Karriere
Wie Sie Ihre Mitarbeiter zu Recruitern machen

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Konzerne rüsten digital auf

Janine Gollub, Geschäftsfeldleiterin bei der Deutschen Employer Branding Akademie, sieht die Zahlung eher kritisch – zum Beispiel dann, wenn der Angestellte sich nur für die Prämie interessiert, mit seinem Job aber unzufrieden ist und sich kaum mit dem Unternehmen identifiziert. „Soziale Beweggründe sind die besseren Gründe für eine Mitarbeiterempfehlung.“ Die Zahlungen können Gollub zufolge dazu führen, dass Angestellte Jobsuchende empfehlen, die nicht zum Betrieb passen. Es werden Unterlagen ausgewertet, Vorstellungsgespräche gehalten – für nichts, wenn der „Cultural Fit“, also die Passung zur Unternehmenskultur, nicht stimmt.

Diese Erfahrung hat Versandhändler Otto Personalexpertin Peter zufolge bisher noch nicht gemacht. „Unsere Mitarbeiter überlegen sich sehr gut, wen sie empfehlen. Sie möchten ja nur Kandidaten vorschlagen, die wirklich gut zum Unternehmen und zum Job-Profil passen.“ Die Bewerbungen der vorgeschlagenen Mitarbeiter seien deshalb oftmals sogar die besseren.

Das bestätigt auch Marcus Reif, Chief People Officer bei der Personalberatung Kienbaum. „Nur weil jemand ein paar Tausend Euro für eine erfolgreiche Empfehlung bekommt, heißt das ja nicht, dass die Mitarbeiter ihre Werte, ihre Zufriedenheit und ihr Commitment völlig ignorieren.“ Zumal Jobsuchende übers Internet leicht herausfinden können, wie die Stimmung im Konzern tatsächlich ist, wenn sie dem Mitarbeiter misstrauen. „Unternehmen verpassen einen wichtigen Recruiting-Hebel, wenn sie das Empfehlungskonzept ignorieren“, sagt Reif.

Diesen Hebel verlängern Konzerne wie die Deutsche Bahn und Otto derzeit. Seit Oktober arbeitet der Staatskonzern mit dem von Xing übernommenen Dienst Eqipia zusammen. Durch das Programm können die Mitarbeiter ihr Profil in dem Karrierenetzwerk mit dem System ihres Arbeitgebers verbinden. Die DB-Mitarbeiter erhalten eine Nachricht, wenn das Berufsprofil eines Bekannten zu einer freien Stelle passt – vorausgesetzt, dieser ist auf Jobsuche.

Eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und -nehmer: Der Mitarbeiter muss sich nicht überlegen, wer auf eine offene Position passt, die Bahn schöpft ein noch größeres Bewerberpotenzial ab. Bisher hat sie noch keine Statistik darüber, wie viele Bewerber sie über Eqipia generiert hat, aber: „Das Programm bietet viel Potenzial, beim digitalen Recruiting wollen wir die Möglichkeiten noch mehr ausschöpfen“, sagt Wagner.

Auch Otto zapft die Kontakte der Mitarbeiter in sozialen Netzwerken an. Im vergangenen Jahr testete der Versandhändler eine Softwarelösung Talentry, über welche die Mitarbeiter Stellenanzeigen via Xing, LinkedIn und Facebook mit Bekannten teilen können. Seit diesem Jahr setzt er sie flächendeckend ein und zählt bisher 1.000 Mitarbeiter-Registrierungen. Im vergangenen Jahr erhielten Otto und Talentry für die Anwendung den HR-Excellence-Award.

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