Interview Lothar Seiwert: „Haben Sie den Dalai Lama schon mal gestresst gesehen?“

Interview Lothar Seiwert
„Haben Sie den Dalai Lama schon mal gestresst gesehen?“

Fühlen Sie sich auch, als ob Sie ferngesteuert durch das Berufsleben wandeln? Dann gehören Sie zur Mehrheit der Deutschen. Zeitmanagement-Papst Lothar Seiwert gibt Tipps, wie man die innere Unabhängigkeit zurückgewinnt.
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Herr Seiwert, glauben Sie, dass jemand wie Siemens-Chef Peter Löscher über seinen Arbeitstag selbst bestimmen kann?

Ob Herr Löscher oder Frau Merkel: Sie alle sind Teil eines größeren Systems oder vorgeschalteten Office-Managements, das schon im Vorfeld Prioritäten und Tagesabläufe bestimmt oder vorschlägt. Aber zweifelsohne haben die Top-Entscheider in Wirtschaft und Politik wesentlich mehr Selbst – als  Fremdbestimmung als die meisten von uns.

Dann hat der Grad der Selbstbestimmung im Beruf doch nur sehr bedingt etwas mit dem Status zu tun, oder?

Ob Manager oder Taxifahrer oder Kellner im Straßencafé: Sie alle haben mehr Einflussmöglichkeiten in ihrem Job, als sie zunächst glauben. Entscheidend ist die innere Haltung oder Einstellung zu sich selbst und ihrem Job. Fremdbestimmung macht zweifelsohne Stress – Selbstbestimmung hingegen ist ein entscheidender Meilenstein für persönliche Zeit- und Lebensqualität.

Inwiefern stresst uns das Gefühl der Abhängigkeit?

Weil wir nicht so agieren können wie wir wollen – und andere über uns bestimmen. Wenn ich in einem Flieger sitze, bin ich von vornherein ausgeliefert und abhängig, egal was passiert. In einem Zug hingegen kann ich an jedem Bahnhof aussteigen oder sogar die Notbremse ziehen und den Zug zum Stehen bringen, wenn ich will. Darum reise ich lieber mit dem ICE als mit dem Flieger, weil ich in der Bahn grundsätzlich ein besseres Gefühl der geringeren Abhängigkeit habe.

Wie werden wir unabhängiger?

Indem wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die äußeren Rahmenbedingungen verändern und/oder uns mental befreien, innerlich loslassen und aus einer inneren Haltung der Stärke und Eigensouveränität agieren. Nur wer den Mut hat, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und seine Prioritäten nach eigener Überzeugung zu setzen, kann uneingeschränkt über seine Ressourcen verfügen.

Sie schreiben in Ihrem Buch: Aus dem Multitasker werden Workaholics, und die sind bewiesenermaßen weniger leistungsfähig. Was folgt daraus?

Wenn wir wirklich effektiv und glücklich sein wollen, müssen wir uns fokussieren, also auf das Wesentliche konzentrieren und konsequent Nein zu Dingen sagen, die uns von unseren wirklich wichtigen Berufs- und Lebensprioritäten abhalten. Monotasking ist auch hier die bessere Strategie. Also zum Beispiel nicht jede Email sofort öffnen, sondern wirklich nur zwei bis drei mal am Tag hineinschauen, auch wenn einen die Neugier oder Ungewissheit treibt, eventuell etwas verpassen zu können.

Sie haben elf Persönlichkeiten identifiziert. Inwiefern dienen sie als Vorbilder?

Für mich sind sie persönliche Vorbilder, weil sie besondere Eigenschaften verkörpern wie beispielsweise Steve Jobs: Der leider kürzlich verstorbene Apple-Visionär steht für mich in besonderer Weise für Eigensinnigkeit. Wie er gegen alle Widerstände seinen Kopf durchsetzte und jeden Produktentwurf zurück in die Überarbeitung schickte, der ihm nicht simpel oder schön genug war. Wie er dem Markt immer eine Nasenlänge voraus war und nicht die Dinge tat, die man von ihm erwartete.

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„Haben Sie den Dalai Lama schon mal gestresst gesehen?“

Seite 2:

Seine Pflicht mit Stolz erfüllen

Seite 3:

Entscheidungen nicht anderen überlassen

Kommentare zu " Interview Lothar Seiwert: „Haben Sie den Dalai Lama schon mal gestresst gesehen?“"

Alle Kommentare
  • Keiner wird behaupten, dass Bhuddismus die höchste Stufe der Vollkommenheit ist. Jder Reliogion ist eben nur ein mehr oder minder geglückter Versuch, die Menschen wieder in die Hammelherde zurück zu treiben.

    Die wahren Weisen erkennt keiner.
    Sie haben es auch nicht mehr nötig, die Welt zu verbessern oder zu retten. Die Welt ist perfekt und vollkommen, so wie sie ist. Hier bekommt JEDER, was er will. Allerdings sollte man dabei berücksichtigen, dass wir zu 95% unbewusst sind und es sehr wohl auch einen unbewussten Willen gibt.

    Es gibt übrigens keine Fremdbestimmung.

  • Wer sich die Bibliographie von Lothar Seiwert anschaut, der sieht, dass er einfach nur einem Trend nach dem anderen hinterherläuft, darüber ein Buch schreibt und das seiner Leserschaft jedes Mal als ultima ratio präsentiert. Da widerspricht er ohne zu zügern mal eben seinen Thesen aus 1-2 vorangegangenen Büchern oder auch im gleichen Buch sich selbst, wenn er einerseits Fremdbestimmung als Stressfaktor ausmacht, aber andererseits das bedingungslose Grundeinkommen ablehnt, welches allen Menschen des jeweiligen Landes mehr Selbstbestimmung ermöglichen würde. Aber diese Freiheit und Selbstbestimmung gönnt er wohl ausschließlich seiner meist bessersituierten Leserschaft, die die Bücher kauft.

    Wer sich hingegen nachhaltig mit Tao, Zen und anderen Elementen ostasiatischer Philisophie beschäftigt, kann sich diesen ganzen Affenzirkus von Seiwert und Konsorten sparen und findet langfristig einen geeigneten Weg zu mehr Zeit, Freiheit und Selbstbestimmung - und geht nicht einem klassenideologisch verblendeten Schreiberling auf den Leim.

  • Ob ich den Dalai Lama schon mal gestresst gesehen habe? Ja natürlich! Und meistens dann, wenn die Kameras abgeschaltet waren. Es gibt Themen, da ist er sehr gestresst. Denken wir nur an die Shugden-Geschichte. Nein, mal ehrlich, Herr Siewert, jeder biegt sich seine Welt zurecht!

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