IW räumt mit Klischee auf

Kaum ein Germanist fährt Taxi

Wer Soziologie oder Germanistik studiert, wird gerne mit dem Satz bedacht: „Mit dem Abschluss kannst du doch höchstens Taxifahrer werden.“ Das IW hat das nun in einer Studie widerlegt – nicht ganz uneigennützig.
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Akademiker müssen Taxi fahren? Nein, hat das IW herausgefunden – und gleich noch eine Forderung an die Politik an die Studienergebnisse geknüpft. Quelle: dpa

Akademiker müssen Taxi fahren? Nein, hat das IW herausgefunden – und gleich noch eine Forderung an die Politik an die Studienergebnisse geknüpft.

(Foto: dpa)

Düsseldorf„Wenn du Soziologie studierst, kannst du auch gleich Taxifahrer werden.“ Ein Satz, den der ein oder andere Soziologe – wahlweise auch Germanist oder Geologe – schon mal gehört haben wird. Das soll soviel heißen wie: Mit einem Abschluss in einem dieser Fächer findest du sowieso keinen besseren Job. Auch, wenn die Stellenaussichten für Soziologen und Germanisten sicherlich nicht gerade rosig sind – Taxi fahren müssen sie deshalb noch lange nicht. Dieses Vorurteil hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer aktuellen Studie widerlegt.

Dafür hat sich das IW die Anzahl der Akademiker unter Taxifahrern angeguckt. Demnach arbeiten in Deutschland gerade einmal 0,12 Prozent der acht Millionen studierten Beschäftigten als Chauffeur, Mietwagen- oder Taxifahrer. Das ist nur etwas mehr als jeder Tausendste. Ganz klar: Vorurteil widerlegt.

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Kieferorthopäde

Mit einem Stresslevel von 67 sind Kieferorthopäden absolut entspannt. Viel Geld verdienen sie dabei trotzdem, im Schnitt 192.270 Dollar pro Jahr.

So werden Sie Kieferorthopäde: Um als Kieferorthopäde arbeiten zu können, brauchen Sie einen Bachelor-Abschluss, vier Jahre Dentisten-Schule und ein bis zwei Jahre praktische Erfahrung. In Deutschland müssen Sie Zahnmedizin studieren und danach eine Facharztausbildung machen.

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Schiffbauingenieure

Sie haben es vielleicht noch nie gehört, aber diesen Beruf gibt es wirklich und er ist alles andere als stressig. Schiffbauingenieure haben ein durchschnittliches Stresslevel von 67 und verdienen dabei etwa 94.040 Dollar pro Jahr.

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Wer ein Händchen für IT und Hardware hat, der sollte sich das das Berufsfeld des Computer-Hardware-Entwicklers mal genauer anschauen. Wenig Stress (Stresslevel liegt bei 67) und ein Durchschnittsgehalt von 106.930 Dollar pro Jahr locken. Gebraucht wird nur ein Bachelor-Abschluss.

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Ernährungswissenschaftler

Ernährungswissenschaftler gehören mit einem Stresslevel von 55,8 zu den entspanntesten Berufstätigen. Sie verdienen im Schnitt 65.340 Dollar pro Jahr, brauchen dafür im Idealfall aber auch einen Doktortitel.

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Ein ungewöhnliches Berufsfeld aber entspannt und gut bezahlt. Astronomen stressen sich nur selten, ihr Stresslevel liegt mit 62 noch unter dem der Schiffbauingenieure. Das Durchschnittsgehalt für die Weltraumforscher liegt bei 110.440 Dollar pro Jahr. Benötigt wird dazu ein Master-Abschluss.

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Ökonomen

Der Klassiker unter den Berufsfeldern und entgegen aller Gerüchte erstaunlich entspannt – ist die Betriebswirtschaft. Ökonomen verdienen im Schnitt 101.450 Dollar pro Jahr und haben dabei ein Stresslevel von 63,3. Wer in diese Branche einsteigen möchte, braucht meist nur einen Bachelor-Abschluss.

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Politologen

Da sage noch jemand, ein Politikstudium sei brotlose Kunst. Politologen verdienen im Schnitt 100.900 Dollar pro Jahr und weisen dabei ein niedriges Stresslevel von 60,8 auf. Dafür wird jedoch auch ein Master-Studium gefordert, idealerweise in Politikwissenschaften, öffentlicher Verwaltung oder einem ähnlichen Fach.

Die IW-Studie weist auf zwei weitere Merkmale hin: Zwei Drittel der taxifahrenden Akademiker sind mindestens 50 Jahre alt. Und: Jeder Siebte hat keine deutsche Staatsbürgerschaft, hat möglicherweise auch sein Studium im Ausland absolviert.

Ein Aspekt trübt das Ergebnis der Studie allerdings: Das Vorurteil der taxifahrenden Akademiker ist nicht wortwörtlich gemeint. Wenn das IW das Klischee der Akademiker in Aushilfsjobs oder nicht studienfachbezogenen Stellen wirklich widerlegen wollte, müsste es noch eine Menge anderer Branchen unter die Lupe nehmen.

  • lih
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1 Kommentar zu "IW räumt mit Klischee auf: Kaum ein Germanist fährt Taxi"

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  • Sie schreiben: "Um als Kieferorthopäde arbeiten zu können, brauchen Sie einen Bachelor-Abschluss, vier Jahre Dentisten-Schule und ein bis zwei Jahre praktische Erfahrung."

    Das zeigt nur, dass es nicht viel braucht, Redakteur beim Handelsblatt zu werden: In Deutschland ist Voraussetzung für den Fachzahnarzt für Kieferorthopädie das abgeschlossene Studium der Zahnmedizin mit Approbation und eine anschließende mehrjährige Fachzahnarztweiterbildung an einer Uniklinilk oder einer weiterbildungeberechtigten Praxis in Vollzeit. Und "Dentisten-Schulen" gibt es in Deuschland nicht mehr - diese nichtakademische Ausbildung wurde in den 1950er Jahren eingestellt.

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