Karriere Wie Sie Ihre Mitarbeiter zu Recruitern machen

Im Jahr müssen Konzerne Tausende Stellen neu besetzen. Immer mehr eigene Mitarbeiter übernehmen die Personalsuche für ihren Arbeitgeber gegen eine Prämie – so wie bei der Deutschen Bahn und dem Versandhändler Otto.
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Beim Recruiting zapfen viele große Unternehmen die Kontakte ihrer Mitarbeiter in sozialen Netzwerken an. Quelle: Getty Images AlonzoDesign
Konzerne rüsten digital auf

Beim Recruiting zapfen viele große Unternehmen die Kontakte ihrer Mitarbeiter in sozialen Netzwerken an.

DüsseldorfStellen Sie sich vor, Sie könnten mit Ihren besten Freunden zusammenarbeiten. Und für jeden Kumpel, den Sie in die Firma holen, bekommen Sie 5.000 Euro. Was sich wie eine moderne Version des Kopfgeldes aus Western-Filmen anhört, gilt in Personaler-Kreisen als Königsdisziplin im Recruiting: Mitarbeiter werben Mitarbeiter.

Bei der Deutschen Bahn hat sich diese Form der Personalsuche bewährt. Deshalb verabschiedet sich der Staatskonzern im Sommer auch von seiner alten Strategie zur Personalgewinnung „Kein Job wie jeder andere“. Stattdessen starten die Berliner eine neue Kampagne, um noch mehr Mitarbeiter über eigene Angestellte zu gewinnen. Deren Namen will die Bahn allerdings noch nicht verraten.

Jedes Jahr besetzt die Deutsche Bahn mehr als 10.000 Stellen mit Fach- und Führungskräften neu. Hinzu kommen noch einmal 3.700 Plätze für Auszubildende und Dual-Studierende. Eine große Aufgabe in einer Zeit, in der sich immer mehr Jugendliche für ein Studium an einer Universität entscheiden – und gut ausgebildete IT-Experten eine Rarität sind.

Mit Plakaten, Spots und digitalen Formaten will die Deutsche Bahn mit ihrer Kampagne ein authentisches Bild von sich als Arbeitgeber zeichnen. „Wir setzen auf entwaffnende Ehrlichkeit und zeigen die DB so, wie sie ist, gut, aber nicht perfekt“, sagt Kerstin Wagner, Chefin der Personalgewinnung. „Wir suchen Menschen, die mit uns die Bahn besser und sympathischer machen wollen.“ Die Protagonisten der Spots: einfache Mitarbeiter am Arbeitsplatz.

Diese Unternehmen machen Bewerber glücklich
Platz 10: SAP
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Auf Platz zehn der bewerberfreundlichsten Unternehmen hat es die Software-Schmiede SAP geschafft. Das ist ein Plus von erstaunlichen 72 Plätzen. Im letzten Jahr rangierte das Unternehmen noch auf Platz 82. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der Meinungsforscher Potentialpark unter 28.007 Studenten. Sie sollten das Bewerbungsverfahren von insgesamt 461 Unternehmen anhand von vier Kategorien – Online-Bewerbung, Karriere-Website, Social Media und mobiles Bewerben – bewerben.
Am besten schneidet SAP übrigens in der Kategorie „Mobile“ ab. Dort belegt das Unternehmen Rang 8.

Platz 9: Bayer
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Bayer hat ganze 22 Plätze gutgemacht und belegt nun Rang neun. Bei der Online-Bewerbung und in der Kategorie Mobile schafft es der Chemiekonzern nur auf die Plätze 27 beziehungsweise 25, aber in der Kategorie Social Media reicht es immerhin für Platz fünf.

Platz 8: BASF
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Der Chemiekonzern aus Ludwigshafen kommt auf Rang acht und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr um vier Plätze verschlechtert. Trotzdem schafft es BASF in den Kategorien Karriere-Website und Online-Bewerbung unter die Top vier.

Platz 7: Allianz
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Die Münchner Allianzversicherung belegt Platz sieben. In zwei Kategorien (Mobile und Online Bewerbung) schafft es das Unternehmen in die Top Fünf. Im Vorjahr reichte es in der Gesamtwertung übrigens nur für Rang 14.

Platz 6: Infineon
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Um einen Platz nach unten geht es für den Halbleiterhersteller Infineon. Die besondere Stärke des Unternehmens liegt in der Kategorie „Mobile“. Hier vergaben die Teilnehmer Platz drei.

Platz 5: Thyssen-Krupp
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Einer der Aufsteiger des Jahres ist der Stahlkonzern Thyssen-Krupp. 53 Plätze machte das Unternehmen wett – von Rang 58 geht es hoch auf Rang fünf. Die Stärken des Konzerns aus Sicht der Bewerber sind die Karriere-Website und die Online-Bewerbung.

Platz 4: EY (Ernst & Young)
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Für die Unternehmensberatung ging es im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze nach unten. EY belegt in der Kategorie Social Media zwar den ersten Platz, doch die mobile Bewerbung macht den Befragten offenbar bei EY noch nicht so viel Freude (Platz 17).

Statt Rang zwei schaffen es die Berater in der Gunst der Studierenden nur noch auf Rang vier

Im Jahr gewinnt der Staatskonzern über zehn Prozent an neuen Mitarbeitern im Bahntower über Empfehlungen von Kollegen. Etwa ein Drittel aller Neuanstellungen in Deutschland kommen laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über persönliche Kontakte zustande. Neben der Deutschen Bahn setzen auch der Versandhändler Otto, die Unternehmensberatungen E&Y und Accenture sowie Tchibo oder Ratiopharm beim Recruiting auf die eigenen Mitarbeiter.

Davon profitieren aber nicht nur Jobsuchende und Arbeitgeber. Auch für Angestellte lohnt es sich, einen guten Freund oder Bekannten für eine vakante Stelle vorzuschlagen. Die meisten Unternehmen zahlen ihren Mitarbeitern Prämien. Die Deutsche Bahn vergütet eine Stellenbesetzung durch eine Empfehlung mit 1.500 Euro, pro Auszubildenden gibt es 500 Euro. Das Geld erhalten die Mitarbeiter nach der Einstellung. Hin und wieder richtet das Unternehmen Sonderaktionen aus – und verlost beispielsweise unter allen jenen, die eine Empfehlung ausgesprochen haben, ein iPad. „Es ist wichtig, die Mitarbeiter regelmäßig auf das Empfehlungsprogramm aufmerksam zu machen. Denn jeder von uns hat einen tollen Freundeskreis oder Familienmitglieder“, sagt Wagner.

Bei Otto reicht die Prämienspanne derzeit von 250 Euro für einen Praktikanten bis 5.000 Euro für eine hochqualifizierte Fachkraft. „Wenn es sich bei der vakanten Stelle um eine äußerst spezialisierte Position handelt, die nur schwer zu besetzen ist, dann gibt es auch mal eine Geldprämie von bis zu 5.000 Euro“, sagt Ildiko Peter, Senior Referentin Personalmarketing beim Versandhändler. Otto schreibt jährlich 300 neue Stellen aus – 80 Prozent davon fallen in die technischen Bereiche Business Intelligence, E-Commerce, Online-Marketing und IT. Wie die Deutsche Bahn hat auch das Hamburger Unternehmen ein Zehntel der Positionen mit Hilfe der vergüteten Mitarbeiterempfehlung besetzt.

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