IBM
Souverän der Arbeitszeit

Die Ära der Stechuhr ist vorbei. Bei den Wissensarbeitern von IBM hat die Zukunft schon begonnen. Zeitsouveränität bringt Flexibilität im Alltag, erfordert aber zugleich viel Disziplin - vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer.
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DüsseldorfWie die flexible Arbeitszeit der Zukunft aussehen könnte, das lässt sich beim Technologiekonzern IBM schon heute beobachten. In Deutschland nutzen bereits zwei Drittel der etwa 22.000 IBMer mobiles Arbeiten und machen gelegentlich Home Office – mit steigender Tendenz. Leistung bemisst sich bei IBM folglich nicht an Bürostunden, sondern an Zielen. Die Entscheidung, wie, wo und in welchen Zeitfenstern diese Ziele erreicht werden, bleibt den Mitarbeitern weitgehend überlassen.

Kernarbeitszeit und Anwesenheitskontrolle entfallen. IBMer arbeiten nach den Prinzipien Zeitsouveränität und Vertrauen: 38 Stunden die Woche montags bis freitags in der Regel im Zeitkorridor zwischen sechs und 20 Uhr – in Abstimmung mit den betrieblichen Erfordernissen.

Viele nutzen die Flexibilität: Statt zum Beispiel vor dem Kundenbesuch zur Rush-hour erst im Stau zwischen Stuttgart und der neuen Deutschlandzentrale in Ehningen zu stehen, arbeiten viele IBMer zunächst von zuhause.

In den Großraumbüros hat ohnehin keiner einen fest zugeordneten Platz. "Durch mobiles Arbeiten und Zeitsouveränität schaffen wir Freiräume. Wir erhöhen die Effektivität schonen die Umwelt und sparen Zeit und Bürofläche", sagt Heinz Liebmann, Leiter Personalprogramme bei IBM.

Gerade auch für Familien bringt dies Flexibilität. Heimarbeiter können zwischendurch ihre Kinder aus der Kita abholen, zum Sport gehen, die kranke Oma besuchen – und sich danach wieder an die Präsentation setzen.
Zeitsouveränität erfordert jedoch viel Eigenverantwortung und Selbstdisziplin, ist man sich bei IBM im Klaren. Denn viele Mitarbeiter arbeiten in globalen virtuellen Teams über verschiedene Zeitzonen. Personalmanager Liebmann „Daher sind die Mitarbeiter auch gefordert, was die Organisation ihres Arbeitstags anbelangt.“ Arbeitsforscherin Irene Bertschek vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW)  weiß, warum: "Für Wissensarbeiter ist im Grunde nie Schicht."

Kommentare zu " IBM: Souverän der Arbeitszeit"

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  • Ich muss mich meinem Vorredner leider anschließen. Die Kommunikation nach Außen stimmt bei IBM überhaupt nicht mit dem Innenleben überein.
    Das oben erläuterte Arbeitszeitmodell wird vor allem zur Ausbeutung der eigenen Mitarbeiter genutzt. Diese werden für 38 Stunden bezahlt, arbeiten aber weit mehr. Arbeitstage mit 10 Stunden und mehr? Eher die Regel als die Außnahme. Gesetzliche Bestimmungen werden ignoriert und der Betriebsrat verschließt weitgehend die Augen. IBM ist ein Fall für das Gewerbeaufsichtsamt.
    Und das mobile Arbeiten? Selbst in administrativen, Büro-lastigen Tätigkeiten gibt es weit weniger Schreibtische als Mitarbeiter. Wer zu spät kommt, muss sich einen leeren Meeting Raum suchen. Und diese sind rar.
    Die Arbeitsbedingungen bei IBM sind nicht zum Wohle der Mitarbeiter, sondern zum Wohle der Shareholder. Für Mitarbeiter, die daheim arbeiten, braucht man nicht kühlen, nicht heizen und auch die Rechnung fürs Internet nicht bezahlen.
    Die Arbeitsbedingungen bei IBM fördern Burn-outs. Bitte weniger Lobhudelei, Handelsblatt!

  • Was für ein Blödsinn. Ich habe jahrelang für IBM im Service gearbeitet und dort bedeutet Zeitsouveränität, dass Reisezeiten und Überstunden IBM geschenkt werden. Die Ziele werden so definiert, dass diese nicht in einer 38-Stunden-Woche erreichbar sind. Im Schnitt kam ich im Jahr auf 200 Überstunden und 300 Stunden Reisezeit, welche die IBM souverän für sich behalten hat. Es gibt defakto ein Bild, welches die IBM nach außen abgeben will und eins nach innen. Es mag sein, dass einzelne Funktionen von dem Modell profitieren, aber der Großteil der Mitarbeiter wird nur noch ausgebeutet und dieser Trend hat sich die letzten 5 Jahre extrem verschärft. Bitte bei solchen Artikeln mal besser recherchieren und nicht nur den genannten Kontakten vertrauen.

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