Illegale Preisabsprachen
Wie Firmen fürs Verraten belohnt werden

Petzen kann sich auszahlen: Wer ein Kartell an die Behörden verrät, bleibt nicht nur von Bußgeldern verschont. Der Kronzeuge kann sogar auf eine bessere Marktposition hoffen.
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FrankfurtWolfgang Eder hat sein Unternehmen vor großem Schaden bewahrt. Als Hauptprofiteur eines Kartells auf dem deutschen Schienenmarkt drohte dem von ihm geführten Industriekonzern Voestalpine ein empfindliches Bußgeld. Bevor das Bundeskartellamt aber von sich aus aktiv werden konnte, zeigte das österreichische Unternehmen die Mauschelei unter den Stahlkonzernen selbst an.
Die Gesellschaft ist nun Kronzeuge der Bonner Behörde und hat gute Chancen, von der Zahlung einer Geldstrafe befreit zu werden. Voestalpine-Chef Eder zieht damit die Reißleine, denn seine Unternehmen hat wirtschaftlich am stärksten von dem Kartell profitiert. Ein Gutteil der erwarteten Bußgelder - die sich auf bis zu eine Milliarde Euro summieren könnten - wäre auf Voestalpine entfallen.
Eder steht mit seiner Selbstanzeige für einen Trend, der seit einigen Jahren unter Europas Unternehmen um sich greift. Schon andere Kartelle wurden von Kronzeugen zu Fall gebracht.

Die reuigen Sünder werden nicht nur vom Bußgeld befreit, sie können sich auch einen Marktvorteil erhoffen. Immerhin sind sie es, die das Preisdiktat zulasten ihrer Kunden beenden. Die Saubermänner können also darauf bauen, dass sie mit dem Ende des Kartells gestärkt gegenüber der Konkurrenz dastehen.
Diese Hoffnung dürfte sich auch Eder machen, auch wenn sein Vorpreschen in Sache Schienenkartell bei einigen in der Branche zu Verstimmungen geführt hat. Die anderen Mitglieder des Verbunds namens "Schienenfreunde" trifft wohl die volle Härte des Kartellrechts. Neben Voestalpine war dies Thyssen-Krupp und zeitweilig Corus (heute Tata Steel). Aber: "In der Regel legen sich die Differenzen zwischen den Firmen recht schnell", sagt ein Kartellrechtjurist.

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