„Je kürzer, desto besser“: Männer fürchten die Elternzeit

„Je kürzer, desto besser“
Männer fürchten die Elternzeit

Immer mehr Väter wünschen sich mehr Zeit für ihre Familien – doch eine längere Auszeit im Beruf ist für Männer weiterhin selten. Viele haben Angst um die Karriere – nicht zu Unrecht.
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DüsseldorfMax Beckmann ist Anfang 2013 Vater geworden. Für den Fahrzeugbauer bei einem Sportwagenhersteller war schnell klar, dass er eine aktive Rolle bei der Erziehung spielen will. „Früher war es noch selbstverständlich, dass der Mann arbeiten geht und die Frau mit den Kindern zu Hause bleibt“ sagt der 28-Jährige. Heute sei das anders, findet er. „Gerade die Anfangszeit mit einem Kind ist so wichtig – und die erlebt man nur einmal.“

Den Trend hin zum Wunsch nach einer gleichberechtigten Aufgabenteilung bestätigen auch Umfragen. Mehr als 88 Prozent der Männer wollen laut einer aktuellen Trendstudie über moderne Väter ihren Nachwuchs von Anfang an aktiv begleiten. Für die Studie im Auftrag der Väter gGmbH, einer gemeinnütziger Interessengruppe, wurde eine repräsentative Umfrage mit intensiven Interviews mit Vätern kombiniert. An der Online-Umfrage des Marktforschungsunternehmens Research Now beteiligten sich insgesamt 1000 Männer.

Um Vätern den Einstieg in die Erziehungsarbeit zu erleichtern, hat die Politik bereits die Modelle Elternzeit und Elterngeld eingeführt. Doch trotz der ständigen Erfolgsmeldungen aus dem Familienministerium - bisher nehmen nur sehr wenige Männer die Option der Elternzeit wirklich wahr.

Gerade einmal sechs Prozent der deutschen Eltern, die eine Elternzeit von mehr als zwei Monaten in Anspruch nehmen, sind Männer. Die überwältigende Masse der Väter beschränkt sich in der Regel auf die beiden Partnermonate.

Wie die meisten jungen Väter nimmt auch Max Beckmann - trotz aller Wünsche zur Gleichberechtigung und der Sehnsucht nach dem Kind - nur zwei Monate Elternzeit, während seine Frau zwölf Monate mit ihrem Beruf aussetzt. Für das junge Ehepaar waren dafür nicht finanzielle Motive entscheidend. Der Autospezialist verdient sogar etwas weniger als seine Frau – vor der Geburt hat die Krankenpflegerin eine Station geleitet. Die Gehalteinbußen wären im entgegengesetzten Fall kleiner gewesen.

Kommentare zu " „Je kürzer, desto besser“: Männer fürchten die Elternzeit"

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  • Die Arbeitgeber sind nachrangig, wenn es die Entscheidung pro Familienarbeit betrifft. Zunächst muss die (werdende) Mutter der modernen Rollenverteilung zustimmen. Und tut sie das nicht, kann Mann mal gleich sämtliche seine diesbezüglichen Ambitionen begraben und vergessen. Es ist also unabdingbar sich bereits vor der Familienplanung von der Frau seiner Wahl die Erlaubnis, am besten notariell beglaubigt, einzuholen. Wer allein auf Treu und Glauben setzt, baut auf Treibsand. Väter haben keinen durchsetzbaren Rechtsanspruch auf Elternzeit, wenn Mütter sich dagegen aussprechen - Mütter hingegen sehr wohl (siehe: §§ 1615l, 1626a BGB).

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • @maximilian@baehring.at
    Wenn Sie sich mal etwas mehr Zeit für Ihre ausschweifenden Beiträge nehmen würden, könnten Sie vielleicht Ihre unzähligen Rechtschreibfehler vermeiden!

