Karriere
Mit dem Hirn-Scan zum Traumjob

Der Zukunftsforscher Thomas Frey spricht im Interview darüber, wie wir künftig arbeiten, warum wir Micro-Universitäten für die zweite Ausbildung brauchen – und wie ein Hirn-Scan die Karriere beschleunigen kann.
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DüsseldorfHerr Frey, wenn Autos künftig selbst fahren und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz immer mehr Aufgaben im Büro übernimmt, was werden wir in Zukunft arbeiten?
Es werden neue Industrien entstehen und damit auch neue Arbeitsplätze. Ich habe sechs Zukunftsbereiche identifiziert: Denken Sie an Sensor-Netzwerke zum Beispiel, die die Luftverschmutzung, den Verkehr oder den Zustand von Maschinen in Echtzeit beobachten und die Informationen an Schaltzentralen weiterleiten. Denken Sie an Virtuelle Realität und an „Contour Crafting“, mit der künftig ganze Häuser in einem Tag von Robotern quasi ausgedruckt werden können.  Damit sind jeweils jede Menge neue Möglichkeiten verbunden.

Was heißt das für die Arbeitgeber?
Uns muss bewusst sein: Der technologische Wandel wird vor keiner Branche Halt machen. Man sieht es schon jetzt bei den Start-ups in der Finanzindustrie. Im vergangenen Jahr allein haben mehr als 8000 neue Unternehmen die etablierten Banken, Versicherer und Vermögensverwalter angegriffen. Wer heute gut im Geschäft ist, muss darauf gefasst sein, dass ein völlig neuer Konkurrent aus dem Nichts auftauchen und eine große Zahl an Kunden abwerben kann. Mehr als je zuvor müssen wir auf der Hut sein. Unternehmen müssen sich selbst immer wieder neu erfinden.

Wie können sich Arbeitnehmer auf die neue Arbeitswelt vorbereiten?
Wer 2030 ins Berufsleben eintritt, wird sechs Mal seine Karriere ändern müssen. Das bedeutet, dass man deutlich schneller als heute eine neue Qualifikation erwerben muss. Ein klassisches Studium an der Universität, das drei bis vier Jahre dauert, ist dazu nicht mehr gut geeignet.

Sondern?
Mir schweben Micro-Universitäten vor, an denen man eine zweite Ausbildung bekommt. Dort könnte man sich zum Beispiel zum Virtual-Reality- oder zu Blockchain-Experten ausbilden lassen. Aber man könnte dort auch lernen, wie man ein Experte für Crowd-Funding wird oder ein Brauerei-Meister. Programmier-Schulen, die in den vergangenen Jahren in den USA entstanden sind, wären ein Beispiel dafür. Aber das ist erst der Anfang.

Ist das nicht riskant, immer wieder auf einen neuen Beruf zu setzen? 
Für manche vielleicht. Aber ich halte es für viel riskanter, nichts zu tun. Wir bewegen uns auf eine Ära zu, in der wir uns immer wieder verbessern müssen. Und: Wir müssen uns immer schneller verändern.

Wie werden wir künftig entscheiden, für welche Berufe wir geeignet sind?
So wie wir heute in der Ära des „Quantified Self“ den menschlichen Körper stärker vermessen als je zuvor werden wir künftig auch das Gehirn analysieren können. Es wird Gehirn-Scans geben, um herauszufinden, was uns liegt und wo wir Defizite haben. Dann werden wir genau auf unsere Bedürfnisse abgestimmt Kurse belegen, um das zu lernen, was wir für einen bestimmten Job brauchen.

Was wird aus denen, die nicht Schritt halten können? Es kann doch nicht jeder zum Programmierer umgeschult werden.
Stimmt, der Übergang wird holprig werden – bis irgendwann jeder in der Schule programmieren lernt. Wenn die Arbeitslosigkeit zu hoch wird, dann glaube ich dass Regierungen in Mega-Projekte investieren werden, die zehn bis 100 Milliarden Dollar wert sein können.

Zum Beispiel?
Pipelines, Brücken oder Tunnel die Kontinente verbinden, oder sogar Weltraum-Tourismus und Asteroiden-Bergbau. In zehn Jahren werden Menschen schließlich zehn Mal mehr erreichen können als heute. Mega-Projekte machen heute acht Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung aus. Das wird sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren verdreifachen.

Herr Frey, vielen Dank für das Gespräch.

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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