Glassdoor: Der Firmen-Durchleuchter kommt nach Deutschland

Glassdoor
Der Firmen-Durchleuchter kommt nach Deutschland

Wie gut ist mein Arbeitgeber? Wie steht das Unternehmen da? Was verdient mein Kollege und was zahlt der Wettbewerber um die Ecke? Die Internetplattform Glassdoor verrät, was Chefs lieber verschweigen.
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San FranciscoSAP-Chef Bill McDermott steht noch gut da: Unter seinen Mitarbeitern hat er eine Zustimmungsrate von 91 Prozent. Doch nur 82 Prozent würden einem Freund empfehlen, sich bei SAP zu bewerben. Und die Unsicherheit im Unternehmen über die Zukunft wächst: Nur 53 Prozent der Unternehmens-Insider auf Glassdoor wollen dem Walldorfer Software-Konzern einen positiven Geschäftsausblick attestieren. Anfang 2013 lag der Wert noch bei mehr als 80 Prozent. Bei Google sieht es etwas anders aus: 96 Prozent der Mitarbeiter, die sich anonym zu Wort melden, haben volles Vertrauen in ihren Chef Larry Page, 93 Prozent würden ihrem Freund zu Google raten. Die Geschäftsaussichten halten 80 Prozent für rosig. Informationen, die für einen Jobsuchenden wertvoll sein können.

Während im Internet alles – von der Versicherung über das Krankenhaus bis zum Hotel – vergleichbar, transparent und bewertbar ist, treffen immer noch Millionen Menschen eine ihrer wichtigsten Entscheidungen praktisch ohne Informationen. Es ist die Wahl des Arbeitgebers. Über dem Arbeitsmarkt ruht das Mäntelchen des Schweigens. Über Gehälter wird nicht gesprochen, Jobanzeigen malen ein rosarotes Bild, Probleme am Arbeitsplatz finden höchstens im engsten Freundeskreis Erwähnung, Kritik am System ist intern oft nicht erwünscht.

Robert Hohman will das ändern. 2007 gründete er Glassdoor, die Seite für anonyme Firmenbewertungen durch Insider. Das ist wie die Kaffeeküche im Internet, der Flurfunk für alle zum Mithören. Hier gibt es alles zu lesen, die Vorteile und die Nachteile, die Spannbreite der Gehälter, aufgeteilt nach Berufsgruppen. Alles beschrieben aus der persönlichen Sicht von Mitarbeitern, Ex-Mitarbeitern oder Nicht-Mitarbeitern. Denn Tausende stellen auch nur ihre Bewerbungsgespräche auf die Seite und dokumentieren die Fragen, die ihnen da gestellt wurden. Das hilft wiederum Interessenten, sich vorzubereiten.

Heute startet Glassdoor seine deutsche Seite. Wer sich anmeldet, findet zunächst Informationen, Gehaltslisten und Bewertungen zu rund 6.500 deutschen Unternehmen von Siemens über Deutsche Bank bis Adidas und 500.000 offene Stellen im Stellenmarkt, verspricht Mitgründer Hohman im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das sind 30.000 Datensätze, die Tausende Mitarbeiter größtenteils auf Deutsch auf der US-Seite eingegeben hatten. „Zum Start 2007“, erinnert sich Hohman, „hatten wir innerhalb von 24 Stunden Beiträge aus 100 Ländern“. Nach seiner Zeit bei Microsoft, wo er Windows 95 mitentwickelte, wechselte der Software-Spezialist ins Internetgeschäft, war einer der ersten Mitarbeiter bei Expedia.com und zuletzt Präsident des Reiseportals Hotwire. Die Übertragung der Transparenz der Hotelbranche auf den Arbeitsmarkt ist die treibende Idee hinter Glassdoor.

Kommentare zu " Glassdoor: Der Firmen-Durchleuchter kommt nach Deutschland"

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  • genau das war auch mein Gedanke - allerdings würde mich in diesem Zusammenhang interessieren, wie kununu auf die Authentizitätsfrage antwortet...

  • kununu.com


    Könnte eine deutsche Wirtschaftszeitung bei diesem Artikel auch einmal ein deutsches Unternehmen, zumindest am Rande erwähnen, welches schon seit Jahren genau die gleiche Dienstleistung anbietet?


    Vielen Dank.

  • Höchste Zeit.
    Aus der Drehtür mit Einbahnstraße wird dann in Zeiten des Fachkräftemangels ein Stück weit mehr Augenhöhe. Ausnutzung der Arbeitskraft, Missbrauch von Marktmacht und Informationsvorsprung werden schwinden. Unternehmen, die auf ein Gleichgewicht ihrer Beschäftigten ebenso wenig Wert legen wie auf wechselseitige Fairness werden sich umstellen müssen oder am Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben.

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