  • Viel wichtiger als die paar Monate Elternzeit ist doch, dass die Arbeitgeber flexibel genug sind,d ass die Vaeter zB gerne mal ab fuenf oder sechs gehen wollen um die kleinen Stoepsel von der KITA oder Kindergarten abzuholen u mit den kleinen ein bischen zu spielen, bevor die dann um acht ins Bettchen gehen. Kontinuierliche PRäesenz ist viel wichtiger als die laecherlichen 6 Monate Elternzeit, und danns sieht der Vater das Kind die naechsten Jahre nicht mehr richtig, weil er bis neun abends im Buero zu sitzen hat, um vermeintliche Karriere zu machen durch "Praesenz zeigen". Es ist auch viel wichtiger, dass beide Eheleute arbeiten koennen, falls mal einer ausfaellt ( betriebsbedinge Kuendigung etc). Zwei Standbeine sind besser als eines, und im zweifel ist das Haushaltseinkommen dasselbe, wenn beide arbeiten, aber mit mehr Sicherheit verbunden.

  • Auch ich (m, 35) arbeitete in einem MDAX-Unternehmen, als ich meinen AG über den Wunsch für 2 Monate Elternzeit übermittelte - schon 6 Monate vor Beginn hatte ich meinen Vorgesetzten vorinformiert bzw. 3 Monate vorher schriftlich noch einmal Elternzeit angemeldet (die Regelung, erst 7 Wochen vorher Bescheid zu geben, empfand ich dem AG gegenüber als unfair).

    8 Wochen vor Beginn der Elternzeit bekam ich meine Kündigung - mit den Worten, dass die Kündigung nichtig wäre, wenn ich meinen Elternzeitantrag zurück zöge.

    Natürlich habe ich meinen Antrag über 2 Monate Elternzeit zurückgezogen, und einen neuen Antrag über 12 Monate eingereicht. Nach der Elternzeit gingen der AG und ich getrennte Wege - in solch einer Firma möchte ich nicht arbeiten.

    Zurückblicken muss ich sagen, es war die richtige Entscheidung, das Jahr mit dem Kleinen hat mir viel gegeben, möcht auch persönlich verändert und ich erledige viele Aufgaben am Arbeitsplatz gelassener. Die Elternzeit hat meine Karriere beeinflusst, aber m.E. nicht zum Schlechteren.

  • Sie sprechen mir aus der Seele. Vielen Dank.

    Ich habe ebenfalls einige Monate Elternzeit genommen und meine Arbeit bewusst vom Angestellten-Dasein auf eine freiberufliche Tätigkeit (oh, Gott wie schlimm, Angst, Hilfe) umgestellt, um mehr Zeit mit meiner Tochter zu haben. Ich bin dankbar und priviligiert, dass ich diese Möglichkeit habe. Für jetzt passt es und was in 5 Jahren sein wird, werde ich sehen.

    Dafür verzichte ich auf meinen "sicheren" Job und viel Geld. Den Preis zahle ich aber sehr gerne, denn meine Tochter aufwachsen zu sehen und Zeit mit den wirklich wichtigen Menschen in meinem Leben zu haben, ist unbezahlbar und somit für mich mehr wert als jede Karriere.

    Ich fühle mich freier, glücklicher und erfüllter als je zuvor.

  • Vielleicht sollte man sein ganzes Leben nicht nach einem "perfekten" Lebenslauf ausrichten, sondern einfach leben. Ich persönlich habe als Mann 6 Monate Elternzeit genommen (meine Frau 8 Monate ) und habe es noch nie bereut. Mir war es egal, was das für Auswirkungen für meine Karriere hat. Ich analysiere aber auch nicht den ganzen Tag mein Gehalt oder das Gehalt meiner Kollegen, sondern geniesse nach der Arbeit die Zeit mit meiner Familie.

  • Ja, so muss es sein. Über Geburtenrückgang Sorgen verbreiten, aber gleichzeitig das primäre Ziel das uns die Natur gegeben hat hinter das Geld zurückdrängen.
    Alles dafür tun, damit die zukünftige Generation noch einmal schlechter da steht als die Jetzige. Und immer weiter dreht sich das Rad.
    "Krank" trifft es da nicht mehr wirklich, "absurd" ist schon fast verharmlosend.

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