job ist zur Volkskrankheit geworden. Als letzter Ausweg bleibt oft nur der Absprung.

Laut einer Studie des US-Marktforschungsunternehmens Gallup sind lediglich elf Prozent der Beschäftigten in Deutschland  bei der Arbeit engagiert. 23 Prozent haben innerlich bereits gekündigt. Zwei Drittel leisten nur noch Dienst nach Vorschrift.

Eine regelrechte Verschwendung, wenn man bedenkt, dass der Mensch ein Drittel seines Lebens am Arbeitsplatz verbringt.

Die Lösung: eine neue Aufgabe, ein neuer Job. Doch um sich erfolgreich von der alten Arbeit loszusagen, sollten frustrierte Menschen vor allem eins in Anspruch nehmen: Zeit. Der Ausstieg aus dem Job benötigt eine gewissenhafte Vorbereitung.

„Ein schneller Wechsel ist häufig verbunden mit einem schnellen beruflichen Absturz“, warnt Karriereexpertin Christina Thiel. Ein bis zwei Jahre, so lange könne sich eine Neuorientierung schon einmal hinziehen, sagt sie. Geduld ist gefragt.

„Wenn du es eilig hast, gehe langsam“, lautet so ein Satz, den Personal Coaches und Projektmanager gerne benutzen. Leichter gesagt als getan, wenn Frust möglichst rasche Veränderung fordert. Wenn die Einstellung bei der Arbeit auf den Tiefpunkt sinkt. Wenn der eigene Job nicht mehr das bietet, was er bieten soll: Zufriedenheit und Motivation.

Kommentare zu " Frust im Job: Tschüss Chef, auf Nimmerwiedersehen!"

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  • Vielen Dank für diesen Artikel.

    Sehr spannend in diesem Zusammenhang ist, dass dies für alle Hierarchieebenen gilt. Meine Klienten kommen überwiegend aus Vorstands- und Bereichsleiter-Positionen und erleben dieselben Phasen von Frust, Demotivation und auch Hilflosigkeit gegenüber der Situation.

    Insbesondere auch, weil sowohl Arbeitgeber als auch Führungskräfte wissen, dass die Neubesetzung einer Top-Position viele Monate dauern kann. Dies kann man jedoch beschleunigen.

    Wenn das eigene Netzwerk ausfällt und Headhunteranrufe ausbleiben, stehen gerade Führungskräfte recht alleine da. Für diese Ebenen gibt es ja kaum mehr offene Stellenausschreibungen und wenn doch, bewerben sich oft 200-300 Personen darauf.

    Ich kann die Liste der Sofortmaßnahmen nur bestätigen und bestärke jeden, sich gleichzeitig emotional und analytisch mit der Situation auseinanderzusetzen. Dabei ist die Standortbestimmung sehr wichtig und hierbei sollte man nicht zu sehr im eigenen Saft braten sondern sich gezielt einen neutralen Spiegel vorhalten lassen.

    Häufig spüren wir nämlich unser bisheriges Erleben im Job als geachteter, gewollter, erfahrener, einflussreicher und erfolgreicher Mitarbeiter oder Manager so stark, dass wir vergessen, dass diese Eigenschaften für einen möglichen neuen Arbeitgeber gar nicht sichtbar oder, zumindest teilweise nicht wichtig sind.

    Es kommt also darauf an, schnell und kräftig die eigene Person zu definieren, wer man ist und vor allem, was man in Zukunft will und dann genau diejenigen zu fragen, die sich dafür interessieren. Bei meinen Klienten sind dies fast nie die Personalabteilungen, sondern Eigentümer, Vorstände und Aufsichtsräte.

    Und diese 'Kunden' ticken anders. Sie fragen fast ausschließlich nach "Was kostet er/sie, was bringt er/sie". Sie schauen nach vorne und diese Blickrichtung ist für jeden Jobwechsel die einzig richtige.

    Die Überschrift des Artikels klingt vorwärtsgewandt also so:
    "Hallo Chef, mein Glück ist Dein Erfolg"

  • Jetzt Wechsel des Arbeitsplatzes, sechs Monate Probezeit, und im 2. Quartal geht die Konjunktur in die Knie - nur Mut!

  • Seien wir mal ehrlich. Es gibt ihn nicht, den Super-Job, in dem alles klasse ist, es keine Konflikte und keinen Stress gibt. Leistungsdruck, Arbeitsverdichtung und Probleme in der Kommunikation gibt es in jeder Firma, d.h., ein Jobwechsel hilft hier nur bedingt. Die Frage ist aber nicht nur, was in einem neuen Job besser werden soll, sondern auch was schlechter werden kann. Denn häufig gibt es auch eine ganze Menge zu verlieren, aber wer erst mal richtig gefrustet ist, sieht das nicht mehr.
    Aus meiner Sicht sollten finanzielle Aspekte ganz oben stehen. Denn wenn es plötzlich kein Gehalt mehr gibt oder selbst dieses nur gekürzt wird, dann fangen die Probleme erst richtig an. Und dagegen ist der Rest eine Kleinigkeit.

    Lustigerweise habe ich viele Kollegen, die die Firma gewechselt haben und nun permanent erzählen, wie toll alles im alten Job war. Warum sind sie dann dort weg?

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