IW räumt mit Klischee auf
Kaum ein Germanist fährt Taxi

Wer Soziologie oder Germanistik studiert, wird gerne mit dem Satz bedacht: „Mit dem Abschluss kannst du doch höchstens Taxifahrer werden.“ Das IW hat das nun in einer Studie widerlegt – nicht ganz uneigennützig.
  • 1

Düsseldorf„Wenn du Soziologie studierst, kannst du auch gleich Taxifahrer werden.“ Ein Satz, den der ein oder andere Soziologe – wahlweise auch Germanist oder Geologe – schon mal gehört haben wird. Das soll soviel heißen wie: Mit einem Abschluss in einem dieser Fächer findest du sowieso keinen besseren Job. Auch, wenn die Stellenaussichten für Soziologen und Germanisten sicherlich nicht gerade rosig sind – Taxi fahren müssen sie deshalb noch lange nicht. Dieses Vorurteil hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer aktuellen Studie widerlegt.

Dafür hat sich das IW die Anzahl der Akademiker unter Taxifahrern angeguckt. Demnach arbeiten in Deutschland gerade einmal 0,12 Prozent der acht Millionen studierten Beschäftigten als Chauffeur, Mietwagen- oder Taxifahrer. Das ist nur etwas mehr als jeder Tausendste. Ganz klar: Vorurteil widerlegt.

Die IW-Studie weist auf zwei weitere Merkmale hin: Zwei Drittel der taxifahrenden Akademiker sind mindestens 50 Jahre alt. Und: Jeder Siebte hat keine deutsche Staatsbürgerschaft, hat möglicherweise auch sein Studium im Ausland absolviert.

Ein Aspekt trübt das Ergebnis der Studie allerdings: Das Vorurteil der taxifahrenden Akademiker ist nicht wortwörtlich gemeint. Wenn das IW das Klischee der Akademiker in Aushilfsjobs oder nicht studienfachbezogenen Stellen wirklich widerlegen wollte, müsste es noch eine Menge anderer Branchen unter die Lupe nehmen.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " IW räumt mit Klischee auf: Kaum ein Germanist fährt Taxi"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sie schreiben: "Um als Kieferorthopäde arbeiten zu können, brauchen Sie einen Bachelor-Abschluss, vier Jahre Dentisten-Schule und ein bis zwei Jahre praktische Erfahrung."

    Das zeigt nur, dass es nicht viel braucht, Redakteur beim Handelsblatt zu werden: In Deutschland ist Voraussetzung für den Fachzahnarzt für Kieferorthopädie das abgeschlossene Studium der Zahnmedizin mit Approbation und eine anschließende mehrjährige Fachzahnarztweiterbildung an einer Uniklinilk oder einer weiterbildungeberechtigten Praxis in Vollzeit. Und "Dentisten-Schulen" gibt es in Deuschland nicht mehr - diese nichtakademische Ausbildung wurde in den 1950er Jahren eingestellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%