Immer auf Standby
Eine Generation sucht Wege aus dem Stress

In einer Zeit, in der ständige Erreichbarkeit erwartet wird, sucht eine ganze Generation nach Wegen, dem Dauerstress zu entrinnen. Internet- und Kommunikationsfasten stehen dabei hoch im Kurs.

Hannes Schwaderer war offline - vier Wochen lang. Der Geschäftsführer von Intel Deutschland war jedoch nicht im Urlaub, sondern im Dienst, auf einer Managerfortbildung. Damit ihn dort das Tagesgeschäft des weltgrößten Halbleiterherstellers nicht ablenkt, fuhr Schwaderer bewusst ohne Notebook und Diensthandy zu der Schulung. Zwei Manager regelten die Geschäfte in seiner Abwesenheit. Selbst bei der Vorstellung der Rekord-Quartalszahlen ließ Schwaderer sich vertreten.

Der Intel-Manager gehört zu den wenigen, die sich den Luxus leisten können, sich von der ständigen Erreichbarkeit bewusst abzukoppeln. Vor wenigen Jahren noch galten Blackberry und Laptop als Insignien der Macht. Doch die Euphorie über die Statusgeräte ist verflogen. Längst verfluchen Manager und Arbeitnehmer die permanente Erreichbarkeit. Sie fühlen sich abends, am Wochenende und im Urlaub über Gebühr in Anspruch genommen. Feierabend klingt für sie wie ein überkommener Brauch aus dem Prä-Online-Zeitalter.

88 Prozent der Berufstätigen sind ständig auf Standby, sind auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kunden, Kollegen oder Vorgesetzte erreichbar. Vor zwei Jahren waren es erst 73 Prozent. Das ergab eine Umfrage des High-Tech-Verbandes Bitkom.

Diese Rufbereitschaft gilt für viele selbst in den schönsten Wochen des Jahres. Für 41 Prozent der Beschäftigten ist es üblich, dass sich Chefs oder Kollegen im Urlaub mit dienstlichen Fragen melden. Das zeigt eine weitere Umfrage der Deutschen Presse Agentur durch YouGov.

"Im Arbeitsleben gibt es keine tote Zeit mehr - weder beim Warten aufs Flugzeug, im Zug, noch im Taxi", sagt Irene Bertschek, Leiterin der Forschungsgruppe Informations- und Kommunikationstechnologien am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Professorin an der Universität Mannheim.

Smartphones und Netbooks haben zwar das Potenzial, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Jeder spart dadurch im Schnitt 54 Minuten am Tag, ergab eine Studie im Auftrag des Blackberry-Herstellers RIM unter IT-Managern und Nutzern. Im Alltag aber erweist sich das als Theorie.

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Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt immer mehr

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