Interview Haniel-Personalchef: „Deutsche Absolventen zeigen weniger Initiative“

Interview Haniel-Personalchef
„Deutsche Absolventen zeigen weniger Initiative“

Haniel ist ein Konzern, der in verschiedene Branchen investiert – vom Einzelhandel über Hygiene-Dienstleistungen bis hin zu Speziallogistik. Der Personal-Chef erkennt: „Bewerber glauben nicht mehr an Hochglanzprospekte.“
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Herr Sticksel, Schuldenkrise und Konjunktureinbruch verwüsten die Wirtschaft in vielen Teilen Europas. Wie reagieren die Talente an den Hochschulen darauf?

Das ist sehr unterschiedlich. Im Süden Europas haben die Absolventen erkannt, dass sie Ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Sie rechnen nicht damit, dass ihnen jemand daheim ohne enorme Eigeninitiative einen erstrebenswerten Job anbietet. Sie sind sehr flexibel, sowohl fachlich wie regional.

Können wir mit einer Einwanderungswelle von High Potentials nach Deutschland rechnen?

Von einer Welle würde ich noch nicht sprechen. Es gibt aber einen deutlichen Trend. Die europäische Jugend ist in den vergangenen Jahren mobiler geworden.

Gilt das auch für den deutschen Nachwuchs?

Nicht in diesem Maße. Die deutschen Absolventen verlassen sich vielfach noch darauf, dass die starke Wirtschaft ihnen einen Job verschafft. Sie zeigen daher weniger Initiative. Gleichwohl ist ihnen die Bedeutung von Auslandserfahrung für ihre Karriere bewusst und sie suchen Unternehmen, die ihnen das perspektivisch ermöglicht.

Angesichts der demographischen Entwicklung in Deutschland wird die Akquise talentierter Absolventen für Unternehmen überlebenswichtig. Wie lassen sich die Besten anlocken?

Durch Authentizität. Der Nachwuchs glaubt nicht mehr an Hochglanzprospekte, große Namen oder vollmundige Karriereversprechen. Durch die sozialen Netzwerke und Karriere-Bewertungsportale kennen sie die Realität in den Unternehmen oft sehr gut. Man kann ihnen nichts mehr vormachen.

Wie kontaktieren Unternehmen Talente?

Wir haben eine Studie über den Nachwuchs aufgelegt. Eines der prägnantesten Ergebnisse war, das die meisten den Kontakt via Praktikum suchen. Unternehmen in Deutschland nutzen diese Tatsache viel zu wenig. Was wir brauchen, sind langfristig orientierte Praktikantenprogramme oder Praktikantenpools zur Rekrutierung. Vielfach trudeln Praktikanten noch eher zufällig ein, werden schlecht bezahlt und mit monotonen Arbeiten traktiert. Das muss sich ändern, möchte man diese Studenten für sich gewinnen.

Wie tickt die neue Generation? Sind das Träumer oder Realisten?

Eindeutig Realisten. Sie erwarten ehrliche Aussagen und keine leeren Versprechungen, was ihren Karriereweg betrifft. Außerdem sind sie Karriereindividualisten. Frühere Generationen wurden im Unternehmen sozialisiert. Die neue Generation hat feste Vorstellung zu Betriebsklima, Arbeitsablauf und Familienverträglichkeit des Jobs.

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„Viele vergessen bei Veränderungsporzessen die Mitarbeiter“

Kommentare zu " Interview Haniel-Personalchef: „Deutsche Absolventen zeigen weniger Initiative“"

Alle Kommentare
  • Selten so einen Unsinn gelesen...

    "Der Nachwuchs glaubt nicht mehr an Hochglanzprospekte, große Namen oder vollmundige Karriereversprechen. Durch die sozialen Netzwerke und Karriere-Bewertungsportale kennen sie die Realität in den Unternehmen oft sehr gut. Man kann ihnen nichts mehr vormachen. "

    "Wir haben eine Studie über den Nachwuchs aufgelegt. Eines der prägnantesten Ergebnisse war, das die meisten den Kontakt via Praktikum suchen."

    Unsere Bewerber haben von der beruflichen Realität weniger Ahnung, als die Kollegen vor 10 Jahren. Genau deswegen suchen sie Praktika und sind als Generation-Praktikum bekannt. Leute, denen wir mehrere Tausend Euro Brutto zahlen würden, arbeiten für 50 Euro pro Tag für uns... ohne jede Form von Sicherheit. LOL

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