Initiative „Eltern in der Politik“: Wenn der Plenarsaal zum Spielzimmer wird

Initiative „Eltern in der Politik“
Wenn der Plenarsaal zum Spielzimmer wird

21 Bundestagsabgeordnete haben in dieser Legislaturperiode ein Kind bekommen. Bisher zeichnet sich das Parlament nicht gerade durch Kinderfreundlichkeit aus. Einige Politikerinnen wollen das nun ändern.
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BerlinWenn es um kleine Kinder, lange Abendsitzungen und Babysitter geht, sind Parteien nicht so wichtig. Ob sie nun zu CDU oder SPD, Linken oder Grünen gehören – Mütter im Bundestag haben ähnliche Probleme. Und sie arbeiten gemeinsam an der Lösung. Vor Raum 1S002 im Reichtagsgebäude kann man den Debatten im Plenarsaal lauschen. Drinnen liegen Spielteppiche auf dem Boden, stehen Kisten mit Lego und Bauklötzen bereit, warten Holzpuzzle, Wachsmalkreiden und Buntstifte auf ihren Einsatz.

Das neue Spielzimmer ist ein Erfolg der Initiative „Eltern in der Politik“. Dort können Abgeordneten-Kinder während der besonders langen Debatten an Donnerstagen ab 17 Uhr und während Sondersitzungen spielen und bei Bedarf auch auf Matratzen schlafen, wenn die Eltern das – auf eigene Kosten – buchen.

Die Mütter-Koalition will damit mehr als nur für Betreuung ihrer Kinder sorgen. „Es geht uns um praktische Verbesserungen, aber auch um einen kulturellen Wandel. Sonst haben wir nur familienferne Menschen in der Politik“, sagt Kristina Schröder von der CDU, die ehemalige Familienministerin, die 2011 als erste Bundesministerin ein Kind bekommen hatte und ihren Rückzug vor der Bundestagswahl 2013 damit begründete, dass sie mehr Zeit für die Familie wolle.

Franziska Brantner von den Grünen findet, der Bundestag müsse in Sachen Familienfreundlichkeit ein Vorbild sein, man verlange das ja auch von Unternehmen. Ihre Tochter werde an diesem Donnerstag sieben Jahre alt und sei damit inzwischen alt genug, im Notfall bei Freunden zu übernachten – aber es gehe ja auch um die, die noch kommen.

Den Anstoß für „Eltern in der Politik“ gab eine Liste der Organisation „abgeordnetenwatch.de“. Da landete Kristina Schröder in einer Rangliste von Politikern, die 2015 namentliche Abstimmungen verpasst hatten, recht weit oben. „Das hat mich tierisch aufgeregt, denn ich war 14 Wochen im Mutterschutz“, sagt sie.

Ihrem Ärger machte Schröder auf Twitter Luft und bekam Unterstützung von Brantner. Gemeinsam mit Linken-Chefin Katja Kipping, Grünen-Politikerin Lisa Paus sowie Susann Rüthrich und Dagmar Schmidt von der SPD organisierten sie sich. Inzwischen weist der Bundestag aus, wenn jemand eine Abstimmung im Mutterschutz verpasst. Übrigens sind nicht nur Mütter an Bord: „Viele junge Väter haben sich gemeldet“, erzählt Linke-Chefin Kipping, „da verschiebt sich was.“

Und warum gibt es so einen Raum nicht längst? „Mütter im Bundestag sind tatsächlich ein relativ neues Phänomen“, sagt Ex-Ministerin Schröder, deren Töchter Lotte und Mathilde fünf und zwei Jahre alt sind. Der Bundestag werde jünger und weiblicher, und heute seien Frauen weniger bereit, für eine Karriere auf Kinder zu verzichten.

Zahlen belegen das: 1960 bekam als erste Abgeordnete Elfriede Klemmert von der CDU ein Kind, ein Jahr später kam ihr zweites Baby zur Welt. Danach passierte nichts, bis Herta Däubler-Gmelin (SPD) 1972 und 1974 Kinder bekam. Dann waren es lange immer ein oder zwei Kinder pro Legislaturperiode. Erst seit einigen Jahren steigt die Zahl steil an. In dieser Wahlperiode, die im Herbst endet, haben bisher 21 Parlamentarierinnen ein Kind bekommen – das ist Rekord.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